Ausstellung im Bodenteicher Burgmuseum beleuchtet Rechtsprechung im Mittelalter

Kreatives aus dem Folterkeller

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Der Vorsitzende des Förderkreises Burg Bodenteich Rolf Simon wurde in den sogenannten Stock gelegt: Eine Strafe, die früher für Betrüger und Lügner vorbehalten war.

Bad Bodenteich. Bodenteich, 9. September 1847: Der Amtmann Strohmeyer zur Angeklagten Catharine Maria Hasse: „Ich frage sie also: Hat sie am Abend des 5. Oktober 1845 ihren Ehemann, den Töpfer Hasse, mittels Durchschneiden der am Hals befindlichen großen Blutgefäße getötet?“

Sie antwortet: „Ja. “ Daraufhin zerbricht der Amtmann einen weißen Weidenstab und spricht: „Das Urteil ist gesprochen, der Stab ist zerbrochen, Catharine Maria Hasse, sie muss sterben!“ Am 19. Oktober 1847 wurde sie mit dem Schwert geköpft, nachdem ein Gnadengesuch abgelehnt wurde. Es war die letzte Hinrichtung in Bad Bodenteich, wie man in der Ausstellung „Waffen, Folter, Rechtsprechung“ im Bodenteicher Burgmuseum ab morgen um 14 Uhr erfahren kann.

„Sie hat wohl ihrem Gatten den Hals mit einem Rasiermesser durchgeschnitten und hat danach zunächst behauptet, ihr Mann habe sich selbst verletzt“, sagt Rolf Simon, Vorsitzender des Förderkreises Burg Bodenteich. Die Hinrichtung habe auf einem Richstuhl stattgefunden, an den sie gefesselt wurde und sitzend vom Scharfrichter Fröhlich geköpft wurde. Ein Nachbau des Richtstuhls und ein original Richtschwert können in der Ausstellung besichtigt werden.

Als Catharine Maria Hasse verurteilt wurde, griff man nicht mehr zu einem Mittel, das lange dazu diente, Angeklagten ein Geständnis zu entlocken: der Folter. Finger, Beine und Arme wurden mit Daumen-, Bein-, und Armschrauben malträtiert. „Man zog die Schraube so lange an, bis die Gliedmaßen zerquetscht waren“, erzählt Simon.

Auf der Streckbank wurden Arme und Beine des Delinquenten mit Seilwinden auseinandergezogen, bis die Gelenke ausgerenkt waren. Betrüger wurden zur Abschreckung am Schandpfahl oder im Stock an den Pranger gestellt. In den Stock seien Menschen mit Armen und Beinen gelegt oder am Schandpfahl mit einem Halsring gefesselt worden. Auch wer den an den Pranger Gestellten mit Obst bewarf, konnte selbst dort landen, erzählt Simon.

Wer denkt, dass diese Strafen nur im finsteren Mittelalter zur Anwendung kamen, irrt sich, stellt er fest: „Am 17. Juli 1791 hat man Johann Wilhelm Endewardt gerädert.“ Beim Rädern gebe es zwei Varianten, die schnelle, wo mit einem Rad der Hals gebrochen wird, oder die langsame, wo von den Beinen aufwärts jeder Knochen des Deliquenten gebrochen wird, bis er tot ist, um ihn anschließend auf das Rad zu flechten.

Die im Museum gezeigten Ausstellungsstücke – manche selbst geschmiedete und gezimmerte Nachbildungen, andere Originale, wie die Leihgaben aus dem Bevenser Museum Schliekau – können jedes Wochenende von 14 bis 17 Uhr besichtigt werden.

Von Lars Lohmann

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