Bad Bodenteich: Löst Multifunktionsgebäude marodes Schützenhaus ab?

Quadratisch, praktisch, gut

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Frank Juchert.

Bad Bodenteich. Nächste Etappe im Ringen um die Zukunft des Schützenhauses Bad Bodenteich.

Nachdem die erste Kostenschätzung eines Architekten im Sommer ergeben hatte, dass die notwendigen Maßnahmen, um das Haus energetisch zu modernisieren und den Brandschutzauflagen gerecht zu werden, mindestens 1,1 Millionen Euro verschlingen würden, möchte die Gemeinde jetzt eine zweite Meinung einholen.

„Das ist wie mit einem Patienten, der eine schlechte Diagnose erhalten hat und anschließend einen weiteren Experten zu Rate zieht“, erläutert Gemeindedirektor Frank Juchert. Zur Erinnerung: Im Frühjahr war das Schützenhaus der kommunalpolitische Dauerbrenner – Kontroversen um fehlende Brandschutzkonzepte und Genehmigungen, tropfende Decken und ein unwirtschaftliches Kosten-Nutzen-Verhältnis hatten das Gebäude in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Jetzt, Monate später, im Angesicht des mit Macht in das Land drängenden Herbstes hat sich der dichte Pulverdampf, der sich in heftigen Auseinandersetzung in den Räten gebildet hatte, zwar verzogen. Doch das über 30 Jahre alte Schützenhaus steht immer noch auf der Agenda des Fleckens.

Juchert, seit knapp einem Jahr als Gemeindedirektor Bad Bodenteichs im Amt, hat – nachdem ihm das Schützenhaus in den vergangenen Monaten „schlaflose Nächte bereitet hat“ – den politischen Gremien mehrere Szenarien vorgeschlagen, wie es künftig mit dem in großen Teilen maroden Gebäude weiter gehen könnte. „Ob Verkauf, Abriss, Teil- und Komplettsanierung oder den Einsatz einer Betreiber- und Verwaltungsgesellschaft – es darf keine Denkverbote geben“, macht Juchert deutlich.

In dem Zusammenhang verhehlt Juchert nicht, dass er sich durchaus einen Abriss des Schützenhauses vorstellen könnte. Das Gebäude sei halt für die heutigen Standards einfach zu groß dimensioniert. Insofern könnte sich der 45-Jährige auch mit einem „kleineren Multifunktionsgebäude anfreunden – quadratisch, praktisch, gut, für rund 300 bis 400 Gäste, mit einem kleinen Catering.“ Entscheidend sei am Ende allerdings die Wirtschaftlichkeit der jeweiligen Optionen. Problematisch beim Schützenhaus sei sicherlich auch die geringe Auslastung. „Das 2500 Quadratmeter große Haus ist lediglich 30 Mal im Jahr belegt.

Vor diesem Hintergrund dürfe auch nicht vergessen werden, dass es innerhalb des Burgensembles mit dem Brauhaus und dem Rittersaal zwei weitere Möglichkeiten gebe, Veranstaltungen in Bad Bodenteich durchzuführen. Allerdings mit Einschränkungen, betont Juchert. „Die Nutzung des Brauhauses ist aufgrund der Zweckbindungsfrist nicht beliebig. Das heißt: Beim Bau des Brauhauses im Jahr 2005 sind aus verschiedenen Töpfen, unter anderem aus der EU, Fördergelder in Millionenhöhe geflossen. Ursprüngliches Ziel der Förderung war, ein touristisches Aktionszentrum ins Leben zu rufen. Und an diese Zweckbindung sind wir noch bis zum Jahr 2020 gebunden. Deshalb könnten wir die Nutzung nicht einfach umwidmen.“ Im Gegensatz zum Rittersaal: Dort ist die Zweckbindungsfrist bereits ausgelaufen. Seite 8

Von Andreas Becker

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