Ehepaar aus Schafwedel bildet Hunde im „Mantrailing“ aus / Witterung nach menschlichem Geruch

Vermisstensuche auf vier Pfoten

+
Der polnische Jagdhund Olek (rechts) nimmt die Witterung nach einer Geruchsspur auf. Daher lässt ihm sein Herrchen Kai-Uwe Sander eine lange Leine. Ehefrau Christiane Sander schaut mit Kurzhaar-Collie-Hündin Marie dem „Mantrailing“ interessiert zu.

Schafwedel. Konzentriert erschnüffelt sich Olek seinen Weg über die regennasse Wiese in Schafwedel. Zielstrebig geht der fast neun Jahre alte polnische Jagdhund voran und zieht an der Leine seines Herrchens Kai-Uwe Sander.

Lockt Olek die Aussicht auf die Packung Hundefutter, die Sanders Ehefrau Christiane zuvor versteckt hat? Nein, es sind der Instinkt und das intensive Training, die den Rüden antreiben. Denn Olek ist ein „Mantrailing“-Hund, speziell ausgebildet für die Suche nach vermissten Personen anhand ihres individuellen Geruchs.

Seit mehr als sieben Jahren gehen Kai-Uwe und Christiane Sander aus Schafwedel diesem Hobby nach. Regelmäßig treffen sie sich mit Gleichgesinnten in freier Natur und bilden ihre Hunde zu „Mantrailern“ aus. Das nötige Fachwissen haben sie sich in mehreren Seminaren angeeignet.

„Eigentlich muss der Mensch bei dieser Sache viel mehr lernen als der Hund“, sagt Christiane Sander. Denn der Vierbeiner kann seiner hervorragenden Nase vertrauen. „Er geht nicht nur dem Geruch nach, sondern auch den Hautporen und der Ausatmung der gesuchten Person“, erklärt sie.

Vor allem aber macht Olek das „Mantrailing“ großen Spaß. „Das sieht man ihm richtig an“, erzählt Kai-Uwe Sander. Die Fährte nimmt der Rüde oft anhand der Kleidung des Opfers – so wird die gesuchte Person im Fachjargon genannt – auf, beispielsweise an einer Mütze. Aber auch eine Mineralwasserflasche oder ein Autositz dienen mitunter als Geruchsprobe für Olek. Er trägt beim „Mantrailing“ stets ein spezielles Geschirr und läuft an einer bis zu zehn Meter langen Leine. „Er entscheidet ganz allein, wo es langgeht“, erklärt Sander. Hat Olek das Opfer aufgespürt, zeigt er das an. Dann setzt er sich hin und dreht sich in Richtung seines Herrchens.

Auch der andere Hund der Sanders, die zweieinhalbjährige Kurzhaar-Collie-Dame Marie, ist beim „Mantrailing“ sehr geschickt. „Sie ist extrem schlau und kann um die Ecke denken“, sagt Christiane Sander. „Olek“ sei hingegen recht eigenwillig. „Er hat ein paar Macken. Aber das ,Mantrailing‘ ist sehr gut für ihn, um dieses Verhalten abzulegen.“

Schon mehrfach waren Olek und Marie im realen Sucheinsatz nach Vermissten. Zum Beispiel vor ein paar Jahren nach einem Autounfall in Schafwedel. Der Fahrer war geflüchtet. Kai-Uwe Sander wurde von der Polizei um Unterstützung gebeten. Olek nahm die Spur des Fahrers durch ein Getreidefeld auf. Schließlich stellte sich der Gesuchte freiwillig den Beamten. Aber auch an der Suche nach einem vermissten Senior und nach einem minderjährigen Flüchtling, der aus einer Wohngruppe ausgebüxt war, beteiligte sich Olek.

„Gerade für Hunde, die sich auffällig verhalten, ängstlich oder aggressiv sind, eignet sich ,Mantrailing‘ sehr gut. Sie gewinnen dadurch Selbstvertrauen“, weiß Christiane Sander. Wer mehr über das Hobby erfahren oder bei der Gruppe mitmachen möchte, kann sich unter sander@schafwedel.de oder (0 58 24) 28 40 melden.

Von Bernd Schossadowski

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.