Öko-Baustoff sorgt für gutes Klima in den Büros

Strohwände für die Seepark-Klinik: 1,8 Millionen Euro für Verwaltungsanbau

Technischer Leiter André Piper zeigt die Strohdämmung des Verwaltungsanbaus: „Wenn Sie ein Feuerzeug ranhalten, wird das Stroh schwarz, aber das Feuer geht sofort aus.“

Bad Bodenteich. Mittagszeit in der Seepark-Klinik Bad Bodenteich: Teller scheppern, Bestecke klirren im Speisesaal, über allem das Stimmengewirr der Patienten. Von der Baustelle nebenan bekommen sie wenig mit.

Wand für Wand schwebt am Haken eines Autokrans auf die Bodenplatte. Die Mediclin-Seepark-Klinik investiert 1,8 Millionen Euro in einen Anbau, in den im Dezember die Verwaltung umziehen soll.

Ein Autokran montiert die Wandelemente für den Anbau.

„Wir brauchen Platz für neue Patientenzimmer, Therapieräume und Mitarbeiterbüros“, sagt Ulrich Fernim, kaufmännischer Leiter der Klinik. Innerhalb von zehn Jahren hat die Einrichtung, die besonders auf Magersucht und krankhaftes Übergewicht spezialisiert ist, die Zahl der durchschnittlich belegten Betten von 132 auf 215 erhöht. Gleichzeitig wuchs die Zahl der Mitarbeiter von 123 im Jahr 2008 auf derzeit 210. Dazu trage auch eine großzügigere Genehmigungsquote der Deutschen Rentenversicherung bei, die bemüht sei, auch Ältere im Arbeitsprozess zu halten, erläutert Fernim.

„Die Büros der Mitarbeiter sind zum Teil doppelt genutzt“, schildert der ärztliche Leiter Max-Holger Warnke die derzeitige Enge im Klinikgelände am Südzipfel des Parksees.

Der Anbau nebenan, der durch einen Gang mit der Klinik verbunden wird, wird 600 Quadratmeter für insgesamt 14 Mitarbeiterbüros sowie je einen Schulungs- und Besprechungsraum umfassen. Zum Einsatz kommt dabei eine ungewöhnliche ökologische Bauweise. Die in Litauen vorgefertigten Wandelemente in Holzständerbauweise sind nämlich mit stark verdichtetem Stroh ausgefüllt – ein hocheffizientes Dämmmaterial.

„Für die Mitarbeiter wird das ein angenehmes Raumklima. Das Gebäude wird sich im Sommer nicht aufheizen und im Winter nicht so abkühlen“, erläutert der technische Leiter André Pieper. So kommt es ohne Heizungsanlage aus, lediglich eine Belüftungsanlage wird warme Luft zuführen. „Der Rest kommt von den Mitarbeitern und den technischen Geräten“, sagt Pieper. Die Klinik, die bereits seit 2010 über eine Biogasanlage beheizt wird, spart also erhebliche Energiekosten ein.

Eine erhöhte Brandgefahr sieht Pieper nicht. „Wenn Sie ein Feuerzeug ranhalten, wird das Stroh schwarz, aber das Feuer geht sofort aus.“ Von Außen werden die Wände verputzt. Bis zum Wochenende soll das Dach auf dem Flachbau sein, der später begrünt wird. Was den kaufmännischen Leiter Fernim besonders freut: die ökologische Bauweise ist sogar günstiger als die ursprünglich geplante Modulbauweise.

Sobald die Verwaltung umgezogen ist, beginnt der Umbau der Klinik, der mit 250 000 Euro kalkuliert ist. Innerhalb von drei Monaten werden Büros umgebaut und zehn zusätzliche Patientenzimmer geschaffen.

„Aber ein Jahr später reicht der Platz nicht mehr“, betont Fernim. Er plant einen Neubau ausschließlich für den Bereich Essstörungen. Die Entscheidung über die eingeplanten Fördermittel vom Land fällt im September.

Von Gerhard Sternitzke

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