Beim Selbstverteidigungskurs in Bad Bodenteich sind Ellenbogen und Handkante erwünscht

Keine Angst vorm schwarzen Mann

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Emma Schabert stößt den schwarzen Mann Kris Mantz mit einem lauten Schrei fort, befreit ihre Handgelenke aus der Umklammerung und tritt mit einer Schienbeinratsche.

aja Bad Bodenteich. „Beinahe jede Frau hat sich schon einmal vorgestellt, wie sie sich wehren würde, wenn ihr jemand folgt“ – mit dem Fakt begrüßt Gert Unterberg, Haupttrainer beim Präventionstraining für Mädchen und Frauen des Budo-Sportvereins, rund 40 Teilnehmerinnen in Bad Bodenteich.

„Nutzen Sie Ihre Chance, einmal richtig zuzuschlagen. “.

Starke Worte aus dem Munde eines ehemaligen Polizisten. Unterberg spricht aus Erfahrung. „Ich wusste nicht, was ich tun sollte“, würden Frauen berichten, die von einem Widersacher überwältigt wurden. Sie trauten sich nicht zu, sich richtig zu wehren, wussten nicht, ob sie ihrem Peiniger Schmerzen zufügen durften und befürchteten, durch Gegenwehr noch mehr Aggression und Gewalt hervorzurufen.

Zur Nachahmung empfohlen: Nervendruck-Angriff, Fingerstich, Pressluftschlag, Blöcke, Beinstellen.

„Wenn Sie das hier beim Präventionstraining nicht hinkriegen, werden Sie es auch im Ernstfall nicht können“, ermutigt Kursleiter Unterberg die Frauen und Mädchen, sich „tatkräftig“ gegen die Übungsleiter zur Wehr zu setzen. Ju-Jutsu-Trainer Kris Mantz streift sich dafür einen gepolsterten schwarzen Anzug über und versichert den Teilnehmerinnen, dass sie auf die schwarzen Stellen mit all ihrer aufzubietenden Kraft schlagen, treten und stoßen dürfen.

Kraftvoller Einsatz von Knie, Ellbogen, Faust, Handkante und Fuß sei ausdrücklich erlaubt, betonen die Trainer. Die Frauen und Mädchen im Alter von acht bis 68 Jahren übten zunächst Schläge, Tritte und Stöße am Schlagkissen. „Ich wusste nicht, wie viel Kraft in mir steckt“, erzählt Jule über die ersten Erfahrungen beim gemeinsamen Training mit ihrer Mutter Heike Draeger-Riggert. Der war es wichtig, dass ihre Tochter weiß, dass sie sich wehren kann.

Einen aufgeschlossenen Blick für Gefahren und Risiken gab es dazu: An drei Nachmittagen durften sich die Frauen ausprobieren, ob sie sich selbst behaupten können. Denn Selbstbehauptung gehört vor Selbstverteidigung. „Stopp“, rufen 40 Frauenstimmen gleichzeitig wie aus einem Munde. „Jetzt noch etwas lauter“, ermuntert Budo-Trainerin Sarah Rathkamp: „Stopp, nein, halt!“ Die Sporthalle in Bad Bodenteich bebt, als alle Teilnehmerinnen ausprobieren, wie laut sie ihren Willen zum Ausdruck bringen können.

„Das dröhnt ziemlich in den Ohren“, klingt es zaghaft beim Gespräch danach, „das wäre mir peinlich, so laut zu schreien.“ Die nächste Übung zu zweit: Eine Teilnehmerin folgt ihrer Sportpartnerin auf Schritt und Tritt durch die Halle, bis sich die vordere unvermittelt mit einem Schritt herumdreht die Hand nach vorne streckt und laut „Stopp!“ ruft. „Ein fester Stand ist wichtig“, mahnt Rathkamp, „das üben wir jetzt mehrere Male.“

Ein „gutes Gefühl“ macht sich unter den Frauen breit. Nicht nur weil die Verfolgerin abrupt und erschrocken stehen bleibt, sondern auch weil die Verfolgerin spürt, wie der laute Halt-Ruf auf sie wirkt. „Opfer kann jede und jeder werden“, erklärt Unterberg, warum Selbstbehauptung und Selbstverteidigung nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer geeignet sei. Ängstlichkeit, Unsicherheit, Introvertiertheit und sich selbst klein machen seien Attribute, die gelegentlich durchaus auch von Männern erfüllt würden. Bei den Tätern, die nicht selten im engeren Umfeld zu finden seien, gebe es hingegen keine Erkennungsmerkmale.

Für Kinder, Jungen wie Mädchen, findet das Training Sonntag am Vormittag statt.

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