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Schwerer Raub und Einbruch in Bienenbüttel: 31-Jähriger sagt vor Lüneburger Landesgericht aus

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Von: Jannis Wiepcke

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Angeklagter im Amtsgericht Lüneburg
Der 31-Jährige Angeklagte hat jahrelang harte Drogen konsumiert. Vor Gericht machte er aber einen sehr sortierten Eindruck. © Wiepcke

Am Landgericht Lüneburg hat am Freitag der Prozess gegen einen Mann begonnen, der den Penny-Markt in Bienenbüttel mit Messergewalt überfallen haben soll.

Bienenbüttel - Wohnungseinbruch, Diebstahl und schwerer Raub: Wegen zahlreicher Vergehen, die zum Großteil in Bienenbüttel stattgefunden haben, muss sich ein 31-Jähriger aus dem Landkreis Uelzen seit Freitag vor dem Landgericht in Lüneburg verantworten. Ihm wird vorgeworfen, die Taten begangen zu haben, um seinen chronischen Drogenkonsum zu finanzieren. Zum Prozessauftakt zeigte sich der Mann reumütig. Er erklärte, dass er sein Leben grundlegend geändert habe und an einem Entzugsprogramm teilnehme.

Vor Gericht übernahm der Mann in vollem Umfang die Verantwortung für die Taten, beteuerte aber auch, dass er diese niemals begangen hätte, wenn er nicht unter dem Einfluss seiner Sucht nach Heroin, Kokain und Benzodiazepinen gestanden hätte: „Ich bin ein gewissenhafter Mensch und kann keiner Fliege etwas zuleide tun“, erklärte der 32-Jährige. Probleme in der Jugend haben ihn nach eigener Aussage zum Drogenkonsum verführt, der dann nach und nach überhandnahm.

„Es ist, als ob der Teufel in dir steckt“, schilderte der Angeklagte, wie der immer stärker werdende Suchtdruck ihn Anfang Oktober 2020 zu seinem ersten Diebstahl verleitete. Unter Zuhilfenahme eines elektrischen Winkelschleifers gelang es ihm, einen Elektro-Roller in der Bienenbütteler Bahnhofstraße zu stehlen – acht weitere Taten sollten folgen.

Noch im gleichen Monat entwendete er ein Fahrrad am Bevenser Bahnhof, bevor er im November eine Starkstromkabeltrommel von einer Baustelle in der Bienenbütteler Lindenstraße mitgehen ließ.Im Januar 2021 folgte ein Überfall auf den örtlichen Pennymarkt, bei dem der Angeklagte eine Kassiererin mit einem 15 bis 20 Zentimeter langen Messers bedrohte und von ihr die Herausgabe von Geld verlangte. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft habe die Frau dies zunächst verweigert, woraufhin der 32-Jährige seiner Forderung mit dem Ausruf „Doch, das können Sie“ Nachdruck verlieh. Anschließend händigte die Kassiererin ihm deshalb einem Geldbetrag in Höhe von rund 1500 Euro aus.

Am 22. Februar scheiterte ein Einbruch in ein Lüneburger Juweliergeschäft. Einen Tag später gelangte der Beschuldigte durch ein gekipptes Fenster in eine Wohnung in der Bienenbütteler Lindenstraße, wo er diverse technische Geräte entwendete. Das vorzeitige Ende fand die Diebesserie im darauffolgenden März. In einem Uelzener und einem Bevenser Drogeriegeschäft stahl der Mann diverse Kosmetikartikel und Parfums.

„Das sind Taten, die ich zutiefst bereue“, blickte der 32-Jährige nach Verlesung der Anklage zurück. Der Mann wohnt mittlerweile bei seinen Eltern im Landkreis Uelzen und hat neben dem Entzugsprogramm auch eine Langzeit-Therapie beantragt, was ihm Dr. Lydia Mumm zugutehielt. „Sie machen einen sehr sortierten Eindruck“, befand die Richterin. Für äußerst problematisch empfand sie hingegen, dass der 32-Jährige nach Beginn des Entzugs noch einen weiteren schweren Raub beging. Ende August betrat er einen Aldi-Markt und bedrohte eine Mitarbeiterin mit einem Messer. Die Frau betätigte einen Alarmknopf, so dass der Angeklagte ohne Beute flüchtete.

„Es klappt nicht immer sofort“, erklärte der 32-Jährige, dass Rückschläge seiner Ansicht nach zum Entzug dazugehören. Er sei aber der festen Überzeugung, seit Beginn des Entzuges progressiv Fortschritte gemacht zu haben. Das erkannte auch Richterin Mumm an: „Hätten wir den Antrag vor einem halben Jahr gemacht, hätten sie keine Chance gehabt“. Egal wie der Prozess ausgehe, müsse sich der Angeklagte deshalb vor Augen führen, dass er bei einem weiteren Vergehen definitiv eine Haftstrafe antreten werde.

Die Verhandlung wird am 7. März fortgesetzt.

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