Gefährliches Schweigen der Sirenen

Samtgemeinde Aue muss Anlagen digital umrüsten – sonst bleiben sie stumm

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Als Ausguck nutzt diese Taube die Sirene auf dem Dach des alten Feuerwehrhauses in Wrestedt. Die Anlage wird noch analog alarmiert und muss – wie viele andere im Kreis Uelzen – umgerüstet werden.

Wrestedt/Bad Bodenteich – Für die Feuerwehren, aber auch die Bevölkerung wäre es ein gefährliches Szenario: Es brennt, doch die Feuerwehrsirene kann nicht aktiviert werden, um die Brandschützer zu alarmieren und die Bürger zu warnen...

Ganz einfach, weil das Sirenengeheul analog ausgelöst werden muss, der Funkturm des Landkreises Uelzen aber nur über die digitale Technik verfügt.

Darum ging es jetzt im Feuerschutzausschuss der Samtgemeinde Aue. 

Klar ist, dass die Kommunen im Kreisgebiet ihre Sirenen umrüsten müssen, denn nur noch bis zum 31. Dezember 2020 wird die analoge Alarmierung vom Landkreis sichergestellt. Allein die Samtgemeinde Aue dürfte das mehr als 100 000 Euro kosten, rechnete Fachbereichsleiter Hendrik Kunitz hoch. Doch welche Alternativen gibt es? „Man könnte die Feuerwehren mit digitalen Meldeempfängern ausstatten“, schlug er vor.

Das stieß im Ausschuss jedoch auf Vorbehalte. „Ein Meldeempfänger kann keine Sirene ersetzen“, sagte Joseph Zettelmaier (WGA) und verwies darauf, dass dazu alle Feuerwehrleute einen solchen Empfänger zu jeder Zeit griffbereit haben müssten. Das sei aber nicht zumutbar, meinte Zettelmaier und betonte: „Wenn wir die Einsatzbereitschaft sicherstellen wollen, kommen wir um die Umrüstung der Sirenen nicht herum.“

Auch Gemeindebrandmeister Thomas Lampe gab zu bedenken: „Die digitalen Meldeempfänger müsste man immer bei sich haben, ansonsten kann man sie nicht gebrauchen.“ Außerdem sei die Warnung der Bevölkerung vor Bränden „ein ganz wichtiger Punkt“, der für digitale Sirenen spreche. Die Kosten für die Umrüstung der Technik seien aber recht hoch, denn dafür gebe es derzeit nur zwei Firmen, die sich den Markt teilten, erklärte Lampe.

Ausschussvorsitzende Sylvia Meier (SPD) regte eine kreisweite Ausschreibung dafür an, die kostengünstiger sein könnte. Zunächst wollen Lampe und seine beiden Stellvertreter Volker Meyer und Torben Oetzmann dieses Thema mit den Gemeindebrandmeistern der anderen Kommunen im Landkreis erörtern. Danach soll es noch einmal in die politische Beratung in der Samtgemeinde eingebracht werden.

Aues Bürgermeister Michael Müller kündigt unterdessen einen Brief an die Kreisverwaltung an. Er wolle die Behörde fragen, ob diese sich im Rahmen des Katastrophenschutzes an den Kosten für die Umrüstung und den Erhalt der Sirenen beteiligen könne. Das weist Kreissprecher Martin Theine aber zurück. „Eine finanzielle Förderung durch den Landkreis ist nicht geplant“, teilt er auf AZ-Anfrage mit. Der Landkreis trage die Kosten für die Sendeanlagen zur digitalen Alarmierung und für den Digitalfunk. „Die Sirenenalarmierung ist Aufgabe der Kommunen“, stellt Theine klar.

VON BERND SCHOSSADOWSKI

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