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Die Abenteuer des Fisches Manfred

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Zu verschiedenen Bildern des Autoren Andreas Röckener sollten sich die Kinder der vierten Klasse der Grundschule Bienenbüttel Geschichten ausdenken.
Zu verschiedenen Bildern des Autoren Andreas Röckener sollten sich die Kinder der vierten Klasse der Grundschule Bienenbüttel Geschichten ausdenken. © Frels

Bienenbüttel. „Der Fisch hatte bei seinem Ausflug aufs Land / Schon viel Seltsames gesehen. / Der Blick in den Tunnel / Bot ihm die bei weitem größte Überraschung…“

Und was für seltsame Sachen dieses Bild zeigt: Der Fisch ist grün, er trägt einen Hut und marschiert auf seinen Schwanzflossen, gefolgt von einer Teekanne, schnurstracks auf einen Tunnel zu. Von einem Baum aus beobachten ihn ein kopfüber fliegendes Auto, eine Ampel, eine sich aus einem Ast heraus entwickelnde Schlange.

Eine Sahnetorte wird bei den Kindern zu einer gescheiterten Alien-Invasion. Fotos: Frels
Eine Sahnetorte wird bei den Kindern zu einer gescheiterten Alien-Invasion. © Frels

Fantasiewelten sind es, die der 1956 geborene Andreas Röckener seit mehr als 30 Jahren malt und zeichnet. „Wie geht’s weiter?“ ist sein Buch betitelt, in dem er seinen Zeichnungen Text-Zeilen gegenüberstellt, die zum Nach- und Weiterdenken verführen sollen. Mit diesem Buch und anderen Zeichnungen ist er in die 4. Klasse der Grundschule in Bienenbüttel gegangen, um die Schülerinnen und Schülern anzuregen, fantasievoll zu denken und zu schreiben. Vorgegebene Geschichtsanfänge fortzuführen, eigene Gedanken dazu zu entwickeln und mit eigenen Worten zu Papier zu bringen, das war das Ziel. Das Ergebnis dieses Projekts präsentieren Röckener und das Buchhändler-Ehepaar Anne-Grete und Detlev Patz am Sonntagnachmittag in Bienenbüttel. Anlass ist der an diesem Tag von Buchhandlungen, Verlagen, Bibliotheken und Schulen feierlich begangene „Welttag des Buches“. 1995 hatte die Unesco den 23. April zu diesem weltweiten Feiertag für das Lesen, für Bücher und die Rechte der Autoren erklärt. Der Hintergrund dazu mag in einem alten katalanischen Brauch liegen – sich Bücher zu schenken.

In Bienenbüttel wurde der Gedanke „Ich schenk dir eine Geschichte“ dadurch umgesetzt, dass die nach den inspirierenden Bildern von Andreas Röckener von den Grundschülern fantasievoll weitergesponnenen Texte unkorrigiert abgetippt und vorlesegerecht aufbereitet wurden. Herausgekommen sind schillernde, mit großer Beobachtungsgabe geschriebene Kurzgeschichten, die teilweise einen blumigen Wortschatz erkennen lassen und mit nicht zu erwartenden Wendungen beeindrucken. Tamina Dahms zum Beispiel lässt den eingangs erwähnten Fisch, dem sie den Namen „Manfred“ gegeben hat, in den Tunnel und damit in eine andere Wirklichkeit gehen, in der er auf verschiedene Tiere und merkwürdige Situationen trifft. Eine mit lautem Platz-Geräusch zerteilte Melone lässt ihn schlagartig wieder in die „alte“ Welt zurückkehren. Mit „Puh, das war ein Abenteuer“ endet diese Geschichte.

In ihrer Begrüßung lobt Anne Patz dieses Projekt und macht den Vorschlag, alle dabei entstandenen Geschichten in einem Vorlese-Buch zusammenzufassen und für alle anderen Schüler durch das Einstellen in die Schul-Bücherei zugänglich zu machen. Beifälliges Nicken der anwesenden Eltern deutet Patz als Zustimmung zu diesem Vorhaben. Ziel ist damit der zweite Teil des Unesco-Gedankens – neben dem Anreiz zum Lesen und Schreiben soll für die jungen Autoren deutlich werden: „Das ist meins, das gehört mir, das darf mir niemand nehmen“. So tritt auch noch das Recht am eigenen Text und Bild, das Urheberrecht, gleichwertig hinzu.

Von Folkert Frels

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