„Schritt zurück in die Vergangenheit“

Geplantes Aus für Fahrrad-Schutzstreifen in Bad Bodenteich stößt auf Kritik

Auf der Bad Bodenteicher Ortsdurchfahrt sind häufig Radfahrer unterwegs. Wenn die Straße im kommenden Jahr saniert wird, soll der Schutzstreifen für Radler aber wegfallen – sehr zum Ärger von Einwohner Thomas Flaak.
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Auf der Bad Bodenteicher Ortsdurchfahrt sind häufig Radfahrer unterwegs. Wenn die Straße im kommenden Jahr saniert wird, soll der Schutzstreifen für Radler aber wegfallen – sehr zum Ärger von Einwohner Thomas Flaak.

Bad Bodenteich – Es entspricht der doppelten Entfernung zwischen Barcelona und der russischen Stadt Jekaterinburg im Ural: Mehr als 10 000 Kilometer ist der Bad Bodenteicher Thomas Flaak pro Jahr mit seinem Fahrrad unterwegs.

„Meine Familie und ich erledigen in unserem Alltag alles mit dem Rad. Mein Auto benutze ich nur, wenn ich zur Arbeit nach Wittingen und zurück fahre“, erzählt er im AZ-Gespräch.

Und weil Flaak so ein leidenschaftlicher Radler ist, hat er auch kein Verständnis dafür, dass mit der für 2020 geplanten Sanierung der Landesstraße 270 in der Bodenteicher Ortsdurchfahrt der Schutzstreifen für Radfahrer voraussichtlich wegfallen wird.

Die Lüneburger Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr sehe die gestrichelte Markierung am Fahrbahnrand kritisch, sagte Gemeindedirektor Hendrik Kunitz in der jüngsten Sitzung des Bodenteicher Rates (AZ berichtete). Auch die Option, einen Bereich der Landesstraße innerhalb des Ortes mit einem farblich abgesetzten Radweg auszustatten, wolle das Land nicht weiter verfolgen, so Kunitz. Der Grund sei die nicht ausreichende Straßenbreite, heißt es aus der Behörde.

Flaak, der Ortsbrandmeister der Feuerwehr Bodenteich ist, kann das nicht nachvollziehen. „Ich frage mich, warum die einzige Fahrrad-Infrastruktur im Flecken Bad Bodenteich vernichtet werden soll“, sagt er. „Wir haben seit der Errichtung des Fahrradschutzstreifens die Erfahrung gemacht, dass es sich hier sicherer fährt als in den Straßenbereichen, wo es keinen Schutzstreifen gibt.“ Nach seiner Kenntnis gab es seit der Einführung in Bad Bodenteich keinen einzigen Unfall auf dem Streifen.

In Ländern wie Dänemark und den Niederlanden werde die Fahrrad-Infrastruktur in vorbildlicher Weise ausgebaut, doch in Bad Bodenteich sei ein Rückbau geplant. Das sei „ein Schritt zurück in die Vergangenheit“. Stattdessen schlägt Flaak vor, die Schutzstreifen von den Ortseingängen bis zu den -ausgängen in Bad Bodenteich zu vervollständigen. „Im Anschluss muss dann zu den Ortsverbindungen ein Radweg vorhanden sein“, fordert er.

Deutlich kritischer betrachtet Andreas Dobslaw, Verkehrsexperte bei der Po- lizeiinspektion Lüneburg/ Lüchow-Dannenberg/Uelzen, die Schutzstreifen. Diese dürfen laut Straßenverkehrsordnung von Autos und Lastwagen nur im Ausnahmefall überfahren werden. „Die Fahrbahn der Bad Bodenteicher Ortsdurchfahrt ist aber teilweise so eng, vor allem im Bereich der Kurve am Braunschweiger Hof, dass die Verletzung dieses Streifens zur Regel wird“, erklärt Dobslaw. Zudem gibt er zu bedenken, dass Verkehrsteilnehmer, die direkt links neben dem Schutzstreifen fahren, trotzdem nicht den nötigen Sicherheitsabstand zu Radlern haben. Dobslaws Fazit: „Ich habe durchaus Sympathie für die Pläne, den Schutzstreifen in Bad Bodenteich wieder abzuschaffen.“

VON BERND SCHOSSADOWSKI

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