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Varendorfer Alexander Schmidt züchtet Hereford-Rinder und Berkshire-Schweine

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Von: Lars Lohmann

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Alexander Schmidt streichelt seine Berkshire Schweine
Eber Artus (rechts) und seine Sauen holen sich Streicheleinheiten bei Alexander Schmidt ab. Die Berkshire-Schweine sind ein Neuzugang im Betrieb. Sie werden wie die Hereford-Rinder ganzjährig draußen gehalten. © Lohmann

„Wo sind sie, meine Schweine“, ruft Alexander Schmidt. Kurze Zeit später stürzen Eber Artus und seine Damen, sie heißen alle wie die Frauen der Ritter der Tafelrunde, aus dem Unterstand.

Dort hatten sie gedöst und umringen jetzt den Varendorfer, um ein paar Streicheleinheiten abzubekommen. Die Berkshire-Schweine sind Neuzugänge. Angefangen haben Schmidt, seine Frau Kerstin und sein Bruder Thomas mit der Zucht von Hereford-Rindern. 2015 schafft sich der Varendorfer seine ersten zwei Rinder an, um es auszuprobieren. Inzwischen hält er 160 Rinder. Dafür hat er 2018 den Betrieb samt Herde eines Steddorfer Landwirts übernommen und das Unternehmen Heiderinder GmbH gegründet.

„Ich war beruflich viel in der Welt unterwegs und habe immer gerne gegessen. Nur in Deutschland war ich mit dem Fleisch nicht glücklich“, erinnert er sich. Gleichzeitig sei er von der Arbeit ausgelaugt gewesen. Alexander Schmidt ist damals als Messebauer rund um den Globus unterwegs, baut nicht nur die Stände für seine Kunden auf, sondern coacht auch die Angestellten für die Messe. „Das macht eine Zeit lang richtig Spaß. Aber irgendwann ist es nur noch Stress“, sagt der Varendorfer rückblickend.

Dass es Herford-Rinder sind, ist eher ein Zufall. Der Landwirt aus Steddorf, von dem er die Ländereien übernommen hat, hatte die Tiere mit anderen Rinderrassen gekreuzt. Schmidt entschied sich fürs Hereford-Rind, das – genau wie seine Berkshire-Schweine – eine englische Nutzviehrasse ist. „Die Rinder sind sanft, gute Mütter und sie können ganzjährig draußen gehalten werden“, erklärt Schmidt. Das Gleiche gilt für das auch Speckschwein genannte Berkshire. Die Rasse sei in Deutschland kaum bekannt, sei aber die am häufigsten gehaltene Rinderrasse der Welt. „Die Engländer haben es mit in ihre Kolonien genommen“, sagt Schmidt. So findet sich das Rind in den USA und Kanada oder auch in Australien, Südamerika und Südafrika.

In Deutschland haben sich 107 Rinderhalter im Hereford-Zuchtverband zusammengetan. Der Verbandstag fand jetzt bei Schmidts in Varendorf statt. „Bei uns sind nur die beiden Zuchtbullen im Zuchtbuch eingetragen, aber wir achten schon auf die Genetik“, sagt Schmidt. So sei es wichtig, dass die Tiere eher kastenförmig gebaut sind, zum einen für das Fleisch, aber auch für die Gesundheit des Rinds selbst.

Gehalten werden die Rinder bei Schmidts in der Mutter-Kuhhaltung. „Die Kälber bleiben so lange bei den Müttern, bis diese ein neues Kalb haben“, erklärt der Varendorfer. Die Tiere bleiben alle im Betrieb und leben mindestens 36 Monate. Der männliche Nachwuchs wird kastriert. Die Ochsen stehen gemeinsam mit den Färsen und einem der beiden Zuchtbullen auf einer Weide, die Mutterkühe mit ihrem Nachwuchs und Zuchtbulle Minotaurus auf einer anderen. „Die Tiere bleiben ihr Leben lang bei uns“, erklärt Schmidt. Die Weidschlachtung übernimmt er selbst. Bis dahin sollen die Tiere es gut haben. „Das Schlachten gehört dazu, ansonsten würden wir keine Nutztiere halten“, sagt Schmidt, der sich, bevor er den Betrieb aufmachte, vor allem in den USA über die Haltung und Schlachtung der Hereford-Rinder informierte.

Der Vertrieb des Fleisches läuft vor allem übers Internet. „80 Prozent der Bestellungen sind über 300 Kilometer entfernt. Das beißt sich mit dem Nachhaltigkeitsgedanken, den ich eigentlich habe“, sagt Schmidt. Daher will er mit einem Dorfladen seine Produkte auch regional vermarkten. Gleichzeitig hat er eine neue kleine Schlachtanlage nach EU-Standards gebaut.

Da kommen auch wieder die Berkshire-Schweine ins Spiel. „Für viele Produkte wie Wurst braucht man auch Schweinefleisch, wir wollen das Angebot erweitern“, sagt Schmidt. Dass ein stetig wachsender Betrieb natürlich auch Stress macht, bestätigt Schmidt: „Ich und auch die Tiere bestimmen aber das Tempo. Das war früher anders, da fuhr der Zug schneller.“

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