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Nach Unfall am Übergang bei Lüder: Politik und Verwaltung fordern Schranke

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Von: Bernd Schossadowski

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Polizei, Feuerwehr, Krankenwagen und Rettungshubschrauber am Sonnabend nach dem Unfall auf dem unbeschrankten Bahnübergang zwischen Lüder und Langenbrügge
Polizei, Feuerwehr, Krankenwagen und sogar der Rettungshubschrauber waren am Sonnabend nach dem Unfall auf dem unbeschrankten Bahnübergang zwischen Lüder und Langenbrügge im Einsatz. © Feuerwehr

Eine 86-Jährige fuhr am Samstagnachmittag an einem unbeschrankten Bahnübergang gegen einen Erixx-Zug. Im Vorfeld gab es drei Versuche, die Bahn zum Bau einer Schranke zu bringen.

Lüder – Für viele Beobachter war es nur eine Frage der Zeit, bis sich wieder ein Unfall auf dem unbeschrankten Bahnübergang der Kreisstraße 55 zwischen Lüder und Langenbrügge ereignet. Am Samstagnachmittag ist es passiert: Eine 86-Jährige hat dort mit ihrem Auto einen durchfahrenden Erixx-Zug gerammt (AZ berichtete). Die Frau hatte aber Glück im Unglück und wurde nur leicht verletzt. „Leider sehen wir uns in dem bestätigt, was wir in der Vergangenheit schon mehrfach bei der Bahn moniert haben“, sagt Jürgen Schulze, Sprecher der CDU-Fraktion im Rat Lüder, gestern im AZ-Gespräch.

In den vergangenen elf Jahren habe der Gemeinderat drei Anläufe bei der Deutschen Bahn unternommen, damit diese am Bahnübergang eine Schranke einbaut. Doch diese seien erfolglos gewesen, bedauert Schulze. Das kann Lüders Bürgermeisterin Sabine Bauck (CDU) nicht nachvollziehen. „Der Unfall ist zum Glück glimpflich ausgegangen, aber was ist beim nächsten Mal?“, fragt sie. Deshalb werde ihre Fraktion die Forderung nach einer Schranke erneut auf die Tagesordnung des Rates setzen. „Wir werden da keine Ruhe geben“, betont sie. Die K 55 sei viel befahren. „Das ist die Gefahrenstelle schlechthin“, warnt Sabine Bauck mit Blick auf den Bahnübergang.

Das sieht Torben Manning, Sprecher der WGA-Ratsfraktion, genauso. „Das ist nicht der erste Unfall, es gab dort auch schon tödliche Unfälle“, sagt er und bezeichnet die Diskussion um eine Bahnschranke als „Dauerbrenner schon seit 25 Jahren“. Auch wenn er es sich anders wünschen würde: Die Hoffnung auf eine Schranke an diesem Übergang habe er schon aufgegeben. „Ich befürchte, das wird bei der Bahn wieder im Sande verlaufen“, glaubt Manning. „Wenn dort wenigstens ein Blinklicht angebracht würde, wäre das ein Kompromiss.“ Auch die WGA werde das Thema demnächst in die Ratssitzung einbringen, kündigt Manning an. „Der Bahnübergang ist und bleibt gefährlich“, betont er.

Lüders Gemeindedirektor Michael Müller sagt, er werde den Unfall vom Sonnabend zum Anlass nehmen, um über dieses Thema noch einmal mit der Bahn zu sprechen. Dabei werde er verdeutlichen, „dass dieser Bahnübergang doch nicht so sicher ist, wie die Bahn das einschätzt“. Es sei wichtig, dass an dieser Stelle zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden, sagt Müller. Warum die Bahn einen 30 Jahre alten Planfeststellungsbeschluss, der den Einbau von Schranken an diesem Übergang vorsieht, bislang nicht umgesetzt habe, könne er nicht verstehen. „Die Bahn ist jetzt im Zugzwang“, stellt Müller klar.

Eine Sicherung von Bahnübergängen mit Schranken gebe es laut Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung nur an Hauptstrecken, erklärt eine Bahnsprecherin gestern auf AZ-Anfrage. Übergänge ohne technische Sicherung kämen fast ausschließlich an verkehrsärmeren Strecken, wie bei Lüder, vor. „Der Straßenverkehrsteilnehmer muss sich hier vor Überqueren am Andreaskreuz Übersicht auf die Bahnstrecke verschaffen und auch auf hörbare Signale der Eisenbahnfahrzeuge achten“, erläutert sie.

Den Einbau einer Schranke am Übergang bei Lüder plane die Bahn nicht. Im April habe dort eine Verkehrsschau mit Vertretern unter anderem von Bahn, Gemeinde, Straßenverkehrsbehörde und Polizei stattgefunden. „Eine mögliche technische Sicherung des Bahnübergangs wurde nicht in Betracht gezogen“, so die Bahnsprecherin.

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