Politik erhält Mitspracherecht bei Verordnung

Nein zu grundsätzlichen Verboten: Kreis setzt Naturschutzpläne bei Langenbrügge aus

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In der ehemaligen Sandkuhle bei Langenbrügge ist ein Biotop entstanden. Statt eines Naturschutzgebietes soll dort „nur“ ein Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen werden.

Langenbrügge. Dürfen Wälder und Wiesen im Nordosten Langenbrügges künftig nicht mehr oder nur noch eingeschränkt bewirtschaftet werden? Das befürchtet die Mehrheit des Gemeinderates Lüder, falls das Kammmolch-Biotop in der ehemaligen Sandkuhle am Ortsrand als Naturschutzgebiet ausgewiesen werden sollte. Daher hat sich der Rat vehement gegen entsprechende Planungen ausgesprochen (AZ berichtete).

Jürgen Schulze

Jetzt atmet Bürgermeister Jürgen Schulze (CDU) erst einmal auf: Der Landkreis hat mitgeteilt, dass das Verfahren zur geplanten Ausweisung des Naturschutzgebietes „Langenbrügger Moor“ vorerst ausgesetzt ist. Stattdessen will die Behörde prüfen, ob das Areal ein Landschaftsschutzgebiet werden kann. Mit diesem Schutzstatus wären deutlich weniger Restriktionen verbunden, glaubt Schulze. „Das ist ein gutes Zwischenergebnis für uns. Es ist genau das, was wir wollten“, begrüßt er die Mitteilung des Landkreises, schränkt aber ein: „Man weiß nicht, wie es dann weitergeht. Vielleicht wird das Biotop doch irgendwann als Naturschutzgebiet ausgewiesen.“

Tobias Linke

Der Landkreis bereite derzeit die Verordnung zum Landschaftsschutzgebiet vor, berichtet der für Umweltfragen zuständige Baudezernent Tobias Linke auf AZ-Anfrage. „Danach werden die politischen Gremien erörtern, ob dieser Schutz ausreichend ist.“ Zunächst werde dieses Thema im Umweltausschuss und anschließend im Kreisausschuss diskutiert, bevor der Kreistag die Entscheidung darüber treffe.

Linke bestreitet, dass der Landkreis auf Wunsch des Lüderaner Rates von einem Naturschutzgebiet Abstand genommen hat. „Es handelt sich vielmehr um einen Beschluss der politischen Gremien des Landkreises, der uns als Verwaltung so aufgegeben wurde“, betont er. Ein Landschaftsschutzgebiet habe auch keine geringere Qualität als ein Naturschutzgebiet. „Die Verordnung ist nur gefälliger formuliert und verständlicher zu lesen“, erläutert Linke.

Priorität habe jeweils der Schutz von Tieren und Pflanzen. In einem Naturschutzgebiet sei grundsätzlich alles verboten, was diesen Status gefährden könnte. Dagegen sei in einem Landschaftsschutzgebiet erst einmal viel mehr erlaubt. „Man müsste dann aktiv alle Sachen verbieten, die man nicht haben will“, schildert der Dezernent.

Die politischen Gremien des Landkreises würden nun die möglichen Verbote und Gebote in dem Biotop individuell prüfen. „Dabei könnten einzelne Punkte abgemildert werden“, sagt Linke.

Der Landkreis will mit der Verordnung für das Kammmolch-Biotop eine Vorgabe der Europäischen Kommission erfüllen. Diese hat die EU-Mitgliedsländer aufgefordert, entsprechende Flächen zu sichern. „Das kann in einem Naturschutz- oder einem Landschaftsschutzgebiet passieren“, berichtet Linke. „Mit der geplanten Verordnung würden wir dem Sicherungswerk der EU gerecht werden.“

Von Bernd Schossadowski

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