Erstaufnahme in der Kaserne in Bad Bodenteich

Land hat langfristige Pläne für Flüchtlings-Notunterkunft auf ehemaligem BGS-Areal

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Der Speisesaal des ehemaligen BGS-Geländes war fast voll besetzt. Etwa 400 Bürger kamen zu der Infoveranstaltung.

Bad Bodenteich. Dr. Alexander Götz, Abteilungsleiter im niedersächsischen Innenministerium, gab sich keinen Illusionen hin.

„Die Situation stellt für uns alle eine große Herausforderung dar“, sagte er am Donnerstagabend bei der Infoveranstaltung des Landes und des Fleckens Bad Bodenteich zur geplanten Unterbringung von Flüchtlingen auf dem einstigen BGS-Gelände. Die etwa 400 Zuhörer im großen Speisesaal der Kaserne erlebten eine sachliche Diskussion ohne Ressentiments.

Dr. Alexander Götz

Die Herausforderung, von der Götz sprach, ist die große Zahl der Flüchtlinge, die täglich in Niedersachsen eintreffen und die das Land verpflegen und unterbringen muss. Auch Bad Bodenteich soll seinen Beitrag dazu leisten. Wie berichtet, sollen laut Götz zunächst 500 bis 600 Flüchtlinge in die früheren BGS-Gebäude einziehen. Zuvor müssten dort aber die brandschutztechnischen und baulichen Voraussetzungen geschaffen werden.

Wenn das DRK Uelzen als Betreiber der Unterkunft es organisatorisch für verantwortbar halte, könne im zweiten Schritt die Zahl der Flüchtlinge „auf 1000 oder noch etwas mehr“ steigen, erklärte Götz. Diese dürften sich auf dem Kasernengelände und auch außerhalb selbstverständlich frei bewegen. Ein konkretes Einzugsdatum konnte Götz aber nicht nennen. Nur so viel: „Es wird noch eine ganze Reihe von Tagen, möglicherweise auch wenige Wochen, dauern, bis die Belegung beginnt.“

Geplant sei vorerst eine Notunterkunft. „Wir gehen aber davon aus, dass wir hier im Laufe der Jahre eine Erstaufnahme-Einrichtung des Landes aufbauen werden“, sagte Götz.

Denn man plane langfristig und habe den Mietvertrag mit dem Eigentümer des Geländes zunächst für fünf Jahre abgeschlossen. Unabhängig von der Notunterkunft will der Landkreis Uelzen bis zu 150 weitere Flüchtlinge auf dem Areal unterbringen, die von dem Unternehmen „Human Care“ betreut werden.

Hans-Jürgen Felgentreu

Hans-Jürgen Felgentreu Doch wie wird es mit der Sicherheit vor Ort aussehen? Das wollten mehrere Zuhörer wissen. Hier verwies Hans-Jürgen Felgentreu, Leiter der Polizeidirektion Lüneburg, auf die Erfahrungen seiner Behörde mit bestehenden Asyl-Unterkünften. Die Straftaten, die dort von Flüchtlingen begangen worden seien, bewegten sich „identisch auf dem Niveau“ der heimischen Bevölkerung. Es gebe daher „kaum eine Gefährdung“ für die Bürger. Trotzdem habe die Polizeidirektion vorsorglich in allen Streifendiensten die Personalstärken erhöht, so Felgentreu. Claus-Dieter Reese, ehemaliger Chef der CDU/FDP/RRP-Kreistagsgruppe, forderte, dass die örtliche Polizeistation 24 Stunden am Tag besetzt wird. Bürgermeister Edgar Staßar schlug vor, die Laternen in Bad Bodenteich aus Sicherheitsgründen die ganze Nacht brennen zu lassen. Das Land, so sein Wunsch, sollte die zusätzlichen Stromkosten übernehmen. „Wir werden schon einen Weg finden, dass das Licht hier brennt“, versprach Götz. Eine Befreiung der Samtgemeinde Aue von den Sparauflagen des Landes zur Erfüllung des Zukunftsvertrages werde es aber nicht geben.

Daniel Muhsik

DRK-Mitarbeiter Daniel Muhsik, der die Notunterkunft leitet, stellte die Ausstattung auf dem Gelände vor: Für die Flüchtlinge werden neue Doppelstockbetten angeschafft, das Essen wird ein Caterer anliefern. Es wird einen Sicherheitsdienst geben, zudem Sozialarbeiter, ärztliche Versorgung, einen Rettungswagen, Deutsch- und Integrationskurse. „Und wir werden hier eine Art Kindergarten einrichten“, sagte Muhsik. „Dafür suchen wir gerade hauptamtliche Kräfte.“

Von Bernd Schossadowski

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