„Katastrophale“ Lage: 400 000 Euro mehr Schulden

Viel Lob für Finanz-Fleißarbeit

Durch einen Berg großer und kleiner Zahlenposten hat sich die Gemeinde im ersten doppischen Gesamt-Haushalt der Samtgemeinde Aue gekämpft. Rein finanziell sieht das Fazit dennoch schlecht aus: mehr Schulden, dramatische Einschätzungen. Foto: dpa

Aue. Über den grünen Klee gelobt haben die Räte der Samtgemeinde Aue bei der vergangenen Sitzung den Kämmerer Frank Juchert und seine Mitarbeiter. Sie haben den ersten Haushaltsplan für die erst ein halbes Jahr junge Samtgemeinde erstellt.

Dass man erstmals beide ehemaligen Gemeinden einrechnen musste, war nicht die einzige Schwierigkeit: Zusätzlich musste es in einer neuen Buchführung, der Doppik, aufgeschrieben werden.

Herausgekommen ist ein 200-Seiten-Wälzer. Kurz gesagt, geht daraus über die klamme Haushaltslage der Samtgemeinde hervor: Es wird besser, aber noch nicht gut genug. Kredite konnten getilgt werden. Die Schlüsselzuweisungen wachsen wegen der höheren Einwohnerzahl, die Entschuldungshilfe durch den Zukunftsvertrag ist gekommen.

Soweit die guten Nachrichten. Die Verschuldung steigt nach wie vor, und nur die Entschuldungshilfe half dabei, einen unterfinanzierten laufenden Betrieb in ein positives Ergebnis zu wandeln.

Dennoch haben alle Räte dem Haushaltsplan zugestimmt. Die CDU/WGA-Gruppe lobte die Verwaltung einhellig: Heinz-Hermann Schulze sprach die gute Zusammenarbeit in der Verwaltung an, lobte die Arbeit der Finanzabteilung, die die Umstellung und die Zusammenlegung der Samtgemeinden tapfer und anstandslos getragen habe. Er sagte aber auch, dass man „sparen muss, wo immer es geht.“ Der SPD dankte er für den guten Umgang.

SPD-Sprecher Andreas Dobslaw hatte sich – neben großem Lob – auch kritische Worte zurecht gelegt. Er legte den Finger in die Wunde: Der Landkreis schätzt die Lage der Samtgemeinde als „katastrophal“ ein, das solle man sich sehr deutlich machen. An die CDU/WGA-Gruppe gewandt sagte er: „Dass wir sparen müssen, scheint bei euch noch nicht angekommen zu sein“. Trotzdem bezeugte er Respekt vor der Arbeit der Sachbearbeiter in turbulenter Zeit: „Fusion, Doppik, Wahlkampf, da kam einiges zusammen. Unser Dank gilt der Verwaltung und den Sachbearbeitern.“ Er dankte auch CDU und WGA für Sachlichkeit und Zusammenarbeit.

Keine größere Transparenz

Juchert ließ sich das Lob von allen Parteien zufrieden gefallen. Die Doppik und die einzelnen Zählstellen des Finanzplanes musste er in vielen Ausschüssen langwierig näher bringen. So kam es vor, dass Juchert in Ausschüssen wissbegierigen Abgeordneten jeden kleinen Posten erklären musste – die Räte um ihre Kontrollpflicht gegenüber der Verwaltung bedacht, der Kämmerer genervt, aber pflichtbewusst referierend über jeden Cent.

Eine größere Transparenz solle die Doppik bringen, hieß es, als den Kommunen das neue Rechnungswesen aufgebürdet wurde. Das sieht er nicht so, und da schwingt ein wenig Groll mit über das Land, das die Umstellung forderte. „Das Land hat uns das Kindchen vor die Haustür gelegt. Mehr Transparenz ist aber nicht gegeben“. Wolle man es wirklich übergenau machen, würden aus den 200 schnell 400 bis 500 Seiten. Und er sagt über ein Treffen mit Kollegen aus der kommunalen Finanzwirtschaft und denen des Landes – die noch nicht auf die Doppik umgestellt haben: „Wir haben das Land gefragt: Wann stellt Ihr denn auf die Doppik um? Die haben...“ da imitiert Juchert panische Gesichter der Landes-Finanzexperten – und erntet ein Lachen im Saal.

Von Kai Hasse

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