Stephan M. Rother legt neuen Thriller vor / Bad Bodenteicher Autor liefert Hochspannung

Wenn Ängste tödlich sind

Auch Kommissare haben Ängste – in Stephan M. Rothers neuem Thriller haben diese mit Wasser zu tun. Der Autor hat die Inspiration dazu in der Nähe seiner Heimat Bad Bodenteich gefunden. Foto: Boden

Bad Bodenteich. Wer stirbt schon gern kopfüber an einem Ast hängend, mit dem Kopf in der Alsterquelle baumelnd? Und wer wacht schon gern in einem verschlossenen Sarg zwei Meter unter der Erde auf – um nach furchtbaren Minuten nie wieder aufzuwachen? Stephan M.

Rother mutet dieses Schicksal zweien der Akteure in seinem neuen Thriller zu – und dreht mit diesen und anderen Morden ganz stark an der Spannungsschraube. „Ich bin der Herr deiner Angst“ ist das, was in England als „pageturner“ bezeichnet wird: Man kann gar nicht anders, als immer noch eine und noch eine Seite umzublättern.

Für den Bad Bodenteicher dürfte dieses Buch einen enormen Popularitätsschub bringen. Rother, der 2008 das Kapitel mit seinen Auftritten als „Magister“ auf der Burg Bodenteich zugeschlagen hat, legt eine Kriminalstory vor, die von rororo mit einer großen Kampagne begleitet wird – ein deutliches Zeichen für das Potenzial, das der Verlag in dem Werk erkennt.

„Ich bin der Herr deiner Angst“ erscheint am Montag, 2. April. Schon im Vorfeld wird mit einer crossmedialen Inszenierung im Internet Appetit auf das Buch gemacht, und wer sich darauf einlässt, kann selbst zum Teil einer Geschichte werden, die buchstäblich für Gänsehaut sorgt. Es wird Anzeigen in renommierten Magazinen geben, das Buch wird auf Großplakaten beworben, und ICE-Fahrgästen werden in der April-Ausgabe des Bahn-Magazins „DB mobil“ exklusive Leseproben präsentiert. Gleichzeitig wird bereits ein Hörbuch mit den bekannten Sprechern Simon Jäger und Tanja Geke produziert. Rother fühlt sich mithin bei rororo bestens unterstützt: „Der Verlag glaubt an das Buch.“

Warum, das wird schon nach wenigen Seiten klar: In einer herbstlich-norddeutschen Stimmung entwickelt der 43-Jährige ein düsteres Panorama menschlicher Alpträume. In Hamburg sterben Menschen auf grausame und teils unerklärliche Weise, zu den Opfern gehören auch Angehörige der Polizei – und Hauptkommissar Jörg Albrecht steht vor einem Fall, der ihn selbst am Ende mit seinen ureigensten Ängsten konfrontieren wird.

Ihm zur Seite ermittelt Kriminalkommissarin Hannah Friedrichs, die ausgerechnet ein, nun ja, ungewöhnliches Verhältnis zu einem der Hauptverdächtigen pflegt. Es dauert eine Weile, bis sie verstehen, dass der Schlüssel des Rätsels in einem über 20 Jahre zurückliegenden Fall verborgen ist – und dass Ängste tödlich sein können. Dabei stellt sich auch die Grundsatzfrage: Kann ein Verbrechen mit der schwierigen Biografie des Täters entschuldigt werden?

Rothers Figuren haben Ecken und Kanten, die Geschichte lebt – neben aller Spannung – auch von Wortwitz und pfiffigen Dialogen. Diese Elemente und die psychologische Dimension der Geschichte heben den Thriller heraus aus dem üblichen Tätersuche-Genre.

Rotlichtmilieu, der dunkle Hamburger Hauptfriedhof, ein vergessener Winkel im Hafengebiet, der Sachsenwald – Rothers Schauplätze sind weltstädtisch und provinziell zugleich, und die Botschaft ist wohl: Die Angst kann überall zuschlagen und benötigt keine exotischen James-Bond-Kulissen. „Hamburg ist für mich die südlichste Stadt Skandinaviens – das ist ein skandinavischer Krimi“, sagt der gelernte Historiker.

Die Spur führt schließlich nach Braunschweig und Königslutter, wo es zu einem finale furioso kommt. Rother nutzt die Topografie des Romans für eine Prise Lokalkolorit, wenn etwa Kommissar Albrecht auf der B 4 in Richtung Süden Bekanntschaft mit den Blitzapparaten macht und bei Uelzen über seltsame Fahrstreifenkonstruktionen sinniert. Ein Wiedersehen gibt es mit den Figuren Rabeck und Cornelius, die Rother-Fans aus anderen Werken des Bodenteichers kennen.

Rund vier Monate hat Stephan M. Rother an seinem Werk „Herr deiner Angst“ geschrieben – und arbeitet schon vor der Veröffentlichung an einer Fortsetzung.

Von Holger Boden

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