Ärger um Kinderbetreuung in der Samtgemeinde Aue

Kein Kita-Platz für dreijähriges Mädchen aus Lüder

Mädchen und Jungen spielen in einer Kindertagsstätte
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Mehreren Familien in der Samtgemeinde Aue konnte kein Ganztagsplatz im Kindergarten oder der Krippe angeboten werden.
  • Lars Lohmann
    vonLars Lohmann
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Die Kinderbetreuung in der Samtgemeinde Aue gestaltet sich für mehrere Eltern sehr schwierig. So stehen Denise und Lars Klingenberg aus Lüder ohne Kita-Ganztagsplatz für ihre dreijährige Tochter Pia da. Alternative Angebote der Kommune kommen für sie nicht in Frage.

Lüder – Eigentlich sollte die dreijährige Pia aus Lüder bald in den Kindergarten gehen, doch daraus wird nichts. Der Grund: Der gewünschte Ganztagsplatz in Bad Bodenteich ist vergeben. Und die von der Samtgemeinde Aue angebotenen Alternativen Stadensen und Waldgruppe kommen aufgrund der dort angebotenen Betreuungszeiten nicht in Frage. Da ihr Vater im Schichtdienst arbeitet und ihre Mutter montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr, helfen die Betreuungszeiten in Stadensen von 7.30 bis 13.30 Uhr und in der Waldgruppe von 8 bis 14 Uhr nicht weiter. So stehen Denise und Lars Klingenberg jetzt ohne Kita-Platz für ihre Tochter dar.

„Pia wird jetzt weiterhin bei ihrer Tagesmutter betreut, aber im Endeffekt nehmen wir jetzt anderen dort wieder einen Platz weg“, sagt Denise Klingenberg. Das sei ein Teufelskreis, der zu verhindern gewesen wäre. „Für ein Kind ist es auch nicht ideal, bis zur Schule fast nur bei einer Tagesmutter gewesen zu sein“, sagt sie. Daher verstehe sie auch nicht, warum die Samtgemeinde das Angebot des Paritätischen nicht angenommen habe, in Lüder Räume für einen Kindergarten zu pachten und so 38 Betreuungsplätze zu schaffen (AZ berichtete).

Eine praktikable Lösung, die zwar nicht alle Platzprobleme behoben, aber Linderung geschafft hätte, sei abgelehnt worden. „Stattdessen ist man sehenden Auges ins Messer gelaufen“, sagt Denise Klingenberg, die sich innerhalb einer Elterninitiative für den Standort Lüder eingesetzt hatte.

Aues Samtgemeindebürgermeister Michael Müller erklärt auf Anfrage der AZ, dass rein rechtlich lediglich ein Anspruch auf vier Stunden Betreuungszeit besteht. Diesen habe man auch erfüllt, könne aber aus Platzproblemen keine zusätzlichen Ganztagsplätze in Krippe und Kindergarten anbieten. Mehreren Familien könne kein Ganztagsbetreuungsplatz angeboten werden „Wir haben dann versucht, mit den Platzangeboten in Stadensen und in der Waldgruppe wenigstens eine Alternative zu bieten“, sagt Müller.

Frühestens im nächsten Jahr zum Beginn des neuen Kindergartenjahres kann es dann laut dem Verwaltungschef weitere Ganztagsplätze geben. Voraussetzung ist ein Anbau oder ein Neubau auf der grünen Wiese in Bad Bodenteich. Nächsten Donnerstag sollen dafür die Weichen im Samtgemeindeausschuss gestellt werden, samt Verabschiedung eines Nachtragshaushalts.

„Die letzte Entscheidung liegt beim Samtgemeinderat“, betont Müller. Nach wie vor gelte der politische Beschluss, dass Lüder erst wieder auf den Tisch komme, wenn die Kosten für den Kita-Bau in Bad Bodenteich 25 Prozent über den geschätzten Betrag von zwei Millionen Euro liegen.

„Es müssen nicht immer alle Einrichtungen in den großen Orten stehen“, kritisiert hingegen Samtgemeinderatsmitglied Jürgen Schulze (CDU). Auch die kleineren und mittleren Orte sollten berücksichtigt werden. Daher könne er das Festhalten an einem Ausbau der Kita in Bad Bodenteich, ohne das Angebot des Paritätischen zu nutzen, nicht nachvollziehen, „In Bodenteich wird ohne jeden Zweifel sehr gute Arbeit gemacht, aber es ist jetzt schon die zweitgrößte Kindertagesstätte im ganzen Landkreis. Sie ist ausgereizt“, sagt Schulze.

Zudem würde, bis der Anbau für zwei zusätzliche Kindergartengruppen und eine Krippengruppe steht, einige Zeit verstreichen. „Wir hätten mit einer Entscheidung für Lüder schon viel weiter sein können. Jetzt haben eine Vielzahl von Eltern Absagen erhalten“, sagt er. Das sieht Müller anders: „Es war nicht falsch, sich gegen Lüder zu entscheiden, selbst mit diesen Plätzen hätte das Betreuungsangebot nicht ausgereicht.“

Schulze kritisiert auch das Hauruckverfahren, mit dem jetzt der Bau in Bad Bodenteich festgezurrt werden soll. „Die Zahlen liegen erst seit Mittwoch vor. So eine Entscheidung kann man nicht mal eben übers Knie brechen“, so Schulze.

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