„Wie ein Familienmitglied“

Ute Schmalz aus Lüder fährt seit 1977 nichts anderes als VW Käfer

+
Echte Liebe zum Auto: Stolz präsentiert Ute Schmalz ihren aktuellen VW Käfer – ihren siebten in 38 Jahren. Sie alle hat die Lüderanerin auf den Namen Jonathan getauft.

Lüder. Wenn Ute Schmalz an ihre erste große Liebe denkt, wird sie wehmütig. Ihr längst Verflossener hieß Jonathan, war weiß und wurde 1969 gebaut. Die Rede ist von ihrem VW Käfer. Es war das erste Auto, das sich die Lüderanerin kaufte – im März 1977 für 2000 Mark.

„Hier begann meine Liebe zum Käfer. Ich kann nicht sagen, was da mit mir passierte. Vielleicht sprang ein Funke über“, meint die 58-Jährige. Denn bis heute ist sie nichts anderes als Käfer gefahren. Ihr jüngstes Exemplar, weiß mit schwarzem Verdeck, ist bereits ihr siebtes.

„Sie hießen alle Jonathan“, verrät Ute Schmalz. 1977 waren nämlich der Film und das Buch „Die Möwe Jonathan“ sehr beliebt. Deshalb gab sie ihrem Käfer diesen Namen, der bis zum heutigen Modell vererbt wurde. Dazwischen lagen fünf Käfer, mit denen die Lüderanerin, die einen Frisörsalon in Bad Bodenteich betreibt, viele Erinnerungen verbindet. Ihr zweites Modell hatte ein Schiebedach und war orange. „Er bekam eine Lackierung in Schwarz, die ihn sehr elegant aussehen ließ. Doch eines Tages übersah uns ein Kleintransporter – Totalschaden“, erinnert sie sich.

Nummer drei war hellblau, und wurde in ein tiefes Weinrot umlackiert. Zugegeben, er hatte seine Macken. „Er hupte ziemlich oft in Rechtskurven. Keiner wusste warum. Käfer haben eben ihr Eigenleben“, erzählt sie. Eines Tages lieh sich ihr Vater das Auto aus und nahm einen Betonpfeiler mit. Und so begab sich die Lüderanerin wieder auf die Suche.

Ihr viertes Exemplar war Baujahr 1964 und beige. Leider hatte es nur eine 6-Volt-Batterie. „Radio und Licht gleichzeitig einzuschalten, war nicht zu empfehlen. Dann wurde es immer dunkel“, schildert sie. Nummer fünf war weiß, trug einen breiten schwarzen Streifen und hatte eine Halbautomatik. Auch er wurde umlackiert – in Pink. Ein paar Jahre später erfolgte jedoch die unfreiwillige Trennung durch den TÜV. Dann kam ihr erster Mexikaner, ein Gefährt der Edition „Silver Bug“, gebaut in dem mittelamerikanischen Land. „Man kann sagen: Wir hatten eine Beziehung“, sagt Ute Schmalz schmunzelnd. Auch ihn fuhr sie solange, bis der TÜV etwas zu bemängeln hatte.

Nach ihrem aktuellen Modell, dem siebten Jonathan in der langen Reihe, hat sie lange gesucht, weil Käfer in Deutschland kaum noch erhältlich waren. In Bayern wurde sie schließlich fündig. Seit 1996 fährt sie ihn – „wir sind ein gutes Team.“ Erst im August ist ihr rollendes Schätzchen, Baujahr 1994, durch den TÜV gekommen.

Aber woher rührt ihre Liebe zum Käfer? „Für mich ist das das schönste Auto der Welt. Es ist wie ein Familienmitglied“, erklärt sie. „Und das kleine Dreieckfenster ist die beste Bio-Klimaanlage.“

Von Bernd Schossadowski

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare