Mit Birgit und Christian Augustin kehrte endlich wieder Kontinuität in die Gaststätte „Am Bahnhof“ in Soltendieck ein

Neues Gasthaus dank Eisenbahn

Das freundliche Trio: Christian und Birgit Augustin sowie Koch Niko Iabs (rechts) hinter dem Tresen.

Soltendieck. Der Bau der Eisenbahnlinie von Bremen nach Berlin brachte um 1900 wirtschaftlichen Aufschwung nach Soltendieck. Nach dem Bau eines Bahnhofes hielten im Dorf ab Oktober 1898 die ersten Züge und rund um den Bahnhof siedelten sich Betriebe an.

Und das mit dem wirtschaftlichen Aufschwung kann man durchaus auch von einer anderen Seite aus betrachten.

Arbeiter der Bahn und der umliegenden Werkstätten entwickelten Trinkgewohnheiten, die die Erteilung der Konzession eines weiteren Gasthauses in Soltendieck „jenseits der Schienen“ zuließen. Zu diesem Zweck wurde 1904 in unmittelbarer Nähe zum Bahnhofsgelände und am Wegekreuz von Suhlendorf nach Bodenteich und von Wieren nach Schnega ein Gebäude errichtet. Die neue Gaststätte wurde sinnigerweise „Am Bahnhof“ genannt. Und so heißt sie auch heute noch. Das Haus an der Kreuzung mit dem weißen Putz und roten Backsteinverzierungen macht einen gepflegten Eindruck.

Vieles hat sich in den vergangenen mehr als hundert Jahren in diesen Räumen getan. Eine Gaststätte ist es immer geblieben, wenn es auch in den 80er Jahren ein häufiges Hin und Her mit verschiedenen Betreibern gab.

Mit der Übernahme von Birgit und Christian Augustin im März 1994 kehrte endlich wieder Kontinuität in das Haus ein. Vereine hatten wieder eine gewisse Planungssicherheit und es ging weiter mit dem „wirtschaftlichen Aufschwung“, denn vom Getränkeverkauf allein und kleineren schnell angerichteten Speisen trägt sich so eine Wirtschaft nicht.

Das erkannte auch das Betreiberehepaar. Christian Augustin ist in Soltendieck aufgewachsen, kennt hier jeden und weiß die Leute einzuschätzen. Birgit kommt aus der elterlichen Gastronomie, hat dort die Buchführung betrieben und hat in der Küche ihr eigenes und ausgewiesenes „Staatsgebiet“.

Vor zwei Jahren dann erfolgte ein gewisser Umbruch. Die beiden Gastronomen entschlossen sich, die kleine Speisekarte nicht nur zu erweitern, sondern sie auch qualitativ auf ein besseres Niveau zu bringen und den Gästen Appetit zu bereiten. Familienfeiern in der Gaststätte finden immer mehr Zuspruch.

Donnerstags ist Hähnchen-Tag. Aus der Küche kommen die knusprig-braunen Geflügeltiere grillfrisch auf den Tisch. Die Broiler sind ein Renner. Über einen Mangel an Gästen kann sich nicht beschwert werden. Ganze Familien finden sich ein, um ein wenig von der boomenden „Wienerwald“-Atmosphäre zu schnuppern. Da wundert es nicht, dass es auch einen „Hähnchen-Stammtisch“ gibt. Genießer, die man an diesen Tagen recht häufig am runden Tisch antrifft. Zum Wochenende wird „Am Bahnhof“ ein ebenso schmackhaftes wie auch preiswertes Menü angeboten.

Gesungen wird in einer Kneipe oft. Meist zu vorgerückter Stunde und dann auch noch laut und einer Melodie folgend eher stümperhaft. Das ist im Soltendiecker Gasthaus anders. Zumindest dienstags. Da hallen kulturell schon ansprechende Töne durch die Räumlichkeiten. Der Gemischte Chor hält seine wöchentliche Übungsstunde ab. Im Halbkreis nach Stimmen getrennt ist man fleißig dem Gesang zugetan.

An jedem ersten Montag im Monat treffen sich hier die Damen des SoVD-Ortsverbandes. In bester Laune werden Neuigkeiten aus dem Dorf ausgetauscht, wird erzählt und Klönschnack gehalten. In lockerer Runde werden Karten gespielt, wird geknobelt oder einfach mal mit einem Gesellschaftsspiel für Abwechslung gesorgt. Kaffee und Kuchen dürfen an solchen Nachmittagen natürlich nicht fehlen.

Das sehen Fußballfreunde natürlich etwas anders. Da kommen andere Getränke auf den Tisch, wenn am Wochenende der Bundesliga-Fußball rollt oder Spiele der Champions-League übertragen werden. In einer Gruppe Gleichgesinnter lassen sich vor der Großbild-Leinwand Siege besser feiern oder Niederlagen leichter ertragen. Ihrem Wirt danken die Fans von Eintracht Braunschweig, Schalke 04 oder dem FC Liverpool mit den Schals der Vereine, die die Thekendecke schmücken.

Und natürlich sind unter den Fans auch solche des heimischen TuS Soltendieck. Die Mitglieder halten hier ihre Versammlungen ab wie auch der Förderkreis Fußball oder der SoVD-Ortsverband. Zu Hause ist hier auch der Sparverein, der seine Gelder hinterlegt und sie am Ende des Jahres an die Sparer auszahlt. Zum Jagdessen treffen sich die Jagdpächter.

Sie alle fühlen sich wohl hier und bestens betreut. Der lange Thekenraum ist zweckmäßig eingerichtet und strahlt nicht nur durch das knisternde Feuer im Kaminofen eine wärmende Atmosphäre aus. Wer ganz hinten in der Ecke an der Theke sitzt, hat den besten Überblick und kann, so er will, sein Bierchen in Ruhe genießen. Oder auch mehr. Im schlimmsten Fall ist für ihn der Zug abgefahren, sieht er nur noch Schlusslichter… Aber „Am Bahnhof“ ist es eh gemütlicher.

Von Ulrich Bleuel

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