Der erste Nachwuchs im „Wolfsgehege“ des Reinstorfer Biobauern Henning Bauck ist da

Hat Rotkäppchen gelogen?

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Mutter Bella mit ihren drei Welpen, die noch die kuschelige Wärmelampe brauchen. Der flauschige Wolfshund-Nachwuchs des Reinstorfer Biobauern Henning Bauck kam vor drei Wochen.

Bodenteich/Reinstorf. Das Licht blendet noch: Blinzelnd und mit einem leisen Grunzen winden sich drei Welpen, die sonst noch unter der Wärmelampe liegen, in den Händen von Tierpflegerin Manuela Wolter.

Knapp ein Jahr, nachdem der Reinstorfer Biobauer Henning Bauck mit seinem Wolfsgehege Schlagzeilen machte, kann er den ersten Nachwuchs seiner Tschechoslowakischen Wolfshunde melden.

Tierpflegerin Manuela Wolter mit einem ihrer Schützlinge.

Rüde Ego ist ein guter Papa. Den Schädel einer frisch geschlachteten Kuh lässt er links liegen, stattdessen leckt er wieder und wieder seine flauschigen Sprösslinge ab, ein Rüde und zwei Weibchen, zu denen er in der ersten Woche keinen Zutritt hatte. Die wiegen jetzt schon knapp zwei Kilo und kosten schon den Fleischsaft von den Lefzen ihrer Mutter Bella. Zum Wochenende will ihnen Tierpflegerin Manuela Wolter das erste Rindertartar vorsetzen. Auf der künstlichen Kuppe hält Tante Böse Wacht.

Wie ihre wilden Vorfahren hat Bella für die Geburt ihres Nachwuchses eine rund vier Meter lange Höhle in den Sandboden gebuddelt, ließ sich dann aber doch auf die mit Decken ausgelegte künstliche Wurfhöhle ein. Nach 63 Tagen Tragzeit war es soweit. Zehn Tage später öffneten die Welpen ihre Augen. Die tapsigen Raubtierkinder mit dem schwarz-braunen Fell muss man einfach niedlich finden – Wolf hin, Hund her.

„Das sind meine Wölfe. Das ganze Verhalten ist anders“, sagt Biobauer Bauck, unbeeindruckt von dem Ärger, den ihm der Begriff „Wolfsgehege“ im vorigen Jahr eingebracht hat. Denn das streng geschützte Wildtier Wolf darf – außer in speziellen Zoos – nicht in Gefangenschaft gehalten werden. Nach dem Bericht in der AZ hagelte es Protest von Tierfreunden. Das Veterinäramt, obwohl nach Baucks Angaben informiert, kam und nahm Proben für einen Gentest. Monate später das Ergebnis: Es handelt sich um Hunde – Tschechoslowakische Wolfshunde, wie es in den Papieren der drei Jungtiere steht.

Auf seiner Internetseite wirbt der Biobauer jetzt mit „Baucks Wölfen“ in Anführungsstrichen für seine Nutztiersafari. Von den Gentests hält er nicht viel. „Die haben anhand der Papiere entschieden. Die Tschechen haben Karpatenwölfe eingekreuzt, das ist ein ganz anderes Zuchtmaterial als der europäische Wolf“, gibt er zu bedenken. Und davon, dass der Wolfsanteil hoch ist, davon ist Manuela Wolter überzeugt: „Typisch ist das Trittsigel, der lange Zehenstand.“ Ihre Schritte setzen die Reinstorfer Wolfshunde hintereinander wie der Wolf.

Ego, Bella und Böse sind in dem knappen Jahr grau und schlank geworden. Leichtfüßig traben sie durch das Gehege. Trotz ihrer wilden Vergangenheit sind die drei Wolfshunde oder Hundswölfe auf den Menschen geprägt. Kommt Bauck, jaulen sie und wedeln mit den Schwänzen, nur mit dem Unterschied, dass Rüde Ego bei der stürmischen Begrüßung jetzt den Hals erreicht. Es ist ein unwirkliches Bild des Friedens. Schafe und zottige Rinder grasen unbeeindruckt direkt neben dem Gehege. „Das Üben und Trainieren ist wichtig“, sagt Bauck. Zwei bis dreimal in der Woche übt Manuela Wolter Sitz, Platz und Bleib! Ego geht beim Spaziergang auch bei Fuß. Und lässt sich von den Kindern bei der Nutztiersafari streicheln.

Henning Bauck sieht sein Gehege auch als ein Stück Umweltpädagogik. „Die Kinder sollen wissen, wie der Wolf aussieht.“ Und Manuela Wolter will zeigen, dass das Bild vom bösen Wolf nicht stimmt. „Rotkäppchen lügt.“

Von Gerhard Sternitzke

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