Käufer André Russ will Bodenteicher Schützenhaus sanieren und wieder für Feiern und Konzerte öffnen

Vom Ladenhüter zum Party-Tempel

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Die Tür zum Schützensaal steht weit offen. Dort soll wieder neues Leben einziehen – trotz der Schimmelpilz-Belastung.                                                       

Bad Bodenteich. Die Bar-hocker stehen noch immer in Reih und Glied, die Gläser sind ordentlich im Regal verstaut, den Schanktresen ziert eine kleine Weihnachtsmann-Figur. Die Gaststube des früheren Bad Bodenteicher Schützenhauses wirkt so, als sei sie noch in Betrieb.

Doch der Schein trügt: Seit Anfang 2013 ist das sanierungsbedürftige und mit Schimmelpilzen belastete Gebäude geschlossen.

Wenn es nach André Russ geht, ist aber ein Ende des Dornröschenschlafs in Sicht. Der Bad Bodenteicher Fleckenrat hat am Donnerstagabend mehrheitlich entschieden, die Immobilie an den 38-jährigen Rätzlinger zu veräußern. „Der Kaufpreis beträgt 80 000 Euro“, verrät Russ der AZ.

Die Gaststube des ehemaligen Bad Bodenteicher Schützenhauses wirkt so, als sei sie noch immer in Betrieb. Tische, Stühle und Gläser wurden nicht entfernt.

Sein Ziel ist, die Gaststube in dem Gebäude wieder zu öffnen und den Schützensaal unter anderem für Familien- und Firmenfeiern sowie fürs jährliche Schützenfest der Bodenteicher Gilde zu vermieten. Auch eigene Veranstaltungen will Russ dort ausrichten, zum Beispiel Konzerte und Partys mit Discjockeys. „Dazu möchte ich eine Eventagentur gründen“, kündigt er an. Die Einrichtung eines Bordells oder Swingerclubs schließe er indes aus, betont er. Beruflich ist Russ bisher auf ganz anderem Gebiet tätig. Er arbeitet als Gesellschafter-Geschäftsführer einer Investmentfirma in Florida, die mit Aktien handelt.

Vor einer künftigen Nutzung müsse das Schützenhaus natürlich saniert werden, erklärt der Rätzlinger. Als kurzfristige Investition rechnet er mit 20 000 Euro, langfristig müssten wohl 500 000 Euro in das Gebäude gesteckt werden. Das Ganze will er aus den künftigen Einnahmen seiner Eventagentur finanzieren.

Die Schimmelpilz-Belastung in dem Gebäude hält Russ für nicht so schwerwiegend. „Es riecht ein bisschen modrig. Aber es nicht so, dass man das Haus nicht betreten kann, weil es von der Atmung her unmöglich ist“, meint er. Zudem sei inzwischen ausreichend gelüftet worden. „Großer Schimmelbefall war mit dem Auge nicht ersichtlich.“ Wenn alles nach Plan verlaufe, könne er schon Mitte 2018 öffnen, hofft Russ. Doch jetzt stehe erst einmal die Unterzeichnung des Kaufvertrages an.

Darüber freut sich Bürgermeister Edgar Staßar (CDU). „Unsere Vereine und Verbände werden davon profitieren. Auch die Schützengilde kann sich glücklich schätzen, denn der Schießstand bleibt erhalten“, sagt er. Gemeindedirektor Hendrik Kunitz ist ebenfalls froh. „Damit wird eines der größten Streitthemen, die den Rat gespalten haben, ad acta gelegt“, ist er überzeugt.

Anders als die CDU-Fraktion stimmte die SPD/WGA/Grünen-Ratsgruppe gegen einen Verkauf der Immobilie an Russ. „Wir hätten uns lieber den Bau eines Wohnparks ge gewünscht“, erklärt Gruppensprecher Dr. Horst-Michael Hintze. Nach AZ-Informationen hatten zwei ortsansässige Bauunternehmer genau dieses Projekt im Auge. Doch der nichtöffentliche Verwaltungsausschuss lehnte ihr Vorhaben ab. „Damit wurde eine Chance vertan“, meint Hintze.

Von Bernd Schossadowski

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