Bodenteicher St.-Petri-Kirchengemeinde und Gomel-Ausschuss erinnern an Reaktorkatastrophe von Tschernobyl

Ein Gottesdienst gegen das Vergessen

+
Beim Tschernobyl-Gottesdienst in der Bad Bodenteicher St.-Petri-Kirche kamen die Pastoren Armin Sauer (links) und Lars Neumann (rechts) mit Besuchern ins Gespräch.

bl Bad Bodenteich. Der Blick in der Bad Bodenteicher St. -Petri-Kirche geht nach oben. Ein großes gelbes Band mit dem Datum „26. April 1986“ hängt über den Altar, auch die Uhrzeit ist festgehalten: „1:23 Uhr“.

Es ist der Moment, in dem im Kernkraftwerk bei Tschernobyl ein Reaktor explodierte und große Mengen Radioaktivität freisetzte.

„Vor 31 Jahren wussten wir um diese Zeit noch nichts von dem, was dort passierte“, erinnerte Pastor Lars Neumann am Mittwochabend an diese Katastrophe. Es war ein Gottesdienst gegen das Verdrängen und Vergessen, gemeinsam veranstaltet von der St.-Petri-Kirchengemeinde und dem Gomel-Ausschuss des Kirchenkreises Uelzen – ein Gottesdienst zum Innehalten.

Der größte Teil der radioaktiven Wolke fiel wie Regen auf das Gebiet rund um Gomel, eine Stadt im Süden Weißrusslands. Die Verstrahlung ist immer noch messbar, die Folgen unübersehbar. Kinder werden krank geboren oder sie haben nur wenige Monate oder Jahre ein fröhliches Kindsein. Dann verändert sich ihr Blutbild, Lymphknoten vergrößern sich, quälende Chemotherapien im Krankenhaus folgen.

Briefe von betroffenen Eltern verlasen jetzt die Gomel-Ausschussmitglieder Gerda Gade, Brigitte Besenthal und Alfred Lange. „Es ist schwer, wenn Kinder erkranken, aber noch schwerer, wenn es die eigenen Kinder sind und man hilflos ist“, beweint eine Mutter den Tod ihrer anderthalbjährigen Tochter.

„Ihr bringt immer noch Hilfe nach Gomel?“, wird Arno Klinder, Mitglied des Gomel-Ausschusses, oft gefragt. Etliche Male hat er Hilfskonvois in diese Region organisiert. Die staatliche Entwicklung habe leider nicht den gewünschten Erfolg gehabt. Hilfe sei immer noch notwendig. Etwa alle acht Monate wird ein Lkw mit Bekleidung nach Gomel geschickt. Einmal jährlich steht ein Hilfskonvoi an mit Besuchen befreundeter Einrichtungen und der Kinderhämatologie an, und es werden erkrankte Kinder zu einem Ferienaufenthalt in den Landkreis Uelzen eingeladen.

Verdrängung und Vergessenheit? „Wir sehen uns als Brückenbauer, dem entgegenzuwirken und auch nach 31 Jahren und weiterhin Hilfe in jeder Form nach Weißrussland zu bringen“, sagt Pastor Armin Sauer als Vorsitzender des Gomel-Ausschusses.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare