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Zweiter Prozesstag am Landgericht wegen versuchten Mordes in Lüder

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Von: Theresa Brand

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Angeklagte beim Prozess im Landgericht Lüneburg
Zwei Angeklagte aus der Samtgemeinde Aue müssen sich gestern vor dem Landgericht Lüneburg beim zweiten Prozesstag wegen versuchten Mordes verantworten.  © Brand, Theresa

Der Prozess wegen versuchten Mordes im vergangenen Jahr geht in die nächste Runde. Weitere Zeugen sagen zu der Tat aus und geben Auskunft zu den Geschehnissen.

Lüder/Lüneburg – Im Prozess wegen versuchten Mordes in Lüder vor dem Landgericht Lüneburg haben gestern weitere Zeugen ausgesagt. Dem 22-Jährigen Angeklagten wird vorgeworfen, bei dem 43-jährigen Opfer zunächst die Bremsschläuche am Auto von dessen Verlobten durchtrennt zu haben. Anschließend habe er dem Mann mit einem Messer eine große Wunde im Gesicht zugefügt und sei geflohen. Die 20-Jährige soll den Angeklagten dazu überredet und bei der Tat Schmiere gestanden haben (AZ berichtete).

Als erster Zeuge wird gestern ein Bekannter der Angeklagten vernommen. Er sei in der Tatnacht mit zwei Freunden im Auto unterwegs gewesen, als er gegen 23.20 Uhr einen Anruf vom Angeklagten erhalten habe. Dieser habe darum gebeten, ihn und seine Freundin an einer Landstraße abzuholen. Die drei seien zu dem vereinbarten Treffpunkt gefahren. „Wir haben uns gewundert, dass die beiden über einen Acker kamen und halt dementsprechend aussahen“, gibt der Zeuge an. Ansonsten könne er zu dem Abend allerdings nicht viel berichten: „Da war eine ganze Flasche Bacardi bei mir im Spiel, ich erinnere mich nicht mehr gut.“

Den Angeklagten selbst kenne er nur durch den Motorcross-Sport. „Das ist ein witziger, offener Typ. Ich hatte nie Probleme mit ihm“, sagt der 30-Jährige aus. Über die Geschehnisse in der Tatnacht habe er erst später durch Erzählungen von anderen gehört. Von dem Abend selbst wisse er nur noch, dass die beiden Angeklagten bei ihm ausgestiegen seien und noch etwas mit ihm getrunken hätten. „Aber wie die nach Hause gekommen sind – keine Ahnung“, sagt er.

Auch drei Polizisten sind am gestrigen Prozesstag geladen. Einer von ihnen war an der vorläufigen Festnahme des 22-jährigen Angeklagten beteiligt. Nachdem die Bilder der im Carport installierten Wildkamera auf den Angeklagten hingedeutet hätten, habe er diesen nach kurzer Ermittlung vorläufig festgenommen. „Mir ist sofort aufgefallen, dass er fast erleichtert wirkte und absolut kooperativ war“, erklärt der Beamte im Zeugenstand.

Er habe den jungen Mann zur Wache gebracht und sei anschließend zu dessen Wohnsitz gefahren, um nach der Täterkleidung zu suchen. Noch während der Fahrt habe ihn ein Kollege angerufen und mitgeteilt, der Angeklagte habe ausgesagt, dass die Kleidung bei ihm im Haus sei. Sogar den genauen Ort habe er genannt. Bei der Durchsuchung stellten die Beamten die Kleidung sicher. Auch während der Fahrt zur Haftprüfung habe der 22-Jährige – entgegen dem Rat seines Verteidigers – einige Aussagen gemacht. Er habe darauf hingewiesen, die Polizei solle eine weibliche Mittäterin suchen. Auch sein Handy und die notwendigen Pins habe er ausgehändigt.

Bei der Auswertung der Chatverläufe seien die Beamten auf Nachrichten zwischen den beiden Angeklagten gestoßen: „Hast du mein Messer noch?“ „Ja, gebe ich dir, wenn ich dich sehe“, habe es dort geheißen. Später habe der Angeklagte die Tatwaffe in den Kanal geworfen. Eine weitere Zeugin, die gestern nicht vor Gericht erscheint, soll nun in der Fortsetzung aussagen.

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