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Odyssee beim Registrieren von Flüchtlingen aus der Ukraine

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Von: Bernd Schossadowski

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Flüchtlinge aus der Ukraine kommen im Bahnhof in Berlin an
Die Registrierung von fünf Geflüchteten aus der Ukraine beim Landkreis Uelzen, hier ein Symbolbild, wurde für Tankmar Sauer aus Lüder zur Odyssee. © Hannibal Hanschke (dpa)

Eine Odyssee hat Tankmar Sauer aus Lüder erlebt, als er jetzt fünf Geflüchtete aus der Ukraine beim Landkreis Uelzen registrieren lassen wollte. Dort sei er auf bürokratische Hürden gestoßen, erzählt er der AZ.

Lüder – Sie haben auf ihrer Flucht vor dem Krieg in der Ukraine viel Leid und Zerstörung erlebt. Eigentlich müsste die Registrierung geflüchteter Menschen, die in der Region Uelzen vorübergehend ein neues Zuhause gefunden haben, unbürokratisch ablaufen. Doch die Odyssee, die Tankmar Sauer aus Lüder bei der Kreisverwaltung erlebt hat, ärgert ihn sehr. „Der Landkreis Uelzen ist absolut mangelhaft bei der Registrierung aufgestellt“, kritisiert er. „Das ist hochpeinlich.“

Fünf geflüchtete Ukrainer hat Sauer bei sich zu Hause aufgenommen: eine 38-jährige Frau mit Tochter und Sohn sowie eine 47-jährige Witwe mit Tochter. „Beide Familien leben in abgeschlossenen Wohnungen auf meinem Hof. Wir wollen sie auch in der Zukunft begleiten“, sagt Sauer. Kennengelernt hatte er sie über ein deutsch-ukrainisches Ehepaar aus Lüder.

Sauer erkundigte sich telefonisch bei der Uelzener Kreisverwaltung, wie die Geflüchteten registriert werden können. Ihm wurde erklärt, dass er ihre Pässe einscannen und an ukrainekrise@landkreis-uelzen.de mailen sollte. Dann erhalte er umgehend eine Antwort. Das machte Sauer am 10. und 13. März, nachdem er die Familien bei sich aufgenommen hatte.

„Da nichts passierte, habe ich am 15. März nachgefragt und bekam die Antwort, dass eine andere E-Mail-Adresse richtig wäre: Auslaenderamt-Anlaufstelle@landkreis-uelzen.de“, erzählt Sauer. Da er auch dort keine Antwort bekam, suchte er am 17. März das Kreishaus persönlich auf. „Ich habe es bis zur Information geschafft, weiter aber nicht. Leider bekam ich keine Durchwahl zur Ausländerbehörde“, wundert er sich.

Doch Sauer gab nicht auf und kontaktierte die Kreistagsabgeordneten Rainer Fabel (FDP), Andreas Dobslaw (UWG) und Max Lemm (CDU) per E-Mail. „Mir ist nämlich ein bisschen den Geduldsfaden gerissen“, verrät er. Fabel und Dobslaw hätten sich bei ihm zurückgemeldet und zugesagt, sich beim Landkreis für sein Anliegen einzusetzen. Am 18. März erhielt Sauer plötzlich einen Anruf vom Landkreis: Er könne am 21. März mit den Ukrainern im Sozialamt vorbeikommen. Zusammen mit seinen fünf Gästen und drei weiteren Ukrainern erledigte er an diesem Tag die erforderlichen Formalitäten, damit die Geflüchteten finanzielle Hilfen bekommen können. Am Freitag, 25. März, sollten sie nun endlich registriert werden.

„Ich finde es beschämend, dass die Verwaltung auch nach so langer Zeit nicht vernünftig darauf vorbereitet ist“, sagt Sauer. Zum Wohle der Geflüchteten müsse die Registrierung beim Landkreis viel schneller erfolgen. Denn davon hänge viel ab: finanzielle Hilfen, Krankenversicherung, Corona-Impfungen und Arbeitserlaubnis.

„Angesichts der großen Anzahl geflüchteter Menschen, die registriert werden wollen, hat der Landkreis kurzfristig seine Abläufe nachgebessert, um eine zeitnahe Abarbeitung zu gewährleisten. Daher die unterschiedlichen Mailadressen“, erklärt Kreissprecher Martin Theine auf AZ-Anfrage. „Selbstverständlich ist hausintern eine entsprechende Weiterleitung eingerichtet, die eingehende Mails korrekt zuordnet.“

Theines Tipp zur Registrierung der Menschen: Auf der Homepage des Landkreises findet sich ein Formular zur Aufenthaltsanzeige. Dieses sollte ausgefüllt und mit einer Kopie des Passes an Auslaenderamt-Anlaufstelle@landkreis-uelzen.de gemailt werden. „Die zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vereinbaren dann schnellstmöglich einen Termin zur persönlichen Vorsprache.“

Das Verfahren zur Registrierung und Beantragung des Aufenthaltstitels sei sehr zeitaufwendig, sodass zurzeit mit längeren Wartezeiten bis zur Terminvereinbarung gerechnet werden müsse. „Nachteile hinsichtlich möglicher Leistungsansprüche beim Sozialamt ergeben sich daraus nicht“, betont Theine.

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