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Handylicht als Stoppsignal: Ärger um Bushaltestelle in Neu Lüder

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Von: Bernd Schossadowski

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Schulkinder an der Bushaltestelle in Neu Lüder
Die 14-jährige Mia Steiner und ihre Schwester Marieke (9) stehen an der Haltestelle in Neu Lüder – ausnahmsweise im Hellen. Wenn sie dort morgens auf den Bus warten, der sie zur Schule bringt, ist es stockdunkel. © Schossadowski, Bernd

Wenn Mia Steiner morgens zur Bushaltestelle in Neu Lüder – zwischen Langenbrügge und Bad Bodenteich – geht, darf sie ihr Handy nicht vergessen. Denn sonst könnte es passieren, dass die 14-Jährige, die um 6.38 Uhr mit dem Bus des Bodenteicher Reiseunternehmens Timm zum Uelzener Herzog-Ernst-Gymnasium fährt, an der Haltestelle stehen gelassen wird.

Neu Lüder - Die Bushaltestelle befindet sich auf freier Strecke neben der L 270, wo es im Winter morgens stockdunkel ist. „Der Busfahrer hat mir gesagt, dass ich die Taschenlampe meines Handys einschalten soll, damit er mich sieht“, erzählt Mia der AZ. Einmal sei der Bus vorbeigefahren, weil der Fahrer sie im Dunkeln offenbar nicht wahrgenommen hatte. Für Mandy Steiner, die Mutter der 14-Jährigen, ist das ein unhaltbarer Zustand. „Meine Tochter kam morgens weinend nach Hause und sagte: Der Bus hat nicht angehalten“, schildert sie. „Wenn es dunkel ist, stehen die Kinder da in einem schwarzen Loch.“ Das betreffe auch ihre jüngere Tochter Marieke. Die Neunjährige fährt um 7.08 Uhr mit dem Bus der Firma Timm zur Grundschule Bad Bodenteich.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Haltebucht in Neu Lüder im toten Winkel befindet, weil sie um einige Meter von der L 270 zurückgesetzt ist und zum Teil von der Hecke des Nachbarhauses verdeckt wird. Daher können Busfahrer die Haltestelle erst sehr spät erkennen – manchmal zu spät. „Der Bus ist hier schon ein paar Mal vorbeigefahren, hat dann aber nach einigen Metern angehalten und zurückgesetzt, damit ich einsteigen konnte“, berichtet Mia.

Doch inzwischen wüssten die meisten Busfahrer, dass Mia morgens an der Haltestelle in Neu Lüder wartet. „Wenn sie sehen, dass ich mit der Handylampe winke, betätigen sie die Lichthupe, um mir zu zeigen, dass sie mich gesehen haben“, sagt Mia. Für den Fall, dass ihr Handy-Akku mal leer sein sollte, habe die Firma Timm empfohlen, eine Taschenlampe mitzunehmen, erzählt Mandy Steiner.

Was sie ebenso wie die fehlende Beleuchtung ärgert, ist die Tatsache, dass es an der Haltestelle kein überdachtes Wartehäuschen gibt. Dieses sei gerade im Winter bei Regen oder Schnee dringend erforderlich, meint Mandy Steiner. „Mia ist pitschnass, wenn sie morgens in der Schule ankommt“, kritisiert sie. Und ein Regenschirm bringe bei windigem Wetter nichts – der fliege nur weg.

Mandy Steiner hat sich deshalb an die Gemeinde Lüder gewandt und um einen Regenschutz und eine Beleuchtung für die Haltestelle gebeten. Darüber diskutiert am Mittwoch, 12. Januar, der Bau- und Kulturausschuss der Gemeinde Lüder. Die öffentliche Sitzung beginnt um 15 Uhr im Haus der Dorfgemeinschaft in Reinstorf.

Gemeindedirektor Michael Müller hat zwar Verständnis für Mandy Steiners Anliegen, schränkt jedoch ein: „Wir würden es gerne machen, können es uns aber finanziell nicht leisten.“ Dass die Busse in Neu Lüder einfach vorbeifahren, kann sich Müller nicht vorstellen. „Das ist eine offizielle Haltestelle, das muss der Busfahrer wissen“, betont er im AZ-Gespräch.

Das sieht Michael Timm, Geschäftsführer des Bad Bodenteicher Reiseunternehmens, genauso. „Die Haltestelle in Neu Lüder ist uns seit Jahren bekannt. Alle Fahrer kennen sie. Mir ist nicht zu Ohren gekommen, dass wir das Mädchen mal haben stehen lassen“, sagt er. Allerdings gibt Timm zu, dass die Haltestelle aufgrund ihrer Lage im toten Winkel schwer erkennbar sei. „Eine kleine Beleuchtung würde dort helfen“, meint er. Dass Mia mit ihrer Handy-Taschenlampe winkt, hält Timm übrigens nicht für despektierlich, sondern für eine gute Lösung: „Das finde ich total top.“

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