Ein neuer Anfang

Wie Sascha Koch aus Bad Bodenteich mit seiner transplantierten Leber lebt

Sascha Koch, hier mit seinen Hunden, wurde nach einer Vergiftung eine neue Leber transplantiert.
+
Sascha Koch, hier mit seinen Hunden, wurde nach einer Vergiftung eine neue Leber transplantiert.

Bad Bodenteich – Es war am vergangenen Donnerstag. Da fühlte sich Sascha Koch nicht gut. „Ich war einfach traurig. Man muss sich bald schämen“, sagt der junge Mann aus Bad Bodenteich.

Im fernen Berlin hatte sich der Bundestag gegen die Widerspruchslösung bei Organtransplantationen ausgesprochen (AZ berichtete).

Vielleicht kein guter Tag für viele, die auf ein Spenderorgan hoffen und auf Wartelisten stehen. Der Bundestag beließ es bei einer Zustimmungslösung wie bisher. Die Widerspruchsregelung dagegen hätte alle zu potenziellen Spendern gemacht. Es sei denn, Bürger hätten ausdrücklich widersprochen.

So bleibt die Bundesrepublik auf das Interesse und den guten Willen ihrer Bürger angewiesen. Und das, obwohl, wie Koch meint, „doch in Deutschland so strenge Regeln für die Transplantation gelten und der Hirntod des Spenders ganz, ganz sicher festgestellt werden muss. Da ist Deutschland gar nicht so sozial, wie es immer tut“.

Der heute 32-jährige Sascha Koch spricht aus Überzeugung – und Erfahrung. Er ist selbst transplantiert. Seine Leber wurde durch eine Vergiftung mit dem Grünen Knollenblätterpilz im Herbst 2015 zerstört. In der Medizinischen Hochschule Hannover wurde ihm bei multiplen Organversagen fast in letzter Minute eine Spender-Leber transplantiert.

„Ich hätte nie gedacht, dass mich so was mal treffen würde. Eine Ironie des Schicksals, denn ich habe vorher mein ganzes Leben höchstens mal Champignons im Salat gegessen. So haben gesammelte Pilze meine Vergiftung ausgelöst.“ Seine Freundin und spätere Frau Regina und er selbst landen auf der Intensivstation. Während bei seiner Frau das Gegengift anschlägt, bleibt der Erfolg bei ihm aus. „Die Ärzte haben damals etwas gefunden, was gut gepasst hat. Es hätte auch nicht später sein dürfen.“

Die Angst ist ja immer da

„Heute geht’s mir super damit. Ich will mich nicht beschweren“, sagt Koch. Vier Wochen, davon eine im Koma, war Koch in der Universitätsklinik. Er musste das Laufen wieder lernen. Später kämpfte er sich über eineinhalb Jahre („Es ging ja gar nichts richtig“) wieder in die Normalität zurück. Er arbeitet inzwischen wieder als Geschäftsführer in einem Holzgroßhandel in Soltendieck, im Betrieb der Familie.

Koch sieht klar, dass das verpflanzte Organ fünf oder 50 Jahre in ihm arbeiten kann. Er muss Medikamente nehmen. Und wenn Zeit ist, schwingt er sich auf eine Motocross-Maschine. „Das macht Spaß. Auch wenn es nicht mehr dasselbe Niveau ist wie früher“, erzählt er. Und er ist froh, nach gut vier Jahren sagen zu können, dass er heute nicht mehr so lange wie zu Beginn an die Risiken denken muss. „Die Angst ist ja immer da. Am Anfang, da war jede Blutuntersuchung ein Highlight, denn es kann ja immer was passieren.“ Trotzdem bleibt Koch auch politisch. „Die Leute, die im Bundestag dagegen gestimmt haben, haben sich damit nicht beschäftigt – oder benötigen keine Organe. Sonst würden sie alles verkaufen, um noch mal eine Chance auf ein Leben zu haben.“

Und so engagiert sich Koch, der selbst mit 18 Jahren schon einen Organspendeausweis hatte, bei Transplant-Kids aus Bienenbüttel. „Ich wollte nicht nur zu Hause sitzen, sondern etwas machen, was mit meinem Schicksal zu tun hatte. So hat man das Gefühl, ein bisschen was zurückzugeben.“ Da backen die Kochs schon mal Waffeln, wenn es ums Spendensammeln geht. 2020 will er für Transplant-Kids auf alle Fälle wieder als Betreuer auf einen Segeltörn mitgehen. Und einen Appell für das Organspenden hat er auch noch: „Es ist schade, wenn man mit seinem Tod nicht noch was Gutes getan hat.“

VON CHRISTIAN HOLZGREVE

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare