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Schulbustraining für Bad Bodenteicher Zweitklässler

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Von: Bernd Schossadowski

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Ein Schulbus schwenkt in Richtung Bürgersteig und überfährt dabei zwei Pylonen. Daneben warten mehrere Schüler.
Michael Timm vom Reiseunternehmen aus Bad Bodenteich führt den Zweitklässlern vor, wie weit der Schulbus auf den Bürgersteig schwenkt. Zur Verdeutlichung werden Pylonen bewusst überfahren. © Privat

Was ist beim Warten auf den Schulbus, beim Ein- und Aussteigen sowie während der Fahrt zu beachten? Das erfuhren die Zweitklässler der Grundschule Bad Bodenteich jetzt bei einem von Michael Timm angebotenen Bustraining.

Bad Bodenteich – Plötzlich passiert es: Michael Timm holt mit dem Lenkrad aus und schwenkt den Schulbus schräg in Richtung der Haltebucht. Dabei überrollt das Gefährt zwei am Straßenrand platzierte Pylonen und fegt sie zur Seite. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn dort Schüler gestanden hätten. Zum Glück ist es nur eine Simulation. Die Kegel wurden absichtlich überfahren, niemand ist in Gefahr. Doch die Mädchen und Jungen der Grundschule Bad Bodenteich haben anschaulich gelernt, wie gefährlich es ist, wenn sie direkt am Fahrbahnrand auf den Schulbus warten.

Seit 2002 bietet Michael Timm, Chef des gleichnamigen Bad Bodenteicher Reiseunternehmens, ein kostenloses praxisorientiertes Schulbustraining für die Zweitklässler der örtlichen Grundschule und die fünften Klassen der Oberschule an. Jetzt war es wieder so weit: Die Grundschüler lernten das richtige Verhalten beim Warten an der Haltestelle, beim Ein- und Aussteigen, während der Fahrt und bei eventuellen Notfällen im Bus.

Das Programm hat sich Timm, dessen Busse unter anderem für den Schülertransport im Einsatz sind, selbst ausgedacht. Bewusst setzt er auf einprägsame Erlebnisse. So mussten die Kinder die Stelle des Bürgersteigs, an der sie ihrer Meinung nach gefahrlos auf den Bus warten können, mit Pylonen markieren. „Die Schüler waren überrascht, dass der Bus viel weiter hineinschwenkt, als sie dachten“, erzählt Timm der AZ. „Sobald die Pylonen umkippen, gibt es immer einen riesigen Tumult bei den Kindern.“ So lernen sie, dass sie nicht direkt an der Bordsteinkante stehen dürfen, sondern Abstand halten müssen.

Eine praktische Übung hat Timm auch für das Einsteigen in den Bus vorbereitet. Zunächst dürfen die Kinder – allerdings ohne Schulranzen – dabei absichtlich drängeln. Danach wird das Einsteigen ohne Drängeln simuliert. In beiden Fällen misst Timm die Zeit mit einer Stoppuhr. „Der Zeitaufwand beim Einsteigen mit Drängeln ist etwa doppelt so groß, als wenn die Schüler zügig nacheinander einsteigen“, berichtet er.

Die Kinder lernen auch, dass ihre Ranzen während der Fahrt nicht im Gang stehen dürfen, weil sie durch den Bus purzeln oder den Fluchtweg blockieren könnten. Zudem vermittelt Timm den Kindern, dass sie sich im fahrenden Bus festhalten müssen. Das erleben sie hautnah, indem Timm bei Schrittgeschwindigkeit plötzlich auf die Bremse tritt. „Trotz des geringen Tempos ist das ein Riesen-Ruck. Die Kinder lernen, dass das kein Spaß ist. Da bleibt ihnen bis zur zehnten Klasse in Erinnerung“, hat Timm festgestellt.

Wie lassen sich im Notfall die Bustüren öffnen? Wie wird der Nothammer richtig gebraucht? Und wie verlässt man den Bus durch Notfenster und Dachluken? Diese Fragen beantwortet Timm ebenfalls. Und er schärft den Kindern ein, dass sie Sitze, Türen und Fenster im Bus nicht beschädigen dürfen – mit Erfolg. „Schmierereien und Zerstörungen in unseren Bussen haben deutlich nachgelassen“, berichtet Timm, der für sein Bustraining positive Rückmeldungen aus den Schulen bekommen hat.

Das bestätigt Tobias Müller, Rektor der Grundschule Bad Bodenteich. „Wir finden das Training total wichtig und wollen es künftig auch unseren Erstklässern – im Herbst nach ihrer Einschulung – anbieten“, sagt er. Die Zweitklässler seien begeistert, so Müller. „Die Klassenlehrerinnen haben gesagt, dass die Schüler das toll fanden.“

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