Blankes Entsetzen bei Bad Bodenteicher Ratsfrau nach Rundgang durch marodes Schützenhaus

Der Schimmelpilz sitzt überall

+
Was aussieht wie Mehlstaub auf dem Parkett, ist in Wahrheit gesundheitsgefährdender Schimmel. Davon ist das gesamte ehemalige Schützenhaus befallen.

Bad Bodenteich. Auf den ersten Blick war es ein fast idyllisches Bild. „Das Parkett scheint wie mit Mehl überpudert“, schildert. Dr. Birgit Janßen, Mitglied der SPD/GFW-Minderheitsgruppe im Bad Bodenteicher Rat, ihre Eindrücke von einem Rundgang im ehemaligen Schützenhaus. 

Mehr zum Thema:

Streit um "Schimmelbude"

SPD/GFW-Gruppe will Schützenhaus-Abriss

Schimmelpilze im Schützenhaus

Massiver Schimmelbefall im Schützenhaus

Frist bis 30. September

Dennoch war es ein beklemmender Anblick. Denn bei dem weißen Puder handelte es sich um gesundheitsgefährdende Schimmelpilze, die sich großflächig auf dem Boden, an den Wänden und an der Decke des Gebäudes ausgebreitet haben. Deshalb durfte eine aus Rats- und Verwaltungsvertretern bestehende Besuchergruppe das marode Haus jetzt nur in Ganzkörper-Schutzanzügen betreten.

Dr. Birgit Janßen

Bei der Besichtigung erfasste Dr. Birgit Janßen das blanke Entsetzen. Das Gebäude sei massiv von Feuchtigkeit durchzogen – die Folge des seit Jahren undichten Daches, sagt die promovierte Tierärztin. „Ich war dankbar für meine Schutzausrüstung, da ich aufgrund meiner tiermedizinischen Ausbildung weiß, was Pilzsporen anrichten können, wenn sie es schaffen, sich im Körper anzusiedeln.“

Während der Begehung und unmittelbar danach habe sie zwar nichts von der Schimmel-Kontamination gemerkt. „Es ist ja kein Tränengas oder eine Chemikalie, die unmittelbar die Atemwege reizt“, erklärt sie. Doch jede Hausfrau wisse, dass ein Schimmelpilz einige Zeit brauche, bevor er sich sichtbar auf Lebensmitteln ausbreite.

Und jede Hausfrau wisse auch, dass das Problem nicht die sichtbare pelzige Oberfläche mit den Sporenträgern der Pilze sei, sondern der eigentliche Pilzkörper, der das Lebensmittel bereits vollständig durchsetzt habe.

„Gleiches gilt für das Gebäude: Der Pilz sitzt seit Jahren in Böden und Wänden, nicht nur obendrauf. Mit Saubermachen ist da nichts mehr zu retten, auch ständiges Lüften hätte keine Verbesserung des Zustandes erbracht“, betont Janßen. In früheren Jahren seien im Schützenhaus die Stellen mit Schimmelbelägen beim Saubermachen einfach weggewischt worden.

Den Vorschlag eines Teilnehmers der Besichtigung, in dem kontaminierten Gebäude Kartoffeln zu lagern, hält Janßen für bizarr. Nach den Eindrücken, die sie bei der Begehung gewonnen habe, könne sie sich „beim besten Willen nicht vorstellen, dass irgendein Interessent nach dieser Prozedur mit der Schutzkleidung und der beklemmenden Situation im Gebäude selbst gewillt ist, dieses Haus zu kaufen, und sei es für einen Euro“. Diese Hoffnung hatte CDU-Fraktionschef Jörg Formella kürzlich geäußert (AZ berichtete).

Janßen sieht, ebenso wie die übrigen Vertreter der SPD/GFW-Gruppe, für das Haus nur eine Lösung: „Je eher es abgerissen wird, desto niedriger sind die Kosten, denn je weiter der Schimmelbefall fortschreitet, desto schwieriger und teurer wird die Entsorgung.“

Von Bernd Schossadowski

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare