„Bereits jetzt total überlastet“

2019 entfällt die Hälfte der Verkehrstoten im Landkreis auf die B 4

Auf der Bundesstraße 4 ergeben sich immer wieder gefährliche Verkehrssituationen. Die Zahl der Unfälle ist im vergangenen Jahr wohl um sieben Prozent gestiegen. Foto: POLIZEI
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Auf der Bundesstraße 4 ergeben sich immer wieder gefährliche Verkehrssituationen. Die Zahl der Unfälle ist im vergangenen Jahr wohl um sieben Prozent gestiegen.

Grünhagen/Landkreis – Sechs von zwölf im vergangenen Jahr auf den Straßen des Landkreises tödlich verunglückte Menschen kamen auf der Bundesstraße  4 ums Leben.

Auch das Überholen über gesperrte Flächen kommt immer wieder vor.

„Der Querschnitt in seiner jetzigen Form ist nach meiner Einschätzung bereits jetzt total überlastet“, sagt Andreas Dobslaw, Verkehrsexperte bei der Polizeiinspektion Lüneburg/ Lüchow-Dannenberg/Uelzen. Die Zahl der Verkehrstoten sei ein weiteres trauriges Indiz für die Überlastung der Straße. Zu den sechs Verkehrstoten komme außerdem ein massiver Anstieg bei den Verkehrsunfällen auf der Bundesstraße. Nach einer ersten groben Schätzung sei hier ein Anstieg von sieben Prozent zu erwarten, sagt Dobslaw.

Andreas Dobslaw, Verkehrsexperte der Polizei.

Das Hauptproblem sind aus Sicht von Dobslaw die Mehrzweckstreifen. „Die immer wieder kritisierten Mehrzweckstreifen verschärfen das Problem nachhaltig und provozieren tagtäglich Aggressionen und Gefährdungen im Verkehrsfluss“, erklärt der Verkehrsexperte. So komme es immer wieder zu gefährlichen Überholmanövern. „Ich habe schon erlebt, dass vier Fahrzeuge nebeneinander fuhren und dann auch noch ein Motorradfahrer zum Überholen ansetzte“, schildert Dobslaw.

Zudem gebe es durch den stark angewachsenen Verkehr einen größeren Überholdruck auf der Strecke. Ein Lkw sei eben nicht so schnell überholt wie ein Trecker. „Insgesamt ist der Verkehrsfluss sehr holprig“, meint Dobslaw. In der Folge werde auch an nicht geeigneten Stellen zum Überholen angesetzt und es komme wiederholt zu gefährlichen Situationen.

Die Polizei selbst hat laut dem Verkehrsexperten auf die erhöhten Unfallzahlen bereits reagiert und überwacht die B 4 seit Monaten sehr intensiv und sichtbar (AZ berichtete). Dies sei aber auf Dauer in der gleichen Intensität nicht darstellbar. „Insofern hoffe ich, dass die von den Unfallkommissionen im Oktober 2019 gemachten Vorschläge nun zeitnah abgestimmt und dann zügig umgesetzt werden“, sagt Dobslaw. Diese befinden sich zurzeit noch in der Abstimmung.

Außerdem sei es seiner Einschätzung nach an der Zeit, auch in Richtung Land und Bund als verantwortliche Stellen Alarm zu schlagen. „Daher weisen wir als Polizei auch immer wieder auf die bekannten Probleme hin“, sagt Dobslaw.

VON LARS LOHMANN

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