Viele gehen ohne eigenes Revier auf die Pirsch

2000 Jäger im Kreis Uelzen

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„Das wichtigste ist, die Natur zu sehen“, meint Kreisjägermeister Heinrich Hellbrügge.

Bornsen. Nirgends gibt es mehr Jäger als in Niedersachsen. Jeder 130. Einwohner besitzt laut Landesjägerschaft einen Jagdschein. Im Bundesschnitt verfügt nur einer von 218 Bürgern über die Lizenz zum Jagen.

Die Kreisjägerschaft Uelzen zählt immerhin 1560 Mitglieder im Besitz eines gültigen Jagdscheins. Insgesamt schätzt Kreisjägermeister Heinrich Hellbrügge die Zahl der Jäger auf 2000.

„Es liegt an der ländlichen Struktur, dass die Leute mit der Jagd verwachsen sind“, erklärt der Bornsener Landwirt. Und das Interesse an Wild und Jagd ist ungebrochen und auf keine Altersgruppe beschränkt. Im Gegenteil: Der Altersschnitt der 29 Teilnehmer des jüngsten Kurses zum Jagdschein, der ab 16 erworben werden kann, lag bei gerade mal 22 Jahren. Schüler, Lehrlinge und Vertreter aus allen Berufen seien darunter zu finden.

Dabei gehe es mitnichten nur ums Schießen: „Wir haben sehr viele Jagdscheinaspiranten, die Naturverständnis erwerben wollen“, betont Hellbrügge. Und dafür sei die Jagd besser geeignet als die Naturschutzverbände: „Die Naturabläufe im Lauf des Jahres kennt keiner besser. Jäger sind dauernd draußen.“

Bei der Jagdausübung gibt es eine Besonderheit. Denn es gibt weit mehr Jäger als die 365 Jagdbezirke im Landkreis Uelzen. Ab mindestens 75 Hektar zusammenhängendem Land können Landwirte und Grundeigentümer eine Eigenjagd ausüben, sonst bilden mindestens 250 Hektar einen Jagdbezirk, den die Grundeigentümer, Jagdgenossen genannt, an einen oder mehrere Jäger verpachten, die mindestens drei Jahre den Jagdschein besitzen (Erfahrung). Das ist auch eine Kostenfrage, denn die Jagdpächter kommen im Zweifelsfall auch für Wildschäden auf – etwa dann, wenn Wildschweine Felder verwüsten.

Wer keinen Jagdbezirk besitzt – etwa zwei Drittel der Jäger – versucht, bei einem befreundeten Jagdpächter mit zu jagen. „Das ist ein Vertrauensbeweis, wenn einer mitgehen darf“, sagt Hellbrügge. Denn der Jagdpächter muss sich darauf verlassen, dass er sich richtig verhält und nicht mehr Wild schießt als vereinbart. „Denn im Wald ist er ganz allein.“ Auf der anderen Seite schätzen die Jagdpächter die Unterstützung, denn statt mit Geld revanchieren sich die Jäger ohne Land im Revier beim Einrichten von Wildschutzzäunen, beim Fallenstellen oder beim Bau von Hochsitzen.

Dass die hohe Zahl der Jäger ein Problem ist, kann Hellbrügge nicht sehen: „Bei 2000 Jägern 4000 Rehe macht zwei pro Jäger oder bei 2700 Sauen 1,5.“ Die Motivation sei ja auch eine andere: „Das wichtigste ist, die Natur zu sehen“, meint Hellbrügge. Wenn die Hasen rauskommen, wenn im Frühjahr der Rotmilan balzt, das sieht er nur, wenn er auf der Kanzel sitzt.

Von Gerhard Sternitzke

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