1. az-online.de
  2. Uelzen
  3. Bad Bodenteich

Zwei junge Landwirte betreiben Hühnermobil bei Könau

Erstellt:

Von: Bernd Schossadowski

Kommentare

Nico Gause und Franziska Heerdes knien auf einer Wiese und sind umringt von mehr als 20 Hühnern.
Nico Gause und Franziska Heerdes freuen sich, dass ihr Hühnermobil bei Könau so erfolgreich gestartet ist. © Bernd Schossadowski

Wenn Nico Gause und seine Freundin Franziska Heerdes über die von ihnen gepachtete Wiese bei Könau laufen, werden sie von einer Schar von 300 Legehennen umringt. Die beiden jungen Landwirte betreiben dort seit Kurzem ein Hühnermobil als Nebenerwerb. „Ein Stück Hühnerglück“, so nennen sie ihr Projekt.

Könau – Hildegard und Bertha sorgen dafür, dass den Urmels nichts passiert. Die beiden weißen Zwergziegen tummeln sich inmitten von 300 Hühnern auf einer Wiese bei Könau und passen auf, dass sich Greifvögel nicht über das Geflügel hermachen. Franziska Heerdes nennt alle ihrer Legehennen nur Urmel, denn einen eigenen Namen für jedes Tier kann sich die 26-Jährige natürlich nicht ausdenken. Zusammen mit ihrem Freund Nico Gause (28) betreibt sie seit Februar ein Hühnermobil mit Freilandhaltung.

Beide sind gelernte Landwirte, doch ihre neu gegründete Esterauer Wiesenei GbR läuft erst mal nur als Nebenerwerb. Im Hauptberuf arbeitet die junge Frau im Büro eines landwirtschaftlichen Betriebs in Masel (Landkreis Gifhorn). Gause ist beim Agrarbetrieb seines Onkels in Könau angestellt. „Wir haben schon länger mit dem Gedanken eines Hühnermobils gespielt“, verrät er. „Jetzt haben wir gesagt: Wir trauen uns einfach mal, nehmen ein bisschen Geld in die Hand und versuchen unser Glück.“

Franziska Heerdes und Nico Gause sind ein Beispiel für mehrere Hühnermobile, die es derzeit im Landkreis Uelzen gibt. Die beiden haben eine Wiese an der L 265 zwischen Könau und Soltendieck gepachtet und dort zwei gekaufte Container aufgestellt, die über eine kleine Brücke miteinander verbunden sind.

Der größere ist elf Meter lang und beherbergt den Stall, in dem die Hühner ihre Eier legen und schlafen. Der kleinere misst acht Meter und ist eine Art Wintergarten. Dort können die Tiere ihren natürlichen Instinkten nachgehen, zum Beispiel im Sand baden, in Hackschnitzeln scharren oder sich sonnen, denn die Plane des Containers lässt sich seitlich öffnen, sodass Licht hereinströmt. Den 300 Hennen der Rasse „Lohmann braun“ stehen somit 50,5 Quadratmeter Stallfläche zur Verfügung – deutlich mehr als in konventionellen Ställen. „Uns geht es um das Tierwohl. Die Hühner sollen nicht gedrängt ohne Tageslicht sitzen und sich gegenseitig hacken“, erklärt Nico Gause. Und so steht auf einem der Container auch „Ein Stück Hühnerglück“.

Die 24 Wochen alten Tiere genießen den Auslauf und die Beschäftigung im Freien. „Wir haben unsere Wiese in vier Abschnitte eingeteilt. Alle zwei bis drei Wochen ziehen die Hühner ein Stück weiter“, sagt Gause. Ein Elektrozaun sorgt dafür, dass das Federvieh nicht ausbüxt.

Die Nacht verbringen die Tiere im Schlafcontainer. Sobald die Dämmerung einsetzt, gehen sie hinein. Die per Zeitschaltuhr gesteuerte Klappe schließt sich automatisch bei Sonnenuntergang. Doch manchmal verpasst eine Henne den Zapfenstreich. „Dann müssen wir sie mit der Hand reintragen“, erzählt Heerdes und lacht. Morgens um 5 Uhr geht im Container das Licht an, um 10 Uhr öffnet sich die Klappe wieder.

Etwa 280 Eier legen die Hühner pro Tag. Die beiden jungen Landwirte verkaufen sie in drei Selbstbedienungshütten am Ortsrand von Könau, an der L 270 in Wieren und der B 4 in Sprakensehl. In Könau selbst ist das Hühnermobil sehr beliebt. „Oft kommen Kinder vorbei und schauen sich die Tiere an“, erzählt Franziska Heerdes.

Gerne zeigt sie Kindergärten, Schulen oder sonstigen Interessierten ihre Hennen und bittet dazu um einen Anruf unter (0 15 77) 3 50 16 21. Dann erleben die Besucher auch Hildegard und Bertha. Die beiden Hühner-Bodyguards machen bislang einen ausgezeichneten Job. „Wir hatten noch keine Verluste durch Greifvogel-Angriffe“, freut sich Nico Gause.

Auch interessant

Kommentare