Christoph Schulz aus Overstedt lebt komplett plastikfrei und organisiert Abfallsammlungen in aller Welt

Kämpfer gegen Kunststoffmüll

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Engagierter Umweltschützer: Christoph Schulz hat am Strand von Sri Lanka säckeweise Müll gesammelt.

Overstedt/Berlin. Getränkeflaschen, Duschgel, Becher oder Zahnbürsten aus Kunststoff, das Ganze in einem Plastikbeutel verstaut: Für Christoph Schulz kommt ein solcher Einkauf sinnbildlich nicht in die Tüte.

Denn der Overstedter, der seit drei Jahren in Berlin zu Hause ist, lebt aus Überzeugung komplett plastikfrei. Damit will er ein Zeichen gegen die zunehmende Verunreinigung der Meere durch Plastikmüll setzen.

„Ich will etwas bewegen und andere Menschen überzeugen, ebenfalls nachhaltig und plastikfrei zu leben“, erklärt der 28-Jährige im AZ-Gespräch. Deshalb organisiert er auch regelmäßige Reinigungsaktionen an Orten in der Welt, die besonders vermüllt sind. Vor allem Asien sei in dieser Hinsicht eine kritische Region. „80 Prozent des Plastikmülls in den Meeren kommen von dort.“ Zum einen gebe es in diesen Ländern kein Bewusstsein für Müllvermeidung und Recycling, zum anderen fehlten vor Ort einfach die finanziellen Mittel dafür.

Im März war Schulz in Sri Lanka im Indischen Ozean und organisierte dort „Clean-ups“, wie er die Müllsammelaktionen nennt. Das Prinzip ist ganz einfach: Der Overstedter geht mit gutem Beispiel voran, reinigt beispielsweise einen Strandabschnitt und animiert dadurch Einheimische, es ihm gleichzutun. „Auf 20 Meter Strand haben wir sechs Säcke Müll zusammengetragen“, berichtet Schulz.

Wie gravierend das Problem in Sri Lanka ist, verdeutlicht er an einem Beispiel. Vor zwei Monaten stürzte ein 90 Meter hoher Müllberg in der Hauptstadt Colombo ein und begrub zahllose Menschen unter sich. Mehrere Dutzend von ihnen starben bei diesem Unglück. „Das war eine absolute Katastrophe – aber eine, die künstlich geschaffen wurde“, ist Schulz noch immer geschockt. Sein nächster „Clean-up“ steht auch schon vor der Tür: Ab September ist er für drei bis vier Monate in Indonesien im Einsatz. Doch auch in der westlichen Welt sieht Schulz erheblichen Handlungsbedarf. „Plastik enthält Weichmacher, die in den Köper gelangen. Das ist pures Gift für uns“, warnt er.

Seinen Lebensunterhalt und die Sammelaktionen finanziert der Umweltschützer durch einen Online-Handel für plastikfreie Waren. Vom Deo über Holzzahnbürsten bis zum Besteck aus Bambus reicht sein Sortiment. Zudem verfasst Schulz einen eigenen Internet-Blog, in dem er unter www.careelite.de über sein plastikfreies Leben und seinen Einsatz gegen die Vermüllung der Umwelt berichtet.

Plastikfrei zu leben, sei gar nicht zu schwer, sagt er und gibt dazu ein paar praktische Tipps: „Verwenden Sie beim Einkaufen keine Plastiktüten, sondern Stoffbeutel. Und füllen Sie Trinkwasser aus der Leitung in eine Edelstahl- oder Glasflasche. Man spart sich dadurch das Tragen der schweren Plastikflaschen in Sechserträgern und trinkt Wasser, das keine Plastikpartikel enthält.“

Von Bernd Schossadowski

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