Originalgetreuer Zustand wie im Baujahr 1962

Reinstorfer baut VW Käfer aus gebrauchten Einzelteilen zusammen

Friedhelm Schulz steht neben seinem VW Käfer.
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Fünf Jahre hat Friedhelm Schulz aus Reinstorf gebraucht, um diesen VW Käfer aus vielen unterschiedlichen Einzelteilen, teils von Porsche, zusammenzubauen.
  • Bernd Schossadowski
    vonBernd Schossadowski
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Friedhelm Schulz hat sich einen Traum erfüllt: Aus unzähligen Einzelteilen hat der Reinstorfer nach fünf Jahren akribischer Arbeit einen VW Käfer restauriert und zusammengebaut, der möglichst originalgetreu dem Stand des Baujahres 1962 entspricht.

Reinstorf – Das Fahrgestell stammt von einem VW Käfer Automatik von 1974. Die Karosserie wurde 1984 in Mexiko hergestellt. Und der Motor ist ein knapp 60 Jahre alter Vier-Zylinder von Porsche. Herausgekommen ist ein VW Käfer, der möglichst originalgetreu auf den Stand des Baujahres 1962 zurückversetzt wurde. In fünfjähriger Arbeit hat der Reinstorfer Friedhelm Schulz sein perlweißes Schmuckstück liebevoll restauriert und zusammengebaut. Und darauf ist der 64-Jährige sichtlich stolz.

„Das war wie ein Puzzle“, erzählt Schulz. „Wie ein Maurer ein Haus mauert, so sieht man das Auto langsam wachsen. Das ist ein richtig schönes Gefühl.“ Denn es war schon immer sein Traum gewesen, einen VW Käfer als Oldtimer zu besitzen. „Den ersten Käfer, allerdings schrottreif, habe ich mir mit 13 Jahren vom Taschengeld gekauft und daran herumgebastelt“, erzählt der Reinstorfer. Es folgten viele weitere gebrauchte Käfer, mit denen er schöne Erlebnisse hatte. Sein erster Urlaub führte 1979 in einem aufwendig hergerichteten Modell nach Südfrankreich.

Bleibende Eindrücke haben bei Schulz auch mehrere Werksbesichtigungen bei Volkswagen in Wolfsburg hinterlassen. Mit dem Eintritt in dem Ruhestand konnte er seine Restaurierungspläne endlich verwirklichen. Dafür musste ein alter VW Käfer herhalten, der sich seit Jahren in seinem Besitz befand. Die Einzelteile trug Schulz akribisch zusammen. „Auf Käfer-Treffen und Ersatzteilmärkten habe ich mich inspirieren lassen. Die Teile habe ich dann alle bei Ebay gekauft“, berichtet er.

Der Motor stammt von einem Porsche

Der Motor hatte in den frühen 1960er-Jahren seinen Dienst in einem Porsche 356 B versehen. „Mit seinen vier Zylindern und ,satten‘ 75 PS passte er haargenau ins Heck des Käfers hinein“, sagt Schulz. Der Motorblock wurde von einer Fachfirma komplett zerlegt und revidiert. Der Zusammenbau der einzelnen Komponenten erfolgte nach der vollständigen Erneuerung in der heimischen Werkstatt.

„Der Porsche-Motor hat einen deutlich sonoreren Sound als der eines VW Käfers“, erklärt Schulz. Das habe sich kürzlich bei der Geräuschmessung durch den TÜV gezeigt. „Im ersten Versuch hat das nicht geklappt. Erst als ich den Motor leiser gemacht habe, hat der Käfer seine Zulassung als Oldtimer bekommen“, verrät er schmunzelnd.

Originalgetreu ist die Innenausstattung. Lenkrad, Türverkleidungen, Kotflügel, Sitze, Schalter, Faltdach und Stoßstangen stammen von 1962. Eine kleine Porzellanvase ziert das Armaturenbrett. Auf der Heckablage befindet sich eine umhäkelte Rolle Toilettenpapier, auf der Rückbank eine ebenfalls gehäkelte 60er-Jahre-Decke – beides von Carola Schulz, der Ehefrau des Reinstorfers, gefertigt. Hinzu kommt ein historischer Gepäckträger am Heck. Auf Klimaanlage, Airbags, ABS, elektrische Fensterheber, Kopfstützen, Servolenkung und Bremskraftverstärker muss Schulz indes verzichten. Die Sicherheitsgurte hat er nachgerüstet.

Ein erhebendes Fahrgefühl

Es sei ein erhebendes Fahrgefühl, schwärmt der Reinstorfer. „Tempo 175 bin ich damit schon gefahren.“ Allerdings ist er mit seinem rollenden Schmuckstück nur bei absolut trockenem Wetter unterwegs. Ansonsten steht der Oldtimer in einer eigens dafür gebauten Garage.

Alle VW Käfer haben eine Besonderheit: Der Motor befindet sich im Heck. Das brachte einen jungen Prüfingenieur kürzlich beinahe zur Verzweiflung, wie Schulz erzählt: „Er suchte für die Geräusch- und Abgasmessung vorn unter der Haube verzweifelt nach dem Motor.“

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