Notfallseelsorger Lars Neumann hilft Feuerwehrleuten bei psychischen Bleastungen

Wenn Einsätze zu sehr aufwühlen

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Lars Neumann, Pastor der Bad Bodenteicher St.-Petri-Gemeinde, ist einer von zahlreichen Notfallseelsorgern im Kreis Uelzen. Er bietet auch Einsatz-Nachbesprechungen für Feuerwehrleute an.

Reinstorf/Bad Bodenteich. Es gibt Feuerwehr-Einsätze, die bei den Rettern noch lange nachwirken. „Wenn man nicht mal die Chance hat, einen Menschen zu retten, entsteht mehr als Traurigkeit. Das ist ein Verlust. Man ist so machtlos.“

So beschreibt Thomas Lampe, stellvertretender Gemeindebrandmeister der Samtgemeinde Aue, die psychischen Belastungen nach dem Löscheinsatz vor rund zwei Wochen in Könau.

Wie berichtet, war bei dem Feuer in einem Wohnhaus der 81-jährige Bewohner ums Leben gekommen. Doch der Leichnam konnte zunächst nicht geborgen werden, weil das Haus nach dem Feuer einsturzgefährdet war. Die Bergung war erst Stunden später möglich, nachdem Kräfte des Technischen Hilfswerks das Gebäude gesichert hatten.

Auch wenn Lampe an dem Einsatz in Könau nicht persönlich beteiligt war, kann er gut nachempfinden, wie sich viele Feuerwehrleute gefühlt haben müssen. Denn er weiß, wie belastend manche Einsätze, etwa nach Verkehrsunfällen, sein können. „Am schlimmsten ist es, wenn eigene Kameraden dabei verletzt werden und beim Rückweg ein Sitzplatz im Fahrzeug leer bleibt“, schildert er. „Dann kommen viele Emotionen hoch.“ Gleiches gelte für Unfälle mit Kindern. Sehr hilfreich seien in solchen Fällen die Einsatz-Nachbesprechungen mit einem Notfall-Seelsorger.

Einer von ihnen ist Bad Bodenteichs Pastor Lars Neumann. Er wurde nach dem Brand in Könau von einem der beteiligten Feuerwehrleute kontaktiert. „Ich habe ihn besucht und mit ihm gesprochen“, berichtet Neumann, der seit sieben Jahren Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Bad Bodenteich ist. Das Gespräch sei natürlich streng vertraulich. Daher will er nur so viel verraten: Er habe Hilfestellungen geboten, damit die Geschehnisse emotional verarbeitet werden können.

Doch die Einsatz-Nachsorge stellt nur einen kleinen Teil von Neumanns Arbeit dar. Wesentlich häufiger – im Schnitt 25 bis 30 Mal im Jahr – ist der 49-Jährige als Notfallseelsorger im Landkreis Uelzen gefragt. „Oft geht es darum, gemeinsam mit der Polizei den Angehörigen eine Todesnachricht zu überbringen, zum Beispiel nach Unfällen oder Bränden“, berichtet er. Dabei seien Gebete meistens nicht gefragt. Notfallseelsorge sei auch keine kirchliche Begleitung. „Es geht darum, wie wir den Menschen beistehen können.“

Den Hinterbliebenen zuzuhören, ihnen zu helfen, sich wieder zu fangen und in die Zukunft zu blicken – das sei gefragt. Außerdem bietet Neumann Unterstützung bei organisatorischen Dingen an, zum Beispiel bei der Frage, wer als nächstes verständigt werden muss. Zwar koordiniert der Bad Bodenteicher seit 2013 die Notfallseelsorge im Kreis Uelzen, doch er ist nur einer von zahlreichen Pastoren und ehrenamtlichen Helfern, die diese Aufgabe übernehmen.

Nach Ansicht von Thomas Lampe sind die Einsatz-Nachbesprechungen für die Feuerwehrleute unverzichtbar. „Darüber zu reden, ist das Allerwichtigste“, findet er. Mit Blick auf Neumanns Funktionen als Notfallseelsorger und Feuerwehrmitglied meint er: „Diese Kombination ist ein Glücksfall für uns.“

Von Bernd Schossadowski

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