Weltkriegs-Gefallene in Soltendieck und Reinstorf exhumiert und auf Bodenteicher Friedhof beigesetzt

Letzte Ruhestätte für drei Soldaten

Erwin Kowalke hat die Gebeine der drei Soldaten, hier das Grab in Soltendieck, exhumiert. Foto: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge
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Erwin Kowalke hat die Gebeine der drei Soldaten, hier das Grab in Soltendieck, exhumiert.
  • Bernd Schossadowski
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Soltendieck/Reinstorf. Die Umbettung geschah im Stillen, doch sie wirft noch einmal ein Schlaglicht auf die Schrecken des Zweiten Weltkriegs.

71 Jahre nach ihrem gewaltsamen Tod haben jetzt drei deutsche Soldaten auf dem Bad Bodenteicher Friedhof ihre letzte Ruhestätte gefunden. 

Auf dem Bodenteicher Friedhof wurden die sterblichen Überreste in zwei Gräbern bestattet.

Die Gräber hatten sich zuvor in Soltendieck und Reinstorf befunden. Die Exhumierung der sterblichen Überreste erfolgte durch einen Experten des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge im Auftrag der Samtgemeinde Aue. „So etwas hat es in den letzten Jahren im gesamten Kreis Uelzen nicht gegeben“, sagt Jan Effinger, Geschäftsführer des Volksbund-Bezirksverbandes Lüneburg/Stade.

Bei einem der Soldaten handelt sich um den Gefreiten Georg Beckenbach, der am 16. Mai 1945 im Alter von 40 Jahren gefallen war. Er wurde auf dem Soltendiecker Friedhof beigesetzt. Doch weil dieser schrittweise aufgelöst wird, wurden Beckenbachs Gebeine nun exhumiert und noch am selben Tag in Bad Bodenteich bestattet. „Soldatengräber dürfen nämlich nicht aufgegeben werden. Laut Gesetz müssen sie dauerhaft erhalten und gepflegt werden“, erklärt Hendrik Kunitz, zuständiger Mitarbeiter der Samtgemeinde.

Das Gleiche gilt für das Grab der Leutnante Konrad Staegemann und Hermann Engelhardt. Die beiden Jagdflieger waren am 15. April 1945 in der Region abgeschossen worden – im Alter von 21 Jahren. Ihre vorläufige Ruhestätte fanden sie in einem gemeinsamen Grab am Kriegerdenkmal in Reinstorf. Im Zuge der Umgestaltung des Monuments durch die Dorfgemeinschaft bot sich jetzt an, auch dieses Grab zu exhumieren und die sterblichen Überreste in Bad Bodenteich beizusetzen. Die drei Soldaten wurden neben dem Gräberfeld für die Opfer der Explosionskatastrophe bestattet, die sich im März 1945 am Bahnhof Bodenteich ereignet hatte.

Bei der Exhumierung in Reinstorf konnte Umbettungs-Experte Erwin Kowalke auch ein historisches Rätsel lösen. Jahrzehntelang war unklar, ob am Kriegerdenkmal – trotz eines Grabsteins – wirklich die Gebeine zweier ehemaliger Luftwaffenpiloten beerdigt waren. Jetzt herrscht Gewissheit. „Es waren noch Teile der Lederkombi erhalten, die die Jagdflieger damals trugen. Zudem wurden Brandspuren an den Knochen entdeckt“, schildert Effinger. Somit handele es sich tatsächlich um die beiden abgeschossenen Piloten.

Die bei der Exhumierung gefundenen Schädel und Knochen wurden in Gebeinetruhen aus Karton beigesetzt. Die Grabsteine wurden aus Soltendieck und Reinstorf übernommen. „In Bad Bodenteich können die Gräber würdig erhalten bleiben“, erklärt Effinger. Die Kosten für die Umbettung trägt das Land Niedersachsen.

Unterdessen hat Hendrik Kunitz Kontakt mit der Oberschule Bad Bodenteich aufgenommen. Er könnte sich ein Geschichtsprojekt vorstellen, bei dem gemeinsam mit dem Volksbund und Schülern eine Erinnerungstafel für den örtlichen Friedhof erstellt wird. „Denn dort gibt es bislang nirgendwo einen Hinweis auf die Explosionskatastrophe oder die Kriegsopfer“, sagt Kunitz.

Von Bernd Schossadowski

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