Unterstützerkreis „Willkommen in Bienenbüttel“ veranstaltet Bildungsreisen / 4500 Euro Förderung

Aha-Erlebnisse für Flüchtlinge

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Der Unterstützerkreis um Petra Andreas-Siller (links) organisiert viele Aktivitäten für Flüchtlinge – hier ein Foto vom Café Welcome im Gemeindehaus. Auf dem Foto sind drei der 26 in der Gemeinde lebende Flüchtlinge zu sehen.

Bienenbüttel. Den Alltag in Deutschland und die deutsche Geschichte für Flüchtlinge erlebbar und begreifbar machen. Das hat nun der Unterstützerkreis „Willkommen in Bienenbüttel“ vor.

„Wir müssen die hier lebenden Flüchtlinge so schnell und so umfassend wie möglich integrieren“, erklärt Martin Groß. „Sie sollen das Land erleben“, fügt Petra Andreas-Siller hinzu.

Deshalb hat der Unterstützerkreis ein Konzept für Bildungsreisen für in Bienenbüttel lebende Flüchtlinge entwickelt. „Zehn Bildungsausflüge“ haben die Unterstützer ihr Projekt überschrieben, das die Landesanstalt für niedersächsische Landwirtschaft und Ernährung mit 4500 Euro fördert. Wie der Projekttitel schon erahnen lässt, sollen zehn Reisen angeboten werden – bis August dieses Jahres.

Die ersten beiden Touren haben bereits stattgefunden. Im Dezember ging es nach Bremen ins Überlandmuseum, zum mittelalterlichen Weihnachtsmarkt und zu den Bremer Stadtmusikanten. „Das war richtig gut, es gab viele Aha-Erlebnisse“, berichtet Andreas-Siller. Besonders das Überlandmuseum, wo „die Welt unter einem Dach präsentiert wird“, sei für die Flüchtlinge beeindruckend gewesen, erzählt die Wichmannsburgerin: „Globales Denken ist vielen von ihnen nicht so geläufig.“

Am vergangenen Sonnabend war eine Gruppe Flüchtlinge und Deutsche in Uelzen zur Aufführung des Musicals „Der kleine Prinz“. Theater habe eine große kulturelle Bedeutung in Deutschland, sagt Martin Groß und ergänzt: „Flüchtlinge aus dem Irak sind zum Teil nur Bürgerkrieg gewohnt, die kennen Theater überwiegend nicht.“

Weitere Reiseziele sind unter anderem das Historische Museum Lüneburg, das Planetarium in Hamburg, der Landtag in Hannover und das Theater Lüneburg. Letzteres werde ein Angebot nur für Frauen sein, erklärt Petra Andreas-Siller: „Einige Flüchtlingsfrauen nehmen zwar an Deutschkursen und anderen Maßnahmen, aber eben kaum an Freizeitaktivitäten teil.“

Insgesamt leben derzeit 26 Flüchtlinge aus Syrien, Mali, Somalia, Algerien, Simbabwe und dem Irak in Bienenbüttel. Für jede Bildungsreise gebe es 15 Plätze, sagt Martin Groß, der das Projekt auch als friedensstiftend einstuft: „Unsere Flüchtlinge fühlen sich hier anerkannt. Die Gefahr, dass sie auf die schiefe Bahn geraten, ist geringer.“

Um das Integrationsgefühl bei den Bildungsreisen noch stärker zu machen, hat sich der Unterstützerkreis zwei Dinge überlegt: Zum einen bestehen die Gruppen immer aus Deutschen und Flüchtlingen. Zum anderen sind die Flüchtlinge auch an der Vor- und Nachbereitung der Reisen beteiligt. „Sie sollen lernen, wie man eine Reise organisiert – vom Einladungen schreiben bis zum Zugticket-Kauf“, erläutert Groß. Auch die Abrechnung und Dokumentation der Ausflüge erledigen Deutsche und Flüchtlinge gemeinsam. „Der Lerneffekt ist enorm, und die Flüchtlinge sind bislang begeistert“, sagt Petra Andreas-Siller.

Von Florian Beye

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