Handarbeit macht Muskelkater

Lettische Experten sanieren Robin Hood-Castell in Bad Bodenteich

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Rund 500 hölzerne Palisaden und das Dach dieses kleinen Turms haben die Handwerker aus dem lettischen Ludza jetzt im Bad Bodenteicher Castell erneuert.

Bad Bodenteich – Wenn Janis Kondrats abends zu Bett geht, ist er nicht nur müde, sondern merkt auch in den Muskeln seiner Arme, dass er körperlich eine Menge geleistet hat.

Mit einer Axt und einem Metallkeil hat der lettische Handwerker aus der Bad Bodenteicher Partnerstadt Ludza eine Vielzahl an Eichenstämmen gespalten. „Manchmal ist das leicht, manchmal nicht“, sagt Kondrats und lächelt verschmitzt. Zusammen mit drei lettischen Handwerkern hat er jetzt das hölzerne Robin-Hood-Castell in den Bodenteicher Seewiesen saniert – und zwar vollständig in Handarbeit.

Seit 20 Jahren gibt es den mittelalterlichen Spielplatz, der in Form einer Ringburg aus handgespaltenen Eichenbohlen angelegt ist, nun schon. Auf dem Areal mit einem Durchmesser von etwa 50 Metern werden unter anderem Bogenschießen, Feuermachen mit Stein, Stahl und Zunder, Würfelbohren, Stein-Zielwurf und Backen mit Ton angeboten. „Pro Jahr nehmen etwa 1.500 bis 2.000 Personen an dem geführten Programm teil: von Erwachsenen über Kindergärten bis zu Schulklassen“, schildert Torsten Nowotny, Leiter der Bad Bodenteicher Kurverwaltung.

Doch der Zahn der Zeit nagte überübersehbar an den 2,30 Meter hohen Palisaden, die das Castell umgeben. Das Holz war morsch und musste erneuert werden. „Der Untergrund ist sehr sumpfig und nass. Der saure Boden greift das Holz an“, erklärt Gemeindedirektor Hendrik Kunitz.

Auch diesen Unterstand, dessen Dach undicht war, hat das Team aus Ludza mit neuen Holzstämmen repariert.

Jetzt hat sich das lettische Handwerkerteam im Auftrag des Fleckens Bad Bodenteich um die Sanierung des Castells gekümmert. Den Kontakt stellte der Freundeskreis Ludza her, der auch für die kostenlose Unterkunft der Gäste aus dem Baltikum sorgte. „Ludza ist die älteste Stadt Lettlands und das Zentrum der altertümlichen Handwerkskunst“, erklärt Thomas Grams, Vorsitzender des Freundeskreises. Daher pflegen die Handwerker auch diese Arbeitstechniken. Die Verständigung mit ihnen erfolgt zumeist auf Englisch, aber auch in ihrer Muttersprache. Denn Gita Grams, die Ehefrau des Vereinsvorsitzenden, ist gebürtige Lettin und übersetzt die Gespräche.

Bei der Reparatur des Castells kommt eine neue Technik zum Tragen. Bislang waren sämtliche Palisaden der Ringburg im Erdreich versenkt. Doch künftig wird nur alle vier bis fünf Meter ein Pfosten in der Tiefe verankert. Die dazwischenliegenden Hölzer werden mit Querstreben – ohne Bodenkontakt – miteinander befestigt.

Die neuen Stämme waren zuvor in Bad Bodenteich gefällt worden. „Wir haben etwa 500 Balken ausgetauscht“, erzählt Kondrats. Außerdem wurden innerhalb weniger Tage ein Unterstand und das Dach eines kleinen Turms erneuert. Kein Wunder also, dass die Handwerker abends Muskelkater haben.

VON BERND SCHOSSADOWSKI

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