Rat hofft auf Nacht-Abschaltung

Politiker verzichten auf Schallgutachten zum Windpark bei Langenbrügge

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Drei Windräder stehen schon südöstlich von Langenbrügge, zwei weitere sollen hinzukommen.

Langenbrügge – Vor rund drei Monaten hatte sich der Gemeinderat Lüder noch vehement gegen den Bau weiterer Windräder im Südosten von Langenbrügge stark gemacht (AZ berichtete).

Doch in ihrer jüngsten Sitzung haben die Kommunalpolitiker eine unerwartete Rolle rückwärts vollzogen. Mit sieben zu zwei Stimmen – bei zwei Enthaltungen – beschloss der Rat, auf die Erstellung eines Schallschutzgutachtens zum Windpark zu verzichten.

Zuvor hatte die Gemeindeverwaltung zwei Kostenangebote von Ingenieurbüros für eine schalltechnische Untersuchung eingeholt. Eines beläuft sich auf 3800 Euro, das andere auf 2142 Euro. In beiden Fällen kämen aber noch Nebenkosten in unbekannter Höhe hinzu, sagte Gemeindedirektor Hendrik Kunitz.

Für Ratsfrau Marie-Luise Stünkel (WGA) war das ein Grund, auf das Gutachten zu verzichten. „Das ist sehr viel Geld, und wir wissen nicht, wie es ausgeht. Der große Betrag schreckt mich ab“, sagte die Langenbrüggerin, die die Geräuschbelastungen durch die Windräder während der Ratssitzung Ende August noch scharf kritisiert hatte. Stünkel schlug stattdessen ein anderes Vorgehen vor: Der Rat sollte sich für eine Nacht-Abschaltung der Windräder einsetzen, um den Schallschutz zu erreichen.

Auch Wolfgang Schulze (SPD) sprach sich gegen das Gutachten aus. „Ich sehe da wenig Erfolg“, meinte er. Zudem sei dann ein Gegengutachten des Windpark-Betreibers zu erwarten, gegen das die Gemeinde gerichtlich vorgehen müsste. „Das wäre ein Fass ohne Boden“, warnte Schulze vor hohen Kosten. Dem pflichtete Klaus Meyer (CDU) bei: „Der Ausgang des Gutachtens ist fraglich.“

Ganz anders sah das Mienold Eilers, der die SPD im Gemeinderat vertritt. „Ich bin entsetzt und enttäuscht, wie der Rat heute reagiert“, erklärte er und erinnerte an den einstimmigen Beschluss vor drei Monaten. „Wir sind es den Langenbrügger Bürgern schuldig, dass wir wenigstens beginnen, diesen Weg zu gehen.“

Ähnlich kritisch äußerte sich Andreas Wilczak (CDU). Mit Blick auf zwei vorherige Diskussionen des Gemeinderates über geplante Baumpflanzungen am Schützenhaus und eine Beregnungsanlage für den Sportplatz in Lüder meinte er: „Ich finde es traurig, dass über Material entschieden wird, aber nicht über die Menschen, die dort leben.“ Letztlich stimmten Eilers und Wilczak als einzige Ratsmitglieder für die Erstellung des Gutachtens.

VON BERND SCHOSSADOWSKI

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