1. az-online.de
  2. Uelzen
  3. Bad Bodenteich

Bad Bodenteich: Eine durchwachsene Spargel-Saison

Erstellt:

Von: Lars Lohmann

Kommentare

Hinrich Niemann kniet auf seinem Feld und hält mehrere Spargelstangen in der Hand.
Für Spargelbauer Hinrich Niemann (Foto) war die Saison durchwachsen. Oliver Brink ist grundsätzlich zufrieden. Beide sagen, dass sie von ihrer Stammkundschaft und der Direktvermarktung profitieren. © Bernd Schossadowski

Die Saison für Spargel ist beendet. Doch haben die Spargelbauern dieses Jahr mit den Stangen auch Geld verdient? Die AZ fragte bei bei den Landwirten Hinrich Niemann und Oliver Brink nach

Bad Bodenteich - „Die Saison war durchwachsen. Die Leute haben unter anderem am Spargel gespart“, sagt Niemann, der in der Direktvermarktung rund 20 Prozent weniger abgesetzt hat als in den Vorjahren.

Daher habe er im Laufe der Saison auf einigen Feldern mit der Ernte früher aufgehört als geplant. Insgesamt sei im Vorfeld in der Branche etwas zu viel über steigende Kosten und höhere Spargelpreise gesprochen worden, das sei beim Kunden hängen geblieben. Dabei sei sein Spargel vom Preis her genauso teuer gewesen wie im Vorjahr. Das sei aber kein Anlass zum Jammern. „Wir kommen damit klar. Es ist aber auch etwas ernüchternd“, meint der Wichtenbecker. In den Corona-Jahren habe man aber auch einen höheren Umsatz als vor Corona erzielt. Als Direktvermarkter mache er seinen Schnitt und komme gut klar, weil es viele Stammkunden gebe. Landwirte, die vor allem für den Lebensmitteleinzelhandel produzieren, hätten den Preisdruck hingegen voll zu spüren bekommen.

Das bestätigt auch Brink. „Der Einzelhandel hat die Landwirte preislich extrem unter Druck gesetzt“, sagt er. Der Langenbrügger vermarktet 90 Prozent seines Spargels selbst, beliefert aber auch einige Einzelhändler in Hamburg. Es seien Preise aufgerufen worden, zu denen Landwirte nicht kostendeckend produzieren konnten, daher habe er eine Lieferung auch mal abgelehnt. „Die niedrigen Einkaufspreise hat man aber nicht an den Kunden weitergeben, sondern den Verkaufspreis teils sogar noch erhöht“, kritisiert Brink. Gleichzeitig hätten die Einzelhändler weiterhin Spargel aus Griechenland und anderen EU-Ländern importiert, obwohl dort die Saison eigentlich beendet war. Und den günstigeren Spargel neben dem deutschen angeboten. „Normalerweise liegen die Erntezeiten so, dass der deutsche Spargel allein vermarktet wird“, sagt Brink, der auch Landwirte im Ausland in Sachen Spargelanbau berät. Ein griechischer Landwirt habe ihn sogar angerufen und gefragt, was bei ihnen los sei, weil er plötzlich länger ernten sollte. „Das Problem ist, das man sich die Pflanzen kaputtmacht, wenn man zu lange erntet“, erklärt Brink. Zehn Jahre steht der Spargel in der Regel auf dem Acker. Nach drei Jahren können die Stangen das erste Mal geerntet werden.

Brink ist aber mit der Spargelsaison 2022 in Sachen Absatz und Umsatz zufrieden. Das liege an der treuen Stammkundschaft, die sich über die Jahre aufgebaut habe. Auch die Erntemenge und Qualität habe gestimmt.

Sorgen bereitet Niemann, der auch Erdbeeren direkt vermarktet und dort ebenso Rückgänge feststellt, vor allem das nächste Jahr. „Wir wissen nicht, wie es im Winter wird und wie viel Geld die Leute danach für Spargel übrig haben werden“, sagt er. Die steigenden Energiepreise und die Inflation sorgten dafür, dass Kunden sparsamer werden. Das sei schon dieses Jahr bei so manchen der Fall gewesen, könnte 2023 aber auf noch mehr Leute zutreffen. Hinzu komme für ihn als Landwirt noch der höhere Mindestlohn ab Herbst.

Auch interessant

Kommentare