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Zwei hochmoderne Tanklöschfahrzeuge für die Waldbrand-Bekämpfung

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Von: Bernd Schossadowski

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neues Tanklöschfahrzeug für Waldbrandbekämpfung
Das Tanklöschfahrzeug bietet eine ganz besondere Ausstattung. © Horn, Bernd

Das Land Niedersachsen geht in Sachen Waldbrandbekämpfung neue Wege. In diesem Jahr werden zwei hochmoderne Tanklöschfahrzeuge in Kattien und Altenmedingen stationiert, die zu Katastrophenschutz-Einsätzen innerhalb der EU alarmiert werden können.

Kattien/Altenmedingen – Für die Feuerwehren in Niedersachsen ist es etwas völlig Neues. Um die Bekämpfung von Wald- und Vegetationsbränden in der EU im Rahmen des Katastrophenschutzes zu unterstützen, baut das Land derzeit vier Spezialeinheiten für diese besonders herausfordernden Einsätze auf. Eine gemeinsame Einheit bilden die Kreise Uelzen und Gifhorn. Sie werden in diesem Jahr mit vier hochmodernen Tanklöschfahrzeugen ausgerüstet. Jeweils eines wird in Kattien und Altenmedingen stationiert, die beiden anderen im Nachbarkreis.

„Schon jetzt haben wir Waldbrand-Einsatzzüge im Landkreis Uelzen. Aber die neuen Einheiten werden noch größere Fähigkeiten haben“, erklärt André Pieper-Christensen, stellvertretender Kreisbrandmeister und Abschnittsleiter Süd, im AZ-Gespräch. Und die sind auch gefragt, denn die Einsätze im EU-Ausland werden länger dauern als auf Kreisebene.

Einsätze in Südeuropa und Skandinavien

Mögliche Einsatzorte sind Länder in Südeuropa, die aufgrund der großen Hitze und Trockenheit immer wieder von verheerenden Waldbränden heimgesucht werden, aber auch Skandinavien. „Die neuen Einheiten können auch bei Bränden in Deutschland eingesetzt werden“, sagt Pieper-Christensen. Sie werden aber unabhängig von den bestehenden Freiwilligen Feuerwehren aufgestellt.

Neben dem Verbund von Uelzen und Gifhorn gibt es in Niedersachsen drei weitere Einheiten. Eine gemeinsame bilden seit 2022 Celle und der Heidekreis. Sie haben im vergangenen Jahr bereits einen Löscheinsatz in Südfrankreich unterstützt. In den zwei anderen Einheiten kooperiert der Kreis Lüneburg mit Lüchow-Dannenberg und der Kreis Göttingen mit Goslar.

Mehr Schlagkraft gegen Waldbrände


„In vielen europäischen Ländern ist der Brandschutz längst nicht so professionell aufgestellt wie bei uns in Deutschland“, sagt Kreisbrandmeister Helmut Rüger. Die neuen Einheiten bieten somit gemeinsam mit ihren EU-Partnern mehr Schlagkraft im Kampf gegen Wald- und Vegetationsbrände.

Doch zuvor müssen die Spezialkräfte umfassend weitergebildet werden. Sie werden nicht aus ihren Heimatwehren verpflichtet, sondern können sich freiwillig für die Einheit melden. Eine Voraussetzung ist, dass sie mindestens 21 Jahre alt sind. In ihren Wehren müssen sie eine entsprechende Ausbildung – je nach Aufgabe in ihrer Einheit – absolviert haben und Atemschutzgeräteträger sein. Es bestehen auch besondere Anforderungen an die körperliche Fitness. Außerdem müssen sie mehrere Lehrgänge absolvieren, etwa zur Bekämpfung von Vegetationsbränden und zum Bewegen von Feuerwehrfahrzeugen in extremem, unwegsamem Gelände. Auch gute Englisch-Kenntnisse sind unerlässlich.

Die neue Spezialeinheit stößt im Kreis Uelzen auf reges Interesse. „Wir haben eine Liste an Personal, die größer ist als das, was wir benötigen“, berichtet Pieper-Christensen. Erfreulich sei auch, dass die Interessenten aus vielen verschiedenen Orten kommen. „Man muss nämlich im Blick haben, dass die bestehenden Feuerwehren durch die neue Einheit personell nicht geschwächt werden dürfen“, betont Rüger.

Jedes Fahrzeug kostet etwa 400 000 Euro

Jede Einheit in Niedersachsen erhält vier Löschfahrzeuge vom Typ CCFM 3000. Die Kosten von jeweils rund 400 000 Euro übernimmt das Land. Die Standorte in Kattien und Altenmedingen seien wegen der dortigen freien Stellplätze ausgesucht worden, erläutert Rüger. Hinzu kommt ein Kommandowagen, der bereits bei der Feuerwehrtechnischen Zentrale in Uelzen stationiert ist und etwa 150 000 Euro gekostet hat.

Das CCFM 3000 bietet eine ganz besondere Ausstattung. So ist der Pumpenbedien-stand im hinteren Bereich offen. „Das Fahrzeug kann dadurch mehr Wasser mitnehmen. Es ist zugleich kompakter als vergleichbare Fahrzeuge“, schildert Pieper-Christensen. Darüber hinaus hat es besonders stabile Scheiben aus Verbundglas, hält einen Flammen-Überschlag aus und verfügt über eine zentrale Atemluftversorgung in der Fahrerkabine. Dank eines Bügels auf dem Dach übersteht es auch ein plötzliches Umkippen im Gelände. Außer dem 3000 Liter fassenden Löschwassertank besitzt es eine Seilwinde zur Selbstbergung und eine Selbstschutzanlage mit separatem 500-Liter-Wassertank.

Pro Fahrzeug besteht die Besatzung aus vier Feuerwehrleuten. Insgesamt zwölf sind es somit für den Kreis Uelzen, zuzüglich zwölf Kräfte als Reserve. Die gleiche Anzahl steuert der Kreis Gifhorn bei. Er hat neben den beiden Tanklöschfahrzeugen noch einen Logistik-Gerätewagen.

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