Schützenhaus-Posse von Bodenteich: Opposition attackiert Bürgermeister

Geplatzter Deal schlägt hohe Wellen

Bad Bodenteich. Der geplatzte Verkauf des ehemaligen Schützenhauses in Bad Bodenteich an eine GmbH (AZ berichtete) schlägt immer höhere Wellen.

Auf Antrag der SPD/WGA/Grünen-Ratsgruppe soll darüber am heutigen Donnerstag noch einmal im nichtöffentlichen Verwaltungsausschuss des Fleckens diskutiert werden. Dr. Horst-Michael Hintze (WGA), Chef der Minderheitsgruppe, spricht in diesem Zusammenhang von einer Rufschädigung Bad Bodenteichs und fordert Aufklärung darüber, ob Bürgermeister Edgar Staßar (CDU) Steuergelder verschwendet hat. Der von diesem eingefädelte Schützenhaus-Deal sei eine „skandalöse Spendenaffäre“, so Hintze.

Dr. Horst-Michael Hintze.

Am 9. März hat die Gruppe erstmals die Akten dazu studieren können. Nun hat sie eine weitergehende Akteneinsicht beantragt. Eigentlich „wäre ein Untersuchungsausschuss dringend angezeigt“, meint Hintze. Das sehe die niedersächsische Kommunalverfassung aber nicht vor. Die Gruppe hofft nun, in den Akten weitere Einzelheiten über die Schützenhaus-Verhandlungen zu finden, aber auch über das 2003 gescheiterte „Victory Park“-Projekt.

Damals wollte eine deutsch-kanadische Gruppe viele Millionen Euro in den Bau eines Sport- und Freizeitparks am Elbe-Seitenkanal in Bad Bodenteich investieren. Schließlich sprangen die Investoren aber ab, das groß angekündigte Projekt wurde nie realisiert.

Nach AZ-Informationen stand hinter der „Victory Park“-Gruppe dieselbe Person, die jetzt das Schützenhaus kaufen wollte. Es handelt sich um einen ehemaligen Bodenteicher, der vor vielen Jahren nach Kanada ausgewandert ist. Hintzes Gruppe will nun von der Verwaltung wissen, ob der Mann gegenüber dem Flecken noch Verbindlichkeiten aus dem „Victory Park“-Projekt hat.

Edgar Staßar.

Die Kritik der Opposition kann Edgar Staßar indes nicht verstehen. „Diese Beiträge sind kontraproduktiv und unsachlich. Es sind Unterstellungen“, meint er. Dem Flecken sei durch den gescheiterten Verkauf des Schützenhauses kein finanzieller Schaden entstanden – im Gegenteil: Die GmbH habe auf eigene Kosten das Dach des Schützenhauses neu decken lassen und dem Flecken die geleistete Kauf-Anzahlung von 10 000 Euro als Spende überlassen.

Doch warum ist der Deutsch-Kanadier abgesprungen? „Er war sauer, weil er das Schützenhaus nicht betreten durfte“, sagt Staßar mit Blick auf die dortige Schimmelpilzbelastung. Mehr als ein halbes Jahr habe der Kaufinteressent vergeblich darauf gewartet, das Gebäude von innen sanieren zu dürfen, und letztlich die Reißleine gezogen.

Die Frage, ob der Flecken rund um das „Victory Park“-Projekt tatsächlich auf Kosten sitzen geblieben ist, vermag Staßar nicht zu beantworten. „Davon habe ich keine Kenntnis“, sagt er. „Ich bin erst seit 2007 Bürgermeister.“

Von Bernd Schossadowski

Rubriklistenbild: © Archiv / Schossadowski

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