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Oberschule Bad Bodenteich unterrichtet fünfte Klassen nach neuem Konzept

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Von: Bernd Schossadowski

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Kirsten Freudenthal und Mingo Hartmann sitzen zusammen mit mehreren Schülern auf der kleinen Empore des Marktplatzes in der Oberschule Bad Bodenteich.
Kirsten Freudenthal (hinten links), pädagogische Mitarbeiterin für Inklusion, und Schulleiterin Mingo Hartmann, mit den Schülern der fünften Klassen. Diese lernen gerade gemeinsam auf der Empore des „Marktplatzes“. © Bernd Schossadowski

Vier „Lerninseln“ und ein „Marktplatz“ als zentraler Treffpunkt: Die Oberschule Bad Bodenteich geht beim Unterricht für die fünften Klassen neue Wege. Mit diesem Konzept wird sie sich für den Deutschen Schulpreis 2022 bewerben.

Bad Bodenteich – Wenn die fünften Klassen der Oberschule Bad Bodenteich zum Unterricht kommen, gehen sie nicht in gewöhnliche Klassenräume, sondern in „Lernbüros“. Und wenn sie sich zusammensetzen, um in Gruppen zu lernen oder lesen, geschieht das auf dem „Marktplatz“. So heißt der zentrale Treffpunkt im ersten Stock der Oberschule. Diese geht seit August neue Wege und hat ein völlig verändertes Unterrichtskonzept für die Fünftklässler eingeführt.

„Selbstgesteuertes Lernen und die Selbstständigkeit der Schüler sollen im Fokus stehen“, erklärt Schulleiterin Mingo Hartmann im AZ-Gespräch. Die Lehrer agieren dabei als Mentoren und Lernbegleiter, der Schüler sind ihre Lernpartner. Anstatt in Klassen wurden sie in drei verschiedene Gruppen – gelb, grün und rot – aufgeteilt, aber nicht nach Leistungsniveau, sondern bunt gemischt.

Zwar gibt es weiterhin lehrerzentrierten Unterricht, doch an vier bis fünf Stunden in der Woche können die Kinder selbst entscheiden, welches Fach sie mit welchen Mitschülern und in welcher Umgebung lernen möchten. In den insgesamt vier „Lernbüros“ hat jeder Schüler seinen eigenen Arbeitsplatz. „Die Tische sind nicht frontal zur Tafel ausgerichtet, sondern so, dass jeder optimal arbeiten kann“, sagt Hartmann.

Auf dem „Marktplatz“, der sich in der Mitte der vier Büros befindet, steht eine hölzerne Empore bereit, auf der die Kinder sitzen oder liegen können – je nachdem, was für sie beim Lernen bequemer ist. Und noch etwas ist außergewöhnlich: Sowohl Fünftklässler als auch Lehrer tragen in diesem Bereich des Schulgebäudes Hausschuhe.

Auch die Eltern werden intensiv in das Konzept eingebunden. Für sie sind Stammtische, Seminare und Workshops mit Infos und gegenseitigem Austausch geplant. Betreut wird das Projekt von einem 14-köpfigen Team, dem neben Mingo Hartmann weitere Lehrer, eine Lern- und Ergotherapeutin, eine Sozialpädagogin und eine Förderschullehrkraft angehören.

„Aufgrund der Corona-Zeit haben die Kinder ganz viele Lernrückstände und psychosoziale Probleme“, schildert Hartmann. „Bei unserem Projekt lernt jeder mit jedem, und die Identifikation mit der Schule ist sehr hoch.“ Entsprechend positiv sei die Resonanz der Schüler und Eltern. In den nächsten Jahren will die Oberschule das Projekt jahrgangsaufsteigend fortsetzen. Das biete die Chance, dass ältere Schüler die jüngeren beim Lernen unterstützen, betont Hartmann.

„Wir wollten einfach mal neue, mutigere Wege gehen“, sagt Lehrerin Karin Uhlenbrock. Und das hat sich inzwischen herumgesprochen. So ist Brigitte Rössing, Regionalberaterin des Deutschen Schulpreises, auf das Projekt der Oberschule aufmerksam geworden. „Sie hat uns bestärkt, uns für den Deutschen Schulpreis 2022 zu bewerben“, verrät Hartmann. Das Motto des Wettbewerbs der Robert-Bosch-Stiftung lautet „Unterricht besser machen.“

„Uns freut besonders, dass wir vom Regionalbüro angesprochen und zur Teilnahme animiert wurden“, erklärt Uhlenbrock. „Das werden wir auf jeden Fall machen, es ist eine Super-Chance für uns“, sagt Hartmann. Die Preisvergabe ist für September 2022 geplant. Der Gewinner erhält 100 000 Euro, für die fünf Zweitplatzierten gibt es jeweils 25 000 Euro. Es gehe aber nicht in erster Linie darum, Geld zu gewinnen, betont Hartmann. „Wir wollen vielmehr die Möglichkeiten nutzen, die uns dann zur Verfügung stehen: Austausch mit Lehrkräften anderen Schulen, Evaluation, Unterstützung und Beratung.“

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