Landrat traf seine erste wichtige Personalentscheidung gegen die Opposition

„Kein Raum für Parteipolitik“

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Parteiübergreifende Auszählung: Jürgen Peter Hallier (SPD, links) und Hans-Jürgen Stöcks werteten die geheime Wahl des neuen Ersten Kreisrates aus.

Wieren/Landkreis. Als der erste und einzige kniffelige Tagesordnungspunkt der Kreistagssitzung aufgerufen wurde, machte Landrat Heiko Blume es kurz und knapp:

„Wir hatten 23 Bewerbungen, vier haben sich dem Kreisausschuss vorgestellt, ich schlage vor, Uwe Liestmann für acht Jahre zum Ersten Kreisrat zu wählen. Der Kreisausschuss ist meinem Vorschlag mehrheitlich gefolgt. “.

Doch die Opposition spielte da nicht mit gestern Nachmittag im Gasthaus Alt Wieren: So hätte sich die SPD einen Verwaltungsjuristen auf diesem Posten gewünscht.

Es sei „grob fahrlässig“ von Landrat Heiko Blume gewesen, das nicht in der Stellenausschreibung entsprechend festzuhalten, kritisierte SPD-Fraktionsvorsitzender Jacques Voigtländer: „Wenn ich einen Koch brauche, nehme ich keinen Friseur und stelle dann später auch noch einen Koch ein.“ Diesen Fehler, den der Landrat zu vertreten habe, könne man auf dieser Sitzung noch korrigieren, begründete Voigtländer die Ablehnung des Vorschlags Liestmann durch die Sozialdemokraten.

Er verstehe die Kritik nicht, erklärte CDU-Fraktionschef Claus-Dieter Reese: Landrat Blume habe von vorne herein klar gemacht, dass er Bedarf für weiteres juristisches Personal im Kreishaus sehe – und das zu Recht: „Andere Landkreise haben im Schnitt 4,9 Juristen im Hause und zwar ohne Landrat.“ Reese verwies darauf, dass Verfahren immer komplizierter würden, etwa beim Bauvolumen: „Windkaft, Biogasanlagen, Autobahn 39“. Man habe sich mit Liestmann für den besten Kandidaten entschieden „und über die juristische Ausstattung sprechen wir bei den Haushaltsberatungen“. Ein Rechtsamt werde es aber nicht geben.

Auch die Grünen mochten ihr Kreuz nicht bei Liestmann machen: „Aus unserer Sicht gab es unter den Bewerbern geeignete Juristen“, erklärte Martin Feller. Die Konsequenz sei nun die personelle Aufstockung der Kreisverwaltung „und das halten wir auch unter dem Eindruck des jüngst geschlossenen Entschuldungsvertrags nicht für gut“.

Landrat Heiko Blume sah sich dann genötigt, doch noch einmal an das Rednerpult zu treten. „Für Parteipolitik sollte kein Raum sein bei so einer Personalentscheidung“, betonte er. Man habe die Ausschreibung ganz bewusst für Nichtjuristen geöffnet.

Die SPD beantragte schließlich geheime Wahl, 24 Stimmen konnte Liestmann für sich verbuchen, eine dürfte somit aus der Opposition gekommen sein.

Er freue sich auf eine konstruktiv-kritische Zusammenarbeit, gab der frisch gewählte Erste Kreisrat dem Kreistag dann noch mit auf den Weg – bevor sich alle einvernehmlich auf den Weg zur gemeinsamen Weihnachtsfeier machten.

Von Thomas Mitzlaff

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