Bundesumweltamt betreibt Messstation bei Langenbrügge

Auf den Spuren von Schadstoffen: Luftbelastung seit 1990 deutlich gesunken

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Einsatz im Labor: Andreas Schwerin zeigt einen der Kunststofftrichter, in denen Niederschläge aufgefangen werden. Der 59-Jährige ist einer von drei Mitarbeitern der Luftmessstation Waldhof bei Langenbrügge, die das Umweltbundesamt betreibt.

Langenbrügge. Auf den ersten Blick wirkt Andreas Schwerin in seinem weißen Kittel und den Einmalhandschuhen wie ein Arzt. Doch mit Medizin hat der 59-Jährige nichts zu tun.

Vielmehr betreut er die Luftmessstation Waldhof des Umweltbundesamtes, in einem Waldstück drei Kilometer östlich von Langenbrügge gelegen. Dort entnimmt Schwerin Proben zur Ermittlung von Schadstoffen in Luft und Niederschlag – und muss dabei Laborkittel und Handschuhe tragen, um die empfindlichen Spuren nicht zu verunreinigen.

Die Konzentration von Schwefeldioxid, Stickstoff, Ozon, Ammoniak, Feinstaub und vielen weiteren Schadstoffen wird in der Station – sie ist eine von sieben, die das Bundesumweltamt betreibt – ermittelt. Das geschieht unter anderem in Metallkästen mit Ansaugvorrichtung, die Schwerin „Staubsammler“ nennt. Darin befinden sich weiße Filter, die sich durch Schadstoffe dunkel färben.

„Kommt der Wind von der Nordsee und vom Atlantik, ist die Luft nur wenig belastet“, erklärt der Diplom-Ingenieur für Elektrotechnik. „Haben wir aber im Winter eine austauscharme Wetterlage mit östlicher Strömung, sind die Filter manchmal grau.“ Dann werden aus Osteuropa Staubpartikel, an denen zum Teil Schwermetalle haften, über viele hundert Kilometer in die Lüneburger Heide geweht.

Die in Waldhof ermittelten Daten werden per Computer gespeichert und in einem Labor des Umweltbundesamtes ausgewertet. Insgesamt sei die Luftbelastung im Raum Waldhof sehr gering, sagt Schwerin. Die Feinstaub-, Stickstoff- und Schwefeldioxid-Konzentration sei deutlich gesunken. Ganz anders habe das 1970 ausgesehen. Damals war die Messstation, die nur wenige hundert Meter von der Grenze zu Sachsen-Anhalt entfernt ist, eingerichtet worden, um den Transport von Luftverunreinigungen aus der DDR zu erfassen. „Bis 1990 kam es schon mal vor, dass der Quarzfilter richtig schwarz war“, schildert Schwerin, der seit 1992 in Waldhof arbeitet.

Dort werden auch Niederschläge, Temperatur und Luftdruck ermittelt. Ab Mitte der 1980er Jahre, nach der Explosion des Kernreaktors in Tschernobyl, wurde zudem die Radioaktivität gemessen. Diese sei inzwischen aber stark zurückgegangen, berichtet Schwerin. Nachweisbar seien indes immer noch Spuren von Pflanzenschutzgiften wie DDT oder Lindan. Ihr Einsatz ist in Deutschland schon lange verboten, doch sie bauen sich nur sehr schwer oder gar nicht in der Atmosphäre ab.

Übrigens verfügt die Messstation über einen eigenen Brunnen mit Wasseraufbereitung und eine Wärmepumpe zum Heizen des Gebäudes. Dass dieses so einsam im Wald gelegen ist, stört Schwerin nicht. Schließlich hat er zwei Kollegen. Außerdem sei immer etwas zu tun. Ab und zu bekommt er auch vierbeinigen Besuch. „Es läuft schon mal ein Reh vorbei“, erzählt Schwerin. „Und im April 2017 ist ein Wolf an der Waldkante entlanggezogen – keine hundert Meter von unserer Station entfernt.“

Von Bernd Schossadowski

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