Viel zu groß zur Menschenrettung: Ausschuss kippt Pläne für neues Gefährt der Bodenteicher Wehr

Kein Bedarf für Riesen-Boot

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Dieses Rettungsboot des Arbeiter-Samariter-Bundes Sachsen entspricht in der Bauart etwa dem Gefährt, das ursprünglich für die Bodenteicher Wehr vorgesehen war. Es ist aber viel zu groß, daher soll nun ein kleineres Modell angeschafft werden.

Bad Bodenteich. Das Szenario wirkt wie ein schlechter Witz: Bei Einsätzen könnte die Freiwillige Feuerwehr Bad Bodenteich ihr Rettungsboot vom Typ RTB 2 nicht an der örtlichen Anlegestelle am Elbe-Seitenkanal zu Wasser lassen, weil dort eine Kran-Anlage fehlt.

Stattdessen müsste die Wehr das Boot bis zur Esterholzer Schleuse transportieren und von dort auf dem Wasserweg zurück nach Bad Bodenteich fahren – ein untragbarer Zustand im Fall von Menschenrettungen, bei denen jede Minute zählt. Auch ein Einsatz auf dem Seepark-Teich wäre nicht möglich.

All das wäre Realität geworden, wenn die Politik dem ursprünglichen Vorschlag des Gutachters Manfred Fennen gefolgt wäre, der den neuen Brandschutzbedarfsplan für die Samtgemeinde Aue erarbeitet hat (AZ berichtet). Darin wird empfohlen, ein RTB 2 für die Bad Bodenteicher Wehr anzuschaffen – als Ersatz für das bereits 30 Jahre alte Schlauchboot. Doch ein RTB 2, das etwa 30 000 Euro kosten würde, wäre viel zu groß für Menschenrettungen gewesen. Deshalb hat der Feuerschutzausschuss der Samtgemeinde jetzt einstimmig empfohlen, das kleinere, leichter manövrierbare und deutlich preisgünstigere Rettungsboot vom Typ RTB 1 anzuschaffen.

Für Gemeindebrandmeister Henning Tipp war das eine weise Entscheidung. „Es ist ganz wichtig, dass das Boot sehr schnell und an allen möglichen Stellen zu Wasser gelassen werden kann“, betonte er. Ein RTB 2 sei hingegen „von der Größe her so unhandlich, dass das nicht ohne weiteres möglich wäre“.

Das bestätigte Bad Bodenteichs Ortsbrandmeister Thomas Flaak im AZ-Gespräch: „Das RTB 2 hat so ein hohes Eigengewicht, dass es nur mit dem Lkw bewegt werden kann. Das ist ein Boot für offene Gewässer.“ Damit entspreche es aber nicht den Anforderungen der Bad Bodenteicher Wehr. Diese habe schon häufig Menschen aus dem Elbe-Seitenkanal und dem Seepark-Teich retten müssen. Das gehe aber nur mit dem wesentlich wendigeren RTB 1, für das auch keine Kran-Anlage notwendig sei. „Das RTB 1 wiegt nur 150 bis 200 Kilogramm und kann von vier bis sechs Personen zu Wasser gelassen werden“, erklärte Flaak.

Dieser Auffassung hat sich Gutachter Manfred Fennen nun angeschlossen. Er empfahl aber dringend, das RTB 1 mit einem Motor auszurüsten – serienmäßig hat das Boot keinen. Diesem Vorschlag folgte der Feuerschutzausschuss. Für die Anschaffung sind bereits 10 000 Euro im Samtgemeinde-Haushalt eingeplant.

Von Bernd Schossadowski

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