Es blieb nicht bei Pornofotos

Vor Gericht: Angeklagter soll Kind in Bodenteich sexuell missbraucht haben

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Mit einem Schnellhefter verdeckte der 55-jährige Angeklagte im Landgericht Lüneburg sein Gesicht. Links Verteidiger Dieter Axmann, rechts der Dolmetscher. 

Bad Bodenteich/Lüneburg – Er war von einem befreundeten Ehepaar in dessen Haus nach Bad Bodenteich eingeladen worden, doch er nutzte die Freundschaft und das Vertrauen schamlos aus.

Und schlimmer noch: Als seine Gastgeber nicht zu Hause waren, soll er deren minderjährige Tochter mehrfach sexuell missbraucht haben. Das wirft die Staatsanwaltschaft einem 55-Jährigen vor, der gestern am zweiten Verhandlungstag erstmals im Landgericht Lüneburg erschien.

Am Prozessauftakt vor einer Woche hatte der Angeklagte nicht teilnehmen können. Er war nach einem Verkehrsunfall nicht reise- und verhandlungsfähig gewesen (AZ berichtete). Gestern äußerte sich der Vietnamese, der im Ruhrgebiet lebt und als Koch arbeitet, noch nicht. Im Mittelpunkt stand das Verlesen der Anklageschrift durch Oberstaatsanwalt Kolja Christoph. Dabei geht es um acht Straftaten in vier Fällen, die der 55-Jährige zwischen Januar 1999 und November 2005 in Bad Bodenteich und anderen Orten begangen haben soll. Weil der Mann nicht gut Deutsch spricht, übersetzte ein vietnamesischer Dolmetscher für ihn.

Der Angeklagte soll die Abwesenheit der Eltern zu unterschiedlichen Übergriffen auf das Mädchen genutzt habe. So habe er dem Kind nicht nur einen Pornofilm und kinderpornografische Fotos am Computer gezeigt, sondern auch sexuelle Handlungen an dem Kind vorgenommen und ihm dabei erhebliche Schmerzen zugefügt, sagte Christoph.

Während der gesamten Anklageverlesung schaute der 55-Jährige zu Boden. Ihm gegenüber im Gerichtssaal saß das damalige Opfer, inzwischen eine junge Frau, die Nebenklägerin in dem Prozess ist. Blickkontakt zu ihr nahm der Angeklagte nicht auf. Doch kurz vor Verhandlungsbeginn hatte es im Flur des Landgerichts ein bewegendes Aufeinandertreffen zwischen Opfer und Angeklagtem gegeben.

VON BERND SCHOSSADOWSKI

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