Landgericht Lüneburg verhängt Bewährungsstrafe gegen Angeklagten

Urteil gegen 55-Jährigen: Zwei Jahre für sexuellen Missbrauch

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Während sein Verteidiger (links) und der Dolmetscher bereits saßen, verharrte der Angeklagte gestern minutenlang stehend und mit gesenktem Kopf im Gerichtssaal. 

Bad Bodenteich/Lüneburg – Nach fünf Prozesstagen hat das Landgericht Lüneburg gestern das Urteil gegen einen 55-Jährigen gesprochen (AZ berichtete) – und es ist ein vergleichsweise mildes.

Der Vietnamese wurde wegen mehrfachen schweren sexuellen Missbrauchs, in einem Fall in Tateinheit mit Vergewaltigung, zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Diese wurde für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Zudem muss der Mann 1.000 Euro an den „Weißen Ring“ zahlen. Alle Beteiligten erklärten, auf Revision zu verzichten. Das Urteil ist somit rechtskräftig.

Der Mann hatte die Taten zwischen 1999 und 2004 in Bad Bodenteich und Ibbenbühren begangen. Das Opfer, die Tochter eines befreundeten Paares, war damals ein Kind. Die inzwischen 27-Jährige trat im Prozess als Nebenklägerin auf.

„Wir haben es hier mit abscheulichen Taten zu tun, begangen am schwächsten Glied unserer Gesellschaft, einem Kind“, sagte der Vorsitzende Richter Dr. Michael Herrmann in seiner Urteilsbegründung. Mit Blick auf den 55-Jährigen erklärte er: „Sie haben ihr die Kindheit genommen.“ Das Leben des Opfers sei fortan von Angst geprägt gewesen. Verständlich sei daher „ein gewisser Schrei nach harter Sühne“.

Trotzdem habe das Gericht strafmildernde Umstände zugunsten des Angeklagten berücksichtigt. Ganz wichtig sei das Täter-Opfer-Ausgleichsgespräch gewesen. Der Angeklagte sei voll geständig, habe die Verantwortung für seine Taten übernommen und sich bei dem Opfer entschuldigt. Außerdem habe er 5.000 Euro in die Gerichtskasse eingezahlt – Schmerzensgeld für die junge Frau.

Oberstaatsanwalt Kolja Christoph hatte zwei Jahre und zehn Monate Haft ohne Bewährung beantragt. Der Verteidiger des Angeklagten und die Rechtsanwältin des Opfers hatten sich für eine Bewährungsstrafe ausgesprochen. Mit dem Urteil werde der Rechtsfrieden hergestellt, erklärte Hermann. Damit werde der Grundstein gelegt, dass das Opfer „die Vergangenheit besser bewältigen und wieder in eine Zukunft blicken kann“.

bs

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