Tragischer Unglücksfall in Bad Bodenteich

Tödliches Raclette: Vier Wellensittiche sterben an Gasen aus Raclette-Pfannen

Shilan Schnitzer und ihr Mann Björn aus Bad Bodenteich sitzen am Esstisch im Wohnzimmer ihres Hauses.
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Shilan Schnitzer und ihr Mann Björn aus Bad Bodenteich sind entsetzt. Ihre vier Wellensittiche sind während eines Raclette-Essens qualvoll gestorben. In den beschichteten Pfannen hatten sich giftige Gase gebildet.
  • Bernd Schossadowski
    VonBernd Schossadowski
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Shilan und Björn Schnitzer aus Bad Bodenteich sind schockiert. Nichtsahnend aßen die beiden in ihrem Wohnzimmer Raclette, als ihre vier Wellensittiche in der Voliere plötzlich tot umfielen. Der Grund sind giftige Gase, die sich in den erhitzten Racletten-Pfannen gebildet haben.

Bad Bodenteich – Tokio, Baloo, Martinez und Luzifer hatten keine Chance. Die vier Wellensittiche, die in einer Voliere im Wohnzimmer saßen, sind durch tragische Umstände erstickt. Niemals hätten sich ihre Besitzer, Shilan und Björn Schnitzer aus Bad Bodenteich, träumen lassen, dass ihr Raclette-Grill Schuld daran war. Denn was die Schnitzers, wie viele andere Menschen, nicht wussten: In beschichteten Raclette-Pfannen werden bei großer Hitze Gase freigesetzt, die für Vögel tödlich sein können.

„Es war wie in einem schlechten Horrorfilm“, erinnert sich Björn Schnitzer an den Augenblick, als die ersten beiden Sittiche tot umfielen. „Ich stand hier wie entgeistert. Für die Tiere war es ein ziemlich qualvoller Tod.“ Ihre Voliere hatte im Wohnzimmer, etwa vier Meter vom Esstisch entfernt, gestanden. Es war ausgerechnet Shilan Schnitzers Geburtstag. „Wir haben abends Raclette gegessen, das ist mein Lieblingsessen“, erzählt die junge Frau der AZ. Über den Tod ihrer vier Wellensittiche ist sie schockiert. „Aus einem Geburtstagsessen wurde ein Massensterben“, sagt sie.

Die Ursache war ohne Zweifel der Raclette-Grill, erklärt Professor Michael Pees, Direktor der Klinik für Heimtiere, Reptilien und Vögel der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, auf AZ-Anfrage. Die Beschichtung der Pfannen bestehe aus Poly-

tetrafluorethylen, kurz PTFE. „Beim Erhitzen entstehen Gase, die bei Vögeln Lungenödeme verursachen. Die Tiere sterben innerhalb kürzester Zeit“, schildert Pees.

Doch nicht nur Wellensittiche, sondern auch größere Vögel wie Papageien seien gefährdet. Bei Säugetieren wie Hunden oder Katzen sei dieses Phänomen dagegen nicht bekannt. „Das ist eine reine Vogel-Problematik. Jedes Jahr entstehen dadurch dramatische Probleme“, weiß der Experte. Diese würden nicht nur durch Raclettes, sondern auch durch Tischgrills und PTFE-beschichtete Pfannen auf dem Küchenherd verursacht. Doch kaum jemand wisse das. „In der Forschung ist das seit den 1970er-Jahren bekannt. Es wird aber so gut wie nirgendwo draufgeschrieben“, sagt Pees. Das bestätigt Björn Schnitzer. Auch er habe nichts davon gewusst. „Ich habe mir hinterher die Anleitung unseres Raclette-Grills durchgelesen. Ich finde es ein Unding, dass dort kein Warnhinweis drinstand“, schimpft er.

Gerade Vögel seien sehr empfindlich, erklärt die Bad Bodenteicher Tierärztin Dr. Birgit Janßen. „Sie haben einen viel intensiveren Stoffwechsel als Säugetiere und brauchen ganz viel Sauerstoff, um ihre Flugleistungen erbringen zu können.“ Küchen-Ausdünstungen könnten ihnen zum Verhängnis werden, warnt Janßen. Ihr Tipp: „Man sollte Vögel niemals in der Küche oder in deren Umfeld halten.“

Weitere Ratschläge finden sich im Internet. Bei Menschen könnten durch PTFE-Beschichtungen erst ab etwa 260 Grad gesundheitliche Probleme auftreten, doch bei Vögeln bereits ab 202 Grad, heißt es dort. „Erhitzen Sie Ihre Pfannen und Töpfe nicht auf der höchsten Stufe. Öffnen Sie ein Fenster oder schalten Sie die Dunstabzugshaube vor dem Kochen an“, lauten die Tipps. Am besten sollten Vögel in ein anderes Zimmer gebracht und die Tür verschlossen werden. Nach dem Essen sollte der Raum gut durchgelüftet werden.

Shilan Schnitzer hat den tragischen Tod ihrer Wellensittiche öffentlich gemacht, um andere Vogelhalter zu warnen. „Jetzt im Herbst geht die Raclette-Saison los. Da werden bestimmt noch viele Menschen vor dem Käfig stehen und sich fragen: Was habe ich getan?“

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