Bienenbütteler Apotheker kritisiert Verband wegen Ungleichbehandlung

Ärger um Digitalen Impfnachweis

Ein Apotheker hält einen Impfpass und einen digitalen Impfnachweis in den Händen. Ein Teil der Apotheker startet mit dem Ausstellen des neuen digitalen Nachweises einer Corona-Impfung. Dabei wird für vollständig Geimpfte ein QR-Code erstellt, der in Apps mit dem Handy verwendet werden kann.
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Den digitalen Impfnachweis würde Apotheker Klaus-Georg Franke auch gern in seiner Apotheke in Bienenbüttel ausstellen, doch bisher wartet er vergeblich auf die Freischaltcodes vom Apothekerverband.
  • Lars Lohmann
    VonLars Lohmann
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Alles ist vorbereitet. Die nötige Software ist installiert und nur die Freischaltcodes fehlen noch, damit Klaus-Georg Franke und seine Mitarbeiter in der Georgs-Apotheke in Bienenbüttel den digitalen Impfnachweis ausstellen können. Doch bisher warten sie vergeblich. 

Das Problem: Für die Zustellung der Freischaltcodes ist der Apothekerverband zuständig. Doch Franke ist nicht Mitglied in dem Interessenverein und beanstandet eine Ungleichbehandlung.

„Ich habe das Gefühl, dass Vereinsmitglieder bevorzugt werden“, sagt Franke. Diese Erfahrung habe er schon bei der Freischaltung für die Testungen gemacht. Seinerzeit habe er drei Wochen auf die Unterlagen warten müssen. Es sei ein Unding, dass er und andere Apotheker, die nicht dem Interessenverband angehören, so behandelt werden und nicht machen können, was ihnen vom Gesetz her zusteht. „Wir hatten in Bienenbüttel und Neetze reichlich Kunden, die nach dem digitalen Impfpass gefragt haben und die wir wieder wegschicken mussten. Die denken doch, wir auf dem Land sind zu blöd dazu“, ärgert sich Franke. Ihm gehe es vor allem darum, den Menschen in und um Bienenbüttel den Service endlich anbieten zu können.

„Wir diskriminieren oder bevorzugen niemanden bei der Freischaltung. Das ist blöd gelaufen“, erklärt der stellvertretende Vorsitzende des Landesapothekerverbandes Niedersachsen, Mathias Grau, auf Nachfrage der AZ. Der Apothekerverband sei durch die plötzlich verkündete Einführung des Impfpasses innerhalb weniger Tage überrascht worden. „Wir mussten innerhalb weniger Tage mit heißer Nadel alles vorbereiten“, schildert Grau.

Außerdem sei eine händische Überprüfung aller Apotheker notwendig, die nicht Mitglied im Bundesapothekerverband sind. Anschließend müsse dann noch ein Freischaltcode erstellt werden und dieser dann per Post an die jeweiligen Apotheken gesendet werden. „Das ist ein Flaschenhals und dort kommt es zu Verzögerungen“, sagt Grau.

Er sagt aber auch, dass die notwendige Software schon seit November heruntergeladen werden konnte, da sie eigentlich für die Verwaltung des elektronischen Rezepts gedacht ist und die Freischaltung daher schon seit Längerem möglich sei. „Unsere Verbandsmitglieder hatten da sicherlich einen Wissensvorsprung, weil wir seit Monaten darüber informiert haben“, erklärt Grau.

Für Franke sind die Erklärungen nicht wirklich nachzuvollziehen. „Wenn vom Apothekerverband Verträge mit den Kassen geschlossen werden und wir uns diesen anschließen wollen, geht alles schnell“, sagt er. Daher könne er auch nicht nachvollziehen, warum seine Angaben als Apotheker noch einmal händisch überprüft werden. „Die Daten und alle Fakten zu mir sind doch seit Langem bekannt“, sagt er. Er hoffe, dass die Zugangsdaten endlich bald ankommen.

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