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Veterinäramt will Papagei des Bodenteichers Ottmar Brandt beschlagnahmen

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Von: Bernd Schossadowski

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Ottmar Brandt und sein Papagei Luna
Ottmar Brandt kann nicht verstehen, warum das Veterinäramt des Landkreises seine Papageiendame Luna beschlagnahmen will. © Schossadowski, Bernd

Noch ist Papageiendame Luna bei ihrem Besitzer und ihrem Papageien-Partner Leo. Doch weil ihr Vater Koko keinen Ring trug, gilt auch Luna jetzt als illegal.

Bad Bodenteich – Sie tragen so klingende Namen wie Buffy, Chicco, Luna und Leo. Die Rede ist von den Kongo-Graupapageien des Bad Bodenteichers Ottmar Brandt. Um die Tiere ist eine Behördenposse entstanden, die den 62-Jährigen fassungslos und wütend macht. Bereits 2021 berichtete die AZ, dass Chicco vom Veterinäramt des Landkreises Uelzen wegen eines angeblich ungeklärten Herkunftsnachweises beschlagnahmt werden sollte. Inzwischen hat die Behörde das Tier tatsächlich mitgenommen und in eine Auffangstation für Papageien gebracht.

Und nicht nur das: Chiccos langjährige Partnerin Buffy wurde aus dem gleichen Grund beschlagnahmt. Dieses Schicksal droht jetzt auch Papageiendame Luna. Zwar befindet sich diese noch in Brandts Obhut, doch sie könnte jederzeit von der Behörde mitgenommen werden. Für Brandt ist das völlig unverständlich.

Herkunftsdokument ist sehr wichtig

Bei Buffy habe sich nachträglich herausgestellt, dass das Tier nicht mit einem Ring gekennzeichnet war, erklärt Fabian Buß, Pressesprecher des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), auf AZ-Anfrage. Der Papagei habe dem vorgelegten Herkunftsdokument somit nicht zugeordnet werden können. Die Folge: Buffy unterlag wie auch Chicco „dem allgemeinen Besitzverbot besonders geschützter Tiere und wurde durch die zuständige Vollzugsbehörde eingezogen“, teilt Buß mit.

Die Kennzeichnung von Papageien mit einem Ring sei sehr wichtig, um auszuschließen, dass es sich dabei um einen illegalen Wildfang handelt. „Ringe sind nur dann als Nachweis des legalen Ursprungs geeignet, wenn sie sich am Tier befinden“, betont Buß. Sei das nicht der Fall, habe ein Ring „keinerlei Beweiskraft“, weil er jedem beliebigen Tier zugeordnet werden könnte. Brandt habe somit nicht nachweisen können, dass Buffy aus einer legalen innereuropäischen Nachzucht stammt. Daher sei das Tier beschlagnahmt worden.

Im Fall von Luna wird es noch komplizierter. Brandt hat sie 2016 von einem Züchter aus der Samtgemeinde Suderburg erworben. Luna ist eine Tochter von dessen Graupapagei Koko. Bei ihm hat das Veterinäramt nachträglich festgestellt, dass auch er keinen Ring am Bein trug. Stattdessen war dieser mit einem Bändchen an seiner Abgabebescheinigung befestigt. Dieser auf den ersten Blick formale Fehler hatte gravierende Folgen: Vor einigen Monaten hat das Veterinäramt den Suderburger Züchter aufgesucht, Koko beschlagnahmt und ebenfalls in eine Auffangstation gebracht.

Doch warum fehlte der Ring am Bein? „Ich habe Koko 2015 von einer Frau aus Hamburg gekauft. Sie sagte mir, der Ring wurde abgemacht, weil Koko eine Verletzung am Bein hatte“, erklärt der Mann, der namentlich nicht genannt werden möchte, der AZ. Natürlich sei Koko kein illegaler Wildfang, sondern legal nachgezüchtet.

Weil Koko illegal ist, gilt das auch für Luna

Für Brandt hat die Beschlagnahmung des Tieres bittere Konsequenzen. Denn jetzt sollen auch alle Nachkommen Kokos – bundesweit etwa 20 Tiere – ihren Besitzern entzogen werden. Das würde auch Luna betreffen, die zwar ordnungsgemäß beringt ist, aber von den Behörden als illegal eingestuft wird. Ein entsprechendes Schreiben hat Brandt kürzlich vom Landkreis erhalten.

Dass er sich von seiner geliebten Luna vielleicht schon bald trennen muss, erfüllt Brandt mit großem Schmerz. „Luna und ihr Partner Leo verstehen sich prächtig, das ist Harmonie pur“, erzählt der Bad Bodenteicher. Hinzu kommt, dass Luna und Leo das erste Papageienpärchen sind, das er sich zugelegt hat. „An ihnen hängt mein Herz ganz besonders“, verrät er.

Brandt ist sich sicher, dass beide Tiere unter einer Trennung extrem leiden würden. „Schlimmstenfalls hätte das ihren Tod zur Folge“, befürchtet er. „Die Behörde will ein glückliches Pärchen trennen. Das widerspricht doch dem Naturschutzgesetz, nach dem eine Einzelhaltung von Papageien verboten ist.“ Deshalb hat Brandt über seine Rechtsanwältin Widerspruch beim Landkreis eingelegt.

NLWKN-Sprecher Buß bezweifelt indes, dass eine Trennung negative Folgen für Luna und Leo hätte. „Nach den vorliegenden Erkenntnissen suchen sich Graupapageien als Schwarmtiere durchaus nach einer Trauerphase einen neuen Partner“, sagte er. Eine bestehende Partnerschaft mit einem anderen Papagei schließe eine Beschlagnahmung daher nicht aus.

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