Wenige Stände auf dem Bodenteicher Wochenmarkt / Treue Kunden schätzen dennoch das Angebot

„Weil ich hier alles frisch kriege“

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Ingrid Borchmann aus Müssingen steht seit 25 Jahren mit ihren Erzeugnissen aus eigener Produktion auf dem Bodenteicher Wochenmarkt, doch es kommen nur wenige Kunden: „Es ist traurig heute. Die älteren Leute sterben aus, die jungen Leute fahren zur Arbeit.“

Bad Bodenteich. Es blüht auf dem Wochenmarkt in Bad Bodenteich. Ingrid Borchers packt einer Kundin eine Blume ein. Frisches Frühlingsgrün und Blüten sind jetzt gefragt. Die Marktbeschickerin aus Müssingen kann sich Zeit nehmen für einen Schnack.

Denn trotz Sonnenschein machen sich am Freitag die Besucher rar zwischen den sechs Ständen, die in Sichtweite der Burg aufgestellt sind. Trotz aller Bemühungen der Interessengemeinschaft Wochenmarkt Bad Bodenteich um mehr Marktbeschicker und mehr Besucher sind Fortschritte nicht zu erkennen.

„Es ist traurig heute“, kommentiert Ingrid Borchmann, die bereits seit 25 Jahren mit ihren Erzeugnissen aus eigener Produktion auf dem Bodenteicher Wochenmarkt steht. „Die älteren Leute sterben aus, die jungen Leute fahren zur Arbeit“, sucht sie eine Erklärung. Schlimmer noch: Viele Bodenteicher wissen offenbar nicht einmal, dass sie vor Ort einen Wochenmarkt haben. Schuld seien auch die vielen Supermärkte im Flecken.

Sie heißen Edeka, Lidl, Aldi und Netto, und sie ziehen Kaufkraft. Viele kauften dort auch aus Kostengründen ein, vermutet Bürgermeister Edgar Staßar. „Im Winter war es deprimierend, da waren nur zwei, drei Marktbeschicker da.“

„Früher hat es viele Wagen gegeben“, erinnert sich Rentnerin Rosemarie Niebuhr, die außer der Blume noch Eier im Korb hat. „Aber wenn keine Leute kommen, kann ich das verstehen.“ Insbesondere der Käsewagen wird von den Kunden vermisst, die sich trotzdem über das Angebot freuen, das sie auf der Burgstraße finden.

„Der Wochenmarkt ist gut. Ich bekomme hier frische Sachen aus der Region“, sagt Lukas Ritzer (22). Er vermutet, dass der Termin am Freitagnachmittag für viele Berufstätige zu früh ist. Markt-Stammkundin Helga Warnecke (68) aus Häcklingen ist zufrieden: „Man kriegt auch alte Gemüsesorten, Petersilienwurzeln oder Pastinaken.“ Und die Hausfrau fügt hinzu: „Mir würde was fehlen, wenn ich nicht freitags herkommen könnte.“ Man trifft sich bei dem Einkauf unter freiem Himmel.

Dieter Lewerenz (56) packt Bio-Kartoffeln, Zwiebeln, Eier und ein Glas Honig in einen großen Einkaufskorb. Für ihn kann der Supermarkt den Wochenmarkt nicht ersetzen: „Weil ich hier alles frisch kriege und weiß, wo es herkommt“, erklärt der Polizist aus Bodenteich.

Ihm pflichtet auch Eveline Gottwald (60) bei: „Kartoffeln würde ich nicht im Leben im Supermarkt kaufen. Und gucken Sie mal den Porree an! Der ist frisch geerntet“, schwärmt die Verkäuferin aus Bodenteich: „Da ist der Geschmack ganz anders.“ Etwas mehr Auswahl auf dem Wochenmarkt würde sie sich allerdings wünschen.

Doch neue Stände wird es kaum geben, meint Norbert Reller aus Lüder, seit 20 Jahren auf dem Bodenteicher Wochenmarkt: „Es gibt keine jungen Händler mehr.“ Kein Wunder, die Arbeit auf dem Markt ist hart. Der Fleischermeister, der sechs Märkte zwischen Uelzen und Hermannsburg ansteuert, fängt morgens um halb drei an. Klagen über den Zustand des Wochenmarkts findet der 48-Jährige dennoch unangebracht. In der Saison, wenn Camper und Touristen kommen, sind mehr Menschen auf dem Markt.

Bernd Peter von der Interessengemeinschaft Wochenmarkt Bad Bodenteich gibt jedenfalls nicht auf. Auch in diesem Jahr heißt es deshalb vom 2. Mai bis zum 5. September wieder „Wochenmarkt und mehr...“ Trödel-, Bücher-, Kinder- und Pflanzenmärkte sorgen dann für zusätzliche Besucher.

Von Gerhard Sternitzke

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